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Emirate und Türkei: Annäherung nach einem Jahrzehnt der Feindschaft

Präsident Erdogan empfängt den Kronprinz von Abu Dhabi Sheikh Mohammed bin Zayed Al Nahyan in Ankara
Präsident Erdogan empfängt den Kronprinz der VAE, Sheikh Mohammed bin Zayed Al Nahyan, in Ankara (© Imago Images / Xinhua)

Nach einem Jahrzehnt der Feindseligkeit und des Aufeinanderprallens auf mehreren Konfliktfeldern des Nahen Ostens haben sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Türkei in den letzten Wochen wieder verbessert. Das wirft Fragen nach den Gründen für diese Entwicklung auf.

Ende November empfing der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, den Kronprinzen der Vereinigten Arabischen Emirate. Im Zuge ihres Treffens unterzeichneten die beiden zehn Kooperationsabkommen in verschiedenen, vor allem die Wirtschaft betreffenden Bereichen.

Diesem Treffen ging eine Reihe weiterer Schritte voraus. In einem Telefongespräch am 30. August erörterten bin Zayed und Erdogan die bilateralen Beziehungen und die Möglichkeiten, diese zu stärken und auszubauen.

Am 18. August empfing der türkische Präsident eine emiratische Delegation unter der Leitung des Nationalen Sicherheitsberaters, Scheich Tahnoun bin Zayed Al Nahyan, zu einem ersten hochrangigen Treffen zwischen Beamten der beiden Länder.

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Diese Schritte zwischen der Türkei und den VAE beendeten die Phase der Entfremdung, Konkurrenz und sogar Feindseligkeit, die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern in den letzten zehn Jahren geprägt hatte.

Streitpunkt Ägypten

Obwohl die von Feindseligkeit geprägte Phase zwischen Ankara und Abu Dhabi bereits mit Beginn der Revolutionen des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 begonnen hatte, traten die Differenzen zwischen den beiden Ländern erst im Juli 2013 offen zutage, als die ägyptische Armee eingriff, um den damaligen Präsidenten Mohamed Morsi zu stürzen, der der Muslimbruderschaft angehörte.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate standen fest auf der Seite der ägyptischen Armee. Sie versorgten Ägypten mit Finanzhilfen in Milliardenhöhe und stuften die Muslimbruderschaft als terroristische Organisation ein.

Im Gegensatz dazu stellte sich die Türkei gegen den Schritt der ägyptischen Armee und bezeichnete das Geschehen als „Putsch“. In Folge beherbergte sie führende Vertreter der Muslimbruderschaft und erlaubte die Einrichtung von Fernsehkanälen, in denen Kairo, die Emirate und Saudi-Arabien angegriffen wurden.

Streitpunkt Katar

2017 stellte sich die Türkei in der Golfkrise auf die Seite Katars, als Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten ihre diplomatischen Beziehungen zu Doha abbrachen, katarische Grenzübergänge abriegelten und katarische Flugzeuge daran hinderten, ihren Luftraum zu durchfliegen. Als Reaktion darauf errichtete die Türkei damals einen Militärstützpunkt auf dem Hoheitsgebiet Katars.

Vorwurf der Desatbilisierung

2019 beschuldigte die Türkei den in den VAE lebenden ehemaligen hochrangigen Funktionär der palästinensischen Fatah Muhammad Dahlan, eine Rolle beim Putschversuch gegen Erdogan im Juli 2016 gespielt zu haben. Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu beschuldigte die VAE, „einen Terroristen zu beherbergen“, wobei er sich auf Dahlan bezog.

Im vergangenen Februar beschuldigte der türkische Innenminister Suleiman Soylu die VAE, die Türkei zu untergraben und Chaos zu provozieren, und sagte, die Emirate wollten Verwirrung stiften, Zwietracht säen und seinem Land schaden.

Streitpunkt Libyen

Die VAE und die Türkei gerieten auch in Libyen aneinander, wo die VAE General Khalifa Haftar und seine Kampagne zur Kontrolle des gesamten Landes unterstützten. Im Gegensatz dazu stand Ankara auf der Seite der ehemaligen Regierung von Fayez al-Sarraj und ihren der Muslimbruderschaft nahestehenden Milizen, die sie mit Waffen und ausländischen Söldnern unterstützte.

Warum jetzt diese Schritte der Versöhnung?

Der türkische Analyst Hisham Junay hält fest, dass der Besuch von Scheich Mohammed bin Zayed in der Türkei den Prozess der Annäherung zwischen den beiden Ländern stark vorantrieb. Diese plötzliche Annäherung zwischen den VAE und der Türkei wirft viele Fragen auf, wie Junay meint.

Er erklärt die Entwicklung damit, dass „die VAE ihr regionales Gewicht nutzen, um die Spannungen in der Region zu entschärfen, Der Besuch des Kronprinzen diente – zusätzlich zur Entwicklung der VAE-Beziehungen zur Türkei – auch der Diskussion über die Konflikte in Syrien und Libyen, und dem Versuch Lösungen für sie zu finden.“

Einem Pressebericht zufolge haben sich mit dem Ende der meisten Revolutionen im Nahen Osten und dem Bedeutungsverlust der Muslimbruderschaft zwei Hauptursachen für die Spannungen zwischen Abu Dhabi und Ankara verringert, was den Weg für den Annäherungsprozess geebnet hat.

In diesem Zusammenhang sagte Ghaleb Dalay, Fellow an der Robert-Bosch-Akademie in Berlin, gegenüber der Deutschen Welle: „Die Themen der Muslimbruderschaft und der arabischen Aufstände nehmen auf der Prioritätenliste der Türkei und der VAE nicht mehr denselben Platz ein wie früher.“

In einem Pressebericht hieß es, die Türkei suche aus wirtschaftlichen und politischen Gründen eine Annäherung an die VAE. Ankara will wirtschaftliche Unterstützung und eine schnelle Verbesserung seiner schwierigen Finanzlage, die durch den rapiden Verfall der türkischen Lira immer dringlicher wird.

Außerdem möchte die Türkei die VAE dazu bewegen, die Unterstützung der Kurden in Syrien einzustellen und die Libyen-Krise einer Lösung zuzuführen.

Zu den Gründen der VAE für eine Annäherung an die Türkei sagte der emiratische Experte Abdul Khaliq Abdullah: „Die VAE wollen die Wirtschaft ganz oben auf ihre Prioritätenliste setzen, um darüber ihre regionale Rolle zu stärken und ihre nationalen Interessen voranzubringen«. Abschließend stellte er fest, dass es deswegen an der Zeit sei, „die Wirtschafts- und Investitionsbeziehungen mit der Türkei zu stärken.“

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