Die Folgen des saudischen Islam-Exports in Asien

„Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman mag entschlossen sein, in seinem Königreich eine nicht näher definierte Form eines mäßigen Islam wieder einzuführen, doch lassen sich die Auswirkungen der vier Jahrzehnte, in denen es weltweit ultrakonservative und intolerante Strömungen der Religion finanzierte, wohl kaum per Dekret ungeschehen machen.

Das Problem besteht nicht nur darin, dass der Ultrakonservatismus inzwischen in zahlreichen muslimischen Ländern und Communities tief verwurzelt ist, sondern auch, weil er die Grundlage für Politikformen geschaffen, die es opportunistischen Politikern ermöglichen, zur Festigung ihrer Macht vorurteilsbeladene und eifernde Gefühle zu mobilisieren. Nirgends ist dies offenkundiger als in Asien, wo sich mehrere der bevölkerungsreichsten Länder der islamischen Welt befinden.

An Beispielen für die Folgen der saudischen Großzügigkeit mangelt es nicht. Man denke an die institutionalisierte Diskriminierung der Ahmadis, einer von orthodoxen Muslimen für abtrünnig gehaltenen Sekte, in Pakistan, oder an die Ungleichbehandlung von Nichtmuslimen und Schiiten in Pakistan, Malaysia und Indonesien.

Infolge der 1975 auf saudischen Druck erfolgten Verankerung des Islam als Staatsreligion in der Verfassung des Landes und als Ergebnis innenpolitischer Konflikte werden die Grundrechte in Bangladesch auf offizieller und inoffizieller Ebene systematisch beschnitten. Die Saudis machten ihre Anerkennung der jungen Republik und mögliche finanzielle Unterstützung von dieser Verfassungsänderung abhängig.

Berichten zufolge hat Prinz Mohammed sich zu einer dramatischen Geste den Schiiten gegenüber entschlossen, die im [saudischen] Königreich seit Jahren diskriminiert und von dessen religiösen und politischen Anführern im Rahmen des saudischen Propagandakriegs gegen den Iran dämonisiert werden. Offenbar plant er einen Besuch in der religiösen Zitadelle der Schiiten im irakischen Nadschaf. Doch dürfte sich hierdurch in den mehrheitlich muslimischen Ländern Asiens herzlich wenig ändern.

Das gleiche gilt für seine Treffen mit christlichen Religionsführern in Ägypten und anderswo, auch wenn sie demonstrieren, dass Saudi-Arabien, der Wächter der beiden heiligsten Religionsstätten des Islam, unter der Führung Prinz Mohammeds die Prinzipien des interreligiösen Dialogs und der religiösen Toleranz akzeptiert.“ (James M. Dorsey: „Saudi Prince Mohammed’s religious moderation unlikely to change Asian realities“)

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