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Hamas versucht, die Westbank zu übernehmen

Gedenkfeier der Hamas für ihre in der Westbank getöteten Kämpfer
Gedenkfeier der Hamas für ihre in der Westbank getöteten Kämpfer (© Imago Images / ZUMA Wire)

Die Hamas scheint momentan eine Doppelstrategie zu fahren: Während sie versucht, den Gazastreifen ruhig zu halten, schleust sie gleichzeitig Terrorzellen ins Westjordanland ein.

Am vergangenen Dienstag hielt der Nachrichtensprecher im israelische Sender 12 sekundenlang den Atem an. Es gäbe, so verkündete er dann, Breaking News zu vermelden. Berichten diverser arabischer Quellen zufolge, habe sich Hamas mit Hilfe ägyptischer Vermittler zu einem „stabileren“ Waffenstillstand inklusive Gefangenenaustausch mit Israel bereit erklärt.

Tatsächlich finden schon seit geraumer Zeit Gespräche hochrangiger Verantwortlicher in Kairo statt. Letzte Woche nahm sogar Terrorchef, Ismail Haniyeh, daran teil.

Hamas vs. Fatah in der West Bank

Ein solche Waffenpause wäre in der Tat eine ebenso dramatische wie wünschenswerte Entwicklung, denn spätestens seit den Unruhen im vergangenen Frühjahr, die zur Operation „Wächter der Mauern“ geführt haben, zeichnet sich Hamas durch gefährliche Expansionslust aus.

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Die Terrororganisation, die den Gaza-Streifen beherrscht, will ihre Macht auch auf die West Bank ausweiten. Das scheint ihr, zunehmend zu gelingen, wie eine aktuelle Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research, bestätigt.

 Obschon sowohl die Fatah Organisation als auch Hamas in letzter Zeit an lokaler Popularität eingebüßt haben, sitzt Hamas immer noch am oberen Ast. 45% der Befragten finden Hamas verdiene es, das palästinensische Volk anzuführen, und nur 19% denken das Gleiche über die Fatah. Fänden heute Präsidentschaftswahlen statt, so würden zwar nur 51% der Befragten teilnehmen, aber von diesen 51% gäben 56% Haniyeh ihre Stimme und nur 34% dem Fatah-Vorsitzenden, Abbas.

Massive Anschläge in Israel vereitelt

Um die Ausdehnung der Terrororganisation zu bremsen, fährt Israel immer wieder punktuelle Sicherheitsaktionen. Sie sollen Terroranschläge vereiteln und damit auch größere Waffengänge vermeiden. Man spricht in diesem Zusammenhang denn auch von der „Rasenmäher-Strategie“.

Eine solche Sicherheitsaktion hat vergangene Woche mächtig Staub aufgewirbelt. Denn in ihrem Zuge wurde eine besonders gefährliche Hamas-Terrorzelle, die sich in diversen Teilen der West Bank eingenistet hatte, ausgehoben.

Laut Berichten der israelischen Sicherheitsdienste, hatte diese umfangreich verzweigte Zelle vor, massive Terroranschläge in Tel Aviv, Jerusalem, Netanya und Afula, auszuüben. Dabei sollten auch möglichst viele Israelis gekidnappt werden. Geleitet, so nimmt man an, werden Pläne dieser Art nicht nur von der Hamas Führungsriege im Gaza-Streifen, sondern auch von ihrem internationalen Pendant, dessen Mitglieder jetzt im Ausland leben.

Gerade weil die involvierten Terroristen so zahlreich und so weitverzweigt waren, kam ihnen der israelischen Sicherheitsdienst Shin Bet auf die Schliche. Jedenfalls wurden die ersten, involvierten Terroristen bereits vor zwei Wochen festgenommen. Sie waren es dann, die das volle Ausmaß der geplanten Attacken enthüllten.

Am folgenden Samstagabend kam es zu koordinierten, simultanen Verhaftungsaktionen an fünf verschiedenen Stützpunkten in der West Bank, an denen sich Mitglieder der Hamas-Zelle verschanzt hatten.

Hamas beschuldigt die palästinensische Autonomiebehörde

Stellenweise kam es zu Schusswechseln, bei denen zwei israelische Soldaten der Elite-Einheit Duvdevan verwundet wurden. Fünf Palästinenser kamen bei der Aktion ums Leben, sieben weitere wurden verletzt.

Mahmoud Abbas ließ sich mit seiner Kritik an der Aktion nicht lange Zeit und schimpfte, es handle sich um ein „ein übles Verbrechen“. Haniyeh wollte sich von diesen scharfen Worten aber offenbar nicht beirren lassen. Jedenfalls machte er ausgerechnet die palästinensische Autonomiebehörde für den Tod der Terroristen verantwortlich. Sie würde mit Israel zusammenarbeiten, um Terroraktivitäten in der West Bank zu unterbinden.

Perfides „Doppelspiel“ der Hamas

Generalstabschef Kochavi wertete die Aktion trotz der Verwundung zweier Kämpfer, als klaren Erfolg. Allerdings räumte er ein, die Terrorzelle sei noch nicht zur Gänze unschädlich gemacht worden. Er warnte auch vor möglichen Gegenschlägen, etwa Raketenangriffe vom Gaza-Streifen aus auf israelische Grenzstädte.

Mittlerweile ist allerdings noch Ruhe, eine Tatsache, die den Journalisten Yoav Limor dazu veranlasst, von einem perfiden Doppelspiel der Hamas zu sprechen. Auf der einen Seite würde die Organisation Terrorzellen ins Westjordanland einschleusen und massive Anschläge von dort aus planen, auf der anderen Seite hielte sie den Gaza-Streifen scheinheilig ruhig und führe Waffenstillstandgespräche in Kairo.

Stabile Waffenpause bleibt fraglich

Ob die Kairo-Gespräche letztendlich Früchte tragen werden, bleibt noch fraglich. Kurz vor der oben, beschriebenen dramatischen Ankündigung, die Hamas würde einem längerfristigen Waffenstillstand und einem Austausch von Gefangenen zustimmen, dementierte die Terrororganisation diese „Gerüchte“ und sprach von einem gescheiterten Versuch damit, „Druck auf die Führung des Widerstands“ auszuüben.

Am Tag darauf machte sich ebendiese Führung dann doch auf den Weg nach Kairo.

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