Für die Türkei kämpfende Milizen machen gezielt Jagd auf Jesiden

„Während das Assad-Regime auf die Macht seiner Luftwaffe und das Gewährenlassen von Extremisten vertraut, um international den Anschein des Stabilitätswahrers zu erwecken und die gewünschten Veränderungen herbeizuführen, setzt die türkische Regierung ganz offen auf terroristische Söldner verschiedener islamistischer Milizen in Syrien, darunter auch Al-Kaida nahestehende Gruppierungen. Die seitens der Türkei für diese Milizen verwendete Bezeichnung ‚Freie Syrische Armee‘ soll nur die Legitimität des Angriffskrieges vortäuschen. Mit der Freien Syrischen Armee aus dem Jahre 2011, die von Deserteuren der Syrischen Streitkräften gegründet wurde, um Assad zu stürzen, hat sie so gut wie nichts zu tun. Die zerstreute syrische Revolution von 2011 tut es in der Methodik nun dem verhassten Regime in Damaskus gleich, gegen das sie eigentlich kämpft (…) Und so lässt die Türkei die Dschihadisten auf die Dörfer der Kurden in Afrin los und nimmt Kriegsverbrechen und Akte der ethnischen Säuberung nicht nur stillschweigend in Kauf, sondern leugnet sie auch. Ein Angriffskrieg eines NATO-Bündnispartners, das vor allem auf terroristische Bodentruppen setzt. (…)

Für die êzîdîsche Minderheit sind die Akteure in Afrin keineswegs Unbekannte. Seit Jahren versuchen islamistische Milizen die Dörfer der verhassten Christen und Êzîden zu erobern. Die in Afrin von der Türkei unterstützten Terrorgruppen machen gezielt Jagd auf Êzîden, wie Augenzeugenberichte, die ÊzîdîPress vorliegen, beweisen. So etwa in dem kürzlich von der Türkei und ihren Söldnern eroberten Dorf Qibare (arab. al-Hawa) im Nordosten der Afrin-Region. Die Êzîden machten in dem etwa 6.000 Bewohner zählenden Dorf über die Hälfte der Bevölkerung aus. Zudem verfügt das Dorf über drei für Êzîden heilige Pilgerstätten. Ein perfektes Ziel für Dschihadisten, die in den Êzîden ‚Ungläubige‘ sehen, die es zu töten oder vertreiben gilt. (…) In einem von Anhängern der ‚Freien Syrischen Armee‘ selbst auf Sozialen Netzwerken verbreiteten Video sind Kämpfer der Miliz in dem êzîdîschen Dorf Qastel Jindo nach dessen Eroberung zu sehen. Die Söldner jubeln unter ‚Gott ist groß‘-Rufen und zeigen auf einen Markt, den sie als ‚Märkte der Schweine‘ – gemeint sind die Êzîden – bezeichnen.

In anderen Videos drohen die Islamisten den Kurden – selbst mehrheitlich sunnitisch- unverholen, ihnen ‚die Köpfe abzureißen‘, sollten sie nicht dem ‚Ruf des Islams‘ folgen. Der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman, warnte indes vor dem drohenden Schicksal der Êzîden. In einem von den Extremisten selbst veröffentlichten Video habe er gesehen, wie ein älterer Dorfbewohner ausgefragt wurde, ‚wie oft er am Tag bete‘. Solche Verhöre habe der IS seit 2014 angewandt, um Êzîden zu entlarven, die anschließend getötet, vergewaltigt und versklavt wurden. (…) Nach dem Völkermord an den Êzîden im Irak droht nun eine weitere Katastrophe für die êzîdîsche Gemeinschaft im Nahen Osten. Die Dörfer der Êzîden in Afrin sind von radikal-islamischen Milizen besetzt worden, eine Rückkehr erscheint immer unwahrscheinlicher. Es droht eine weitere Heimat der Êzîden verloren zu gehen.“ (Bericht auf ÊzîdîPress: „‚Zeigt uns die Häuser der Êzîden!‘ – Wie von der Türkei unterstützte Islamisten Jagd auf Minderheiten in Afrin machen“)

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