Wie Erdogan die Türkei wirtschaftlich gegen die Wand fährt

„Recep Tayyip Erdoğan lässt nahezu nichts unversucht, um die wirtschaftlichen Probleme seines Landes zu kaschieren. Zuletzt verkündete Ankara sogar zweistelliges Wirtschaftswachstum. Um 11,1 Prozent ist die türkische Ökonomie im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Zwar bezweifeln Ökonomen die Prognosekraft vieler dieser positiven Meldungen, weil der Vergleich wegen des versuchten Putsches im Juli 2016 hinkt. Doch das ist dem türkischen Staatspräsidenten offenkundig egal. Weit weniger gleichgültig dürfte ihm ein aktuelles Ranking sein. Im sogenannten Misery-Index, einer Art Rangliste der schlimmsten Ökonomien der Welt, taucht sein Land ganz weit oben auf – und konterkariert damit die Versuche Erdogans, die wirtschaftliche Lage am Bosporus schönzureden.

Laut des Index, der einmal im Jahr vom Finanznachrichtendienst Bloomberg erstellt wird, ist es mit dem türkischen Wirtschaftswunder nicht weit her. Im Gegenteil: Während die Türkei bereits im Vorjahr auf einem unrühmlichen siebten Platz landete, belegt sie inzwischen sogar Rang fünf – und ist damit der prominenteste ‚Aufsteiger‘ in den Flop 5.

Ganz anders als es der eigenen Selbstwahrnehmung entspricht, findet sich die Türkei in diesem Vergleich in einer Liga mit Ägypten, Griechenland, Südafrika oder Venezuela wieder. Das liegt vor allem an der Wirtschaftspolitik des Landes, die zu hoher Inflation und Arbeitslosigkeit geführt hat. Zuletzt lag die Teuerung bei 10,3 Prozent, auf dem gleichen Niveau findet sich die Arbeitslosigkeit. Dabei sind die Konjunkturbedingungen derzeit so gut wie schon lange nicht mehr. (…) Zwar wurde auch die Wirtschaft in der Türkei vom globalen Wachstum angetrieben. Doch die Arbeitslosigkeit ist weiter hoch, und die Inflation ebenfalls. Das liegt auch an der schwachen Lira, durch die sich die Importe in das Land verteuern. In den vergangenen zwölf Monaten verlor die türkische Währung rund 19 Prozent gegenüber dem Euro an Wert. Da die Türken viele Waren und Dienstleistungen importieren müssen, verteuern sich automatisch die Preise im Inland.“ (Anja Ettel, Holger Zschäpitz: „Diese Liste offenbart die Wahrheit über den Zustand der Türkei“)

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