Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content

Judenhass, ganz offen vorgezeigt

Zahra Billoo während ihrer antisemitischen Rede auf "Convention for Palestine"
Zahra Billoo während ihrer antisemitischen Rede auf "Convention for Palestine" (Quelle: JNS)

Zahra Billoos antisemitische Rede, in der sie fast das gesamte amerikanische Judentum zum Feind erklärte, markiert eine bislang kaum dagewesene Eskalation des Judenhasses in den USA.

Melissa Langsam Braunstein

Der Geschäftsführer der Anti-Defamation League (ADL), Jonathan Greenblatt, verdient Anerkennung. Am 7. Dezember veröffentlichte er zwei Tweets, in denen forderte er den Council on American-Islamic Relations (CAIR) aufforderte, ihre Geschäftsführerin für die San Francisco Bay Area, Zahra Billoo, für ihren „lehrbuchmäßigen, abscheulichen, #antisemitischen und verschwörungstheoretischen Müll“, zu verurteilen.

Billoos „Angriff auf den Mainstream der jüdischen Gemeinschaft in den USA“ klinge „wie etwas, dass man von weißen Rassisten [white supremacists]“ zu hören erwarte, so Greenblatt in seinen Tweets.

Es überrascht nicht, dass CAIR nichts dergleichen tat, sondern Billoo beistand und stattdessen Greenblatt verurteilte.

Einige Tage später, am 12. Dezember, legte Greenblatt nach und twitterte über Billoos „klassisch verschwörungstheoretischen Antisemitismus“. Er stellte fest, dass Billoos Aussagen „Teil einer andauernden Kampagne waren, um amerikanische Juden aus den Bereichen soziale Gerechtigkeit und Bürgerrechte zu verdrängen. (…) Um es klar zu sagen: Billoos Rede – und CAIRs Unterstützung für sie – sind beides unverhohlener Ausdruck von Antisemitismus.“

Diese zweite Antwort traf den Nagel zu diesem Zeitpunkt auf den Kopf. Aber lassen Sie uns zurückspulen, denn die meisten Menschen werden nicht wissen, was diesen Schlagabtausch ausgelöst hat.

Lupenreiner Antisemitismus

Am 27. November sprach Zahra Billoo auf der 14. jährlichen „Konferenz für Palästina“ der American Muslims for Palestine in Chicago. Amerikanischen Medien ignorierten Billoos Rede, aber der in Israel ansässige Geschäftsführer von Israellycool Israel Advocacy machte die Geschichte publik, die mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihr bislang zukam.

In ihrer Rede stellte Billoo eine Verbindung zwischen Islamophobie und Zionismus her. Dabei beschuldigte sie zionistische Organisationen, Muslime verbannen zu wollen, und das israelische Militär, in den USA Polizeibrutalität zu lehren.

Billoo forderte ihre Zuhörer auf, „sich den vehementen Faschisten entgegenzustellen, aber auch den höflichen Zionisten“. Als letztere bezeichnete Billoo die Anti-Defamation League (ADL), Hillel-Gruppen an US-Universitäten, die Jewish Federation und die „zionistischen Synagogen“. Sie rief den Zuhörern zu:

„Sie sind nicht eure Freunde.“

Nachdem sie fast das gesamte amerikanische Judentum als „Feinde“ bezeichnet hatte, führte Billoo weiter aus:

„Es gibt da draußen Organisationen und Infrastrukturen, die Ihnen schaden wollen. Machen Sie keinen Fehler: die würden Sie verkaufen, wenn sie könnten, und das tun sie sehr oft hinter Ihrem Rücken.“

Isabella Tabarovsky, leitende Mitarbeiterin des Kennan-Instituts am Wilson Center und Forschungsstipendiatin des Institute for the Study of Global Antisemitism & Policy (ISGAP) sagte über Billoos Rede:

„Was an Billoos Äußerungen besonders auffällt, ist, dass sie einen Schritt getan hat, den ‚Antizionisten‘ heute normalerweise vermeiden: Sie nennt Synagogen als einen der Punkte, die ihre Zuhörer miteinander verbinden sollen. (…) Nachdem sie die Zionisten als böse dargestellt hat, öffnet Billoo den Judenhassern die Tür.“

Sie öffnet ihnen die Tür, um Juden, die eine Synagoge besuchen, ins Visier nehmen zu können. Eine solche Rhetorik rechtfertigt antijüdische Gewalt und macht sie wahrscheinlicher.

Erinnern wir uns an den Mai, als Juden angegriffen wurden, während sie in Restaurants aßen oder zu ein Pro-Israel-Kundgebungen gingen, während die Hamas in Gaza elf Tage lang eine Rakete nach der anderen auf israelische Bevölkerungszentren abfeuerte. Die antisemitischen Vorfälle haben sich allein in diesem Monat mehr als verdoppelt.

„Die Zeit läuft davon“

Greenblatts öffentliche Tweets über Billoos Rede sind wichtig. Doch nach Jahren steigender Gefahr und angesichts von Organisationen wie CAIR, die „echten Antisemitismus“ neu zu definieren versuchen, um sich selbst vom jedem Verdacht reinzuwaschen, wird es mehr brauchen, um die Sicherheit der amerikanischen Juden wieder zu gewährleisten.

Wie Wasiq Wasiq schrieb, der Gründer von Muslims Against Antisemitism (MAAS), der den britischen Juden in ihrem Kampf gegen jenen Antisemitismus zur Seite stand, der unter dem ehemaligen Führer der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, die Partei und das Land durchdringen konnte:

„Jetzt ist es an der Zeit, die Gefahr zu erkennen, der [jüdische Gemeinden] sowohl in offener als auch in verdeckter Form ausgesetzt sind. Wie sich diese Gefahr praktisch manifestiert, muss für sie, die politischen Entscheidungsträger und die US-Regierung von höchster Bedeutung sein.“

Billoos unverhohlene Feindseligkeit steht in einem brisanten Kontext. Die tödlichen Anschläge, die im Oktober 2018 in Pittsburgh begannen und sich 2019 in Poway (Kalifornien), Jersey City (New Jersey) und Monsey (New York) fortsetzten, wurden schließlich im Mai zu regelmäßiger, landesweiter Gewalt. Diese Entwicklung sollte das Verständnis der Amerikaner für die Bedrohung der amerikanischen Juden verändern.

Yasmine Mohammed, die Autorin von „Unveiled“ und Präsidentin von Free Hearts Free Minds, forderte alle auf, auf Billoo „genauso zu reagieren wie auf jeden anderen hasserfüllten Antisemiten auch – mit null Toleranz.“ Mit anderen Worten: Judenhass ist niemals akzeptabel, unabhängig von der Person, die ihn ausspricht.

Hussein Aboubakr Mansour, Direktor des EMET-Programms für Emerging Democratic Voices from the Middle East, rät amerikanischen jüdischen Organisationen,

„zusammenzukommen und laut, offen und ehrlich darüber zu sprechen (…) und ihre Position deutlich zu machen, dass sie die Sicherheit und die Rechte ihrer Gemeinschaft über jede politische Loyalität stellen werden. (…)

Sie sollten deutlich machen, dass die Juden nicht die Rechnung für die steigenden progressiven Begierden bezahlen werden. Sie müssen auch mit einem echten Plan aufwarten. (…) Das erfordert mehr als nur Worte, es erfordert eine echte Vision, wie die amerikanischen Juden das durchstehen können.“

Die politische Landschaft habe sich verändert, und auch die Strategien müssten sich ändern, meinte auch Isabella Tabarovsky und fügte hinzu:

„Billoos Kommentare sollten ein Weckruf für die Führer der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft sein. Sie müssen sich gegen diese Art von Rhetorik zur Wehr setzen. Sie müssen die amerikanischen Juden und die breitere amerikanische Gesellschaft über die Geschichte und die Auswirkungen dieser Rhetorik aufklären. Die Zeit läuft uns davon.“

Wenn Greenblatts Tweets einen Wandel darin signalisieren, wie die großen amerikanisch-jüdischen Organisationen über die Gefahr des Antisemitismus nachdenken, dann wäre das eine gute Nachricht.

Denn wenn es etwas gibt, das das amerikanische Judentum jetzt braucht, dann ist es eine Einheit, wie sie die britischen Juden im Kampf gegen den Corbynismus aufbrachten; dann ist es ein Gefühl der Dringlichkeit. 2021 ist keine Generalprobe.

Melissa Langsam Braunstein, ehemalige Redenschreiberin des US-Außenministeriums, ist jetzt unabhängige Autorin im Großraum Washington. (Der ArtikelZahra Billoo criticizes ‘polite Zionists,’ the ADL responds“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.)

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren