Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Afghanistan: IS tötet Hunderte Hazara

Demonstration in rom gegen die Verfplgung der Hazara-Minderheit in Afghanistan
Demonstration in Rom gegen die Verfolgung der Hazara-Minderheit in Afghanistan (© Imago Images / Pacific Press Agency)

Laut Human Rights Watch versäumen es die Taliban, die schiitische Minderheit vor gewaltsamen Angriffen auf ihre Moscheen, Schulen und Arbeitsstätten zu schützen.

Die Hazara-Gemeinschaften in Afghanistan sind das Ziel gewalttätiger Angriffe durch den Islamischen Staat Khorasan, den afghanischen Ableger des Islamischen Staates. Laut einem Bericht von Human Rights Watch wurden im vergangenen Jahr mehr als 700 Menschen bei dreizehn Angriffen getötet.

In dem Bericht beschuldigt Human Rights Watch (HRW) die Taliban, entgegen ihren Versprechungen bei der Machtübernahme, wenig zu tun, um die Hazara und andere religiöse Minderheiten vor Selbstmordattentaten und tödlichen Angriffen zu schützen. Der IS Khorasan stecke hinter Angriffen auf Moscheen, Schulen und Arbeitsplätze der Hazara in ganz Afghanistan, so HRW, wobei auch die Opfer und ihre Familien weder eine angemessene medizinische Versorgung noch sonstige Hilfsleistungen erhielten.

Ein Sprecher der Taliban erklärte in einer Reaktion, die Regierung habe die »notwendigen Maßnahmen« zum Schutz der Hazara ergriffen und der HRW-Bericht entspreche nicht der Realität vor Ort, weswegen HRW ihn korrigieren sollte: »Gemäß der derzeitigen Regierungspolitik sind alle Afghanen vor dem Gesetz gleich, es gibt keine Diskriminierung. (…) Einzelne Vorfälle haben sich in allen Moscheen ereignet, unabhängig davon, ob sie sunnitischen oder schiitischen Muslimen gehören.«

Dem widersprach der HRW-Asien-Direktor John Sifton, als er sagte, das Problem sei nicht, »dass die Taliban für die Gewalt verantwortlich sind. Allerdings sind dafür verantwortlich, dass sie ihrer eigenen Bevölkerung keine angemessene Sicherheit bieten.« Als Regierungsbehörden müsste »ihre erste Priorität darin bestehen, ihre eigene Bevölkerung vor der Gewalt dieser aufständischen Gruppe zu schützen«.

Die Hazara, eine überwiegend schiitische ethnische Minderheit in Afghanistan, wurden in der Vergangenheit auch von den Taliban verfolgt. Während die neue Taliban-Regierung die Hazara und andere religiöse Minderheiten vergleichsweise besser akzeptiere, betrachte IS Khorasan, der in einigen Gebieten des Landes stark an Macht gewonnen hat, weiterhin alle schiitischen Gruppen als Ketzer und Feinde des Islams, so Sifton.

Die IS Khorasan hat im April sich zu einer Reihe von Anschlägen bekannt, die sich gegen Schulen der Hazara und gegen die größten schiitischen Moscheen richteten. HRW befürchtet, dass viele Anschläge in den Provinzen nicht gemeldet werden, weil die Taliban die Medien immer stärker kontrollieren. In Kabul wurden am 7. August bei Anschlägen 120 Menschen getötet und verletzt, als sie das schiitische Aschura-Fest feierten, wie die UN-Unterstützungsmission in Afghanistan berichtete.

Die Angriffe des IS Khorasan auf Hazara und andere schiitische und Sufi-Gemeinschaften seien systematischer geworden, berichtete Richard Bennett, UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Afghanistan, im Mai. Er fügte hinzu, dass sie »Elemente eines organisierten Vorgehens« sowie »Merkmale von Verbrechen gegen die Menschlichkeit« aufwiesen.

Taliban-Truppen kämpfen weiterhin gegen IS-Khorasan-Kräfte, aber es wurden keine Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um die Hazara vor weiteren Angriffen zu schützen, so Human Rights Watch. »Wir bestreiten nicht, dass die Taliban den Islamischen Staat Khorasan bekämpft. Wir fordern lediglich, dass sie mehr tun, um die am meisten gefährdete Gemeinschaft zu schützen«, sagte Sifton.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren