Der Schweizer Rundfunk mag keine Juden

Quelle: Juerg.hug – Jürg-Peter Hug, Zürich, CC BY-SA 3.0

„Tatsächlich stellt das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Juden entweder als schläfengelockte ultrareligiöse Fundamentalisten aus dem Jerusalemer Viertel Mea Shearim dar oder als nationalistische israelische Kriegstreiber. Das scheint angesichts von über 200 jüdischen Nobelpreisträgern in verschiedensten Kategorien reichlich eindimensional. Als Antwort auf die Frage, weshalb sich die SRG auf zwei negativ konnotierte jüdische Stereotype kapriziere, antwortet Marc Lehmann, Moderator der Radiosendung ‚Tagesgespräch‘ auf SRF 1 und SRF 4 News, am Telefon: ‚Offensichtlich ist es schwierig, andere zu finden.‘ Lehmann wurde dann aber doch fündig, mit einer dritten Spezis von Juden, derer sich SRF oft und gerne bedient, dem selbsthassenden ‚Alibijuden‘ (BaZ vom 27. Juli 2017). An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, interviewte Lehmann im ‚Tagesgespräch‘ den jüdischen Verleger Abraham Melzer, der gemäß einem Urteil des Landgerichts München vom Januar dieses Jahres offiziell als ‚berüchtigter Antisemit‘ bezeichnet werden darf. (…) Lehmann hält Melzer aber trotzdem für qualifiziert, das SRF-Publikum über den Unterschied zwischen Antisemitismus und Israelkritik aufzuklären. Über Melzers Hintergrund erfährt die Zuhörerschaft nichts.

In einer Studie zu Antisemitismus im Internet des World Jewish Congress vom Januar 2018 rangiert die Schweiz in den Top Ten auf Platz sieben. War früher die Kirche für die Verbreitung und Festigung des Ressentiments gegen Juden verantwortlich, sind es heute die Medien, die ihrem Publikum mit Auslassungen, Verkürzungen, Vorverurteilungen, Opfer-Täter-Umkehr und krassen Falschmeldungen praktisch täglich ein Zerrbild von Juden präsentieren – vertreten durch Israel, den Juden unter den Staaten. (…) SRF ist sich keiner Schuld bewusst, obwohl die Israel-Berichterstattung seit Jahren kritisiert wird. Auf eine Kritik an einem SRF-‚Club‘ antwortet die verantwortliche Produzentin: ‚Zu Ihrem haltlosen Vorwurf, wir propagierten den Judenhass, kann ich Ihnen nur sagen, dass der israelische Botschafter und die beiden anderen jüdischen Teilnehmer der Diskussion sich beim Moderator der Sendung für eine faire Gesprächsführung bedankt haben.‘ Was der Produzentin nicht auffällt: Dass sich jüdische Menschen in einer SRF-Sendung für eine ‚faire Gesprächsführung‘ bedanken (müssen), impliziert, dass man eine solche nicht gewohnt ist und auch nicht erwartet hat.“ (David Klein: „Die SRG mag keine Juden“)

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