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Warum Assad im Begriff ist, sich militärisch zu Tode zu siegen

Syriens Diktator Bashar al-Assad (imago images/ITAR-TASS)
Syriens Diktator Bashar al-Assad (imago images/ITAR-TASS)

Die militärischen Kräfte Assads sind überdehnt, weite Landstriche hat er nur scheinbar unter Kontrolle und die Wirtschaft kollabiert – kurz: Gewinnen sieht anders aus.

Jennifer Cafarella, Foreign Affairs

Assad mag zwar an Territorium gewonnen haben, aber sein Regime ist nach wie vor sehr zerbrechlich, und die von ihm kontrollierten Regionen werden zunehmend instabiler. Assad kann diesen Krieg nicht entscheidend gewinnen, nicht einmal mit Hilfe des Iran und Russlands. (…)

Assad hat sich seine Streitkräfte mit Hilfe des Iran und Russlands zusammengeschustert. Doch seine militärischen Kräfte haben sich übernommen. Damaskus und seine Partner setzten darauf, dass sie mit einer oberflächlichen Kontrolle über möglichst viel Gelände die internationale Gemeinschaft davon überzeugen könnten, einen „Sieg“ des Regimes zu akzeptieren. Tatsächlich hofften sie, dass andere Länder ihnen helfen würden, ihre Macht zu konsolidieren, indem sie in Wiederaufbauprojekte investieren, die dem Iran und Russland ihre entstandenen Kosten ersetzen und das korrupte Patronagesystem finanzieren könnten, das Assad an der Macht hält.

Der Plan wäre fast aufgegangen. Ende 2018 war das syrische Regime so weit vorgerückt, dass einige Länder begannen, ihre Opposition gegen Assad zu überdenken. Die Vereinigten Arabischen Emirate eröffneten ihre Botschaft wieder und investierten in Wiederaufbauprojekte. Saudi-Arabien und einige europäische Länder erwogen, diesem Beispiel zu folgen. (…)

Immer deutlicher wird, wie fragil die Kontrolle des Regimes über das Land ist. In der Südprovinz Daraa, in der Syriens Revolution von 2011 ausgegangen war, hat ein neuer Aufstand begonnen. Anhaltende Proteste haben die klare Botschaft vermittelt, dass Assad es nicht geschafft hat, den Willen seiner Gegner zu brechen. Die Aufständischen haben die Angriffe auf die Positionen Assads, Irans und Russlands wieder aufgenommen, und zwar auf einem Niveau, das dem von 2011 nahekommt. Zum ersten Mal seit Jahren haben die Angriffe auf die syrische Hauptstadt Damaskus und auf Teile der umliegenden Rif-Damaskus-Region übergegriffen. Unterdessen erholt sich der islamische Staat (auch als ISIS bekannt) in dem vom Regime kontrollierten Zentralsyrien rasch wieder. (…)

Assad und seine Unterstützer haben keine ernsthafte Antwort auf diese zunehmende Instabilität. Stattdessen erweitern sie weiterhin ihr Territorium, das sie jetzt schon kaum unter Kontrolle haben. Durch ihre Offensive in Idlib haben die Regimekräfte drei wichtige Städte eingenommen und die volle Kontrolle über die Autobahn Damaskus-Aleppo erlangt. Doch der Vorgang war selbst mit der Unterstützung russischer Luftstreitkräfte und Stellvertreter-Einheiten mühsam und kostspielig: Das Assad-Regime hat hohe Verluste erlitten und musste wiederholt neue Wehrpflichtige rekrutieren. (…) Die russische Luftwaffe ist effektiv bei der Zerstörung von Krankenhäusern und der Entvölkerung von Städten, aber mit diesen Maßnahmen kann ein Aufstand nicht besiegt werden. (…)

Nicht nur haben die militärischen Anstrengungen des Regimes wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht, auch die syrische Wirtschaft bricht zusammen. Das syrische Pfund fiel dramatisch von einem Kurs von etwa 179 Pfund pro Dollar im Jahr 2014 auf über 1.000 Pfund pro Dollar bis Ende Januar. Der starke Rückgang ist zum Teil das Ergebnis eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs im benachbarten Libanon und zum Teil eine Folge der US-Sanktionen gegen den Iran. (…)

Assad hat Schwierigkeiten, seine Warlords zu bezahlen und Militärkampagnen zu finanzieren, und das zu einer Zeit, in der die Aufständischen ihm immer höhere Kosten auferlegen. Die Lebensmittel- und Treibstoffpreise sind stark gestiegen und haben Proteste gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung ausgelöst; obwohl diese Proteste in den regimeloyalen Gebieten immer noch klein sind, dürften sie in Zukunft stärker werden. (…)

Und die wirtschaftliche Situation Syriens wird sich noch weiter verschlechtern. Im Dezember genehmigte der US-Kongress weitreichende Sanktionen gegen jede Einrichtung, die Assads Regierung, sein Militär oder iranische und russische Einrichtungen in Syrien finanziell, militärisch oder technologisch unterstützt. Die Einschränkungen haben das Potenzial, die Lage grundlegend zu verändern. (…)

Diese Sanktionen werden die Ressourcen des Regimes zumindest stark einschränken. Sie werden es möglicherweise dazu zwingen, seine militärischen Offensiven auszusetzen, und die Instabilität in den vom Regime kontrollierten Gebieten weiter zunehmen lassen.

Time to Recommit to Syria

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