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Die Fakten zu Shimon HaTzadik / Sheik Jarrah

Juden im Jahr 1918 auf dem Weg zum Grab des Shimon haTzadik
Juden im Jahr 1918 auf dem Weg zum Grab des Shimon haTzadik (© Imago Images / Artokoloro)

Während der Jerusalemer Stadtteil unlängt unter dem Namen Sheikh Jarrah berühmt wurde, hieß er 2000 Jahre lang Shimon HaTzadik und war ein Großteils jüdisches Viertel – bis 1948.

Micha Danzig

Die Entscheidung des Jerusalemer Bezirksgerichts, die Räumung einiger arabischer Familien aus Häusern im Jerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah zu genehmigen, hat in der vergangenen Woche die anti-israelischen Kräfte in helle Aufruhr versetzt. In den sozialen Medien wetterten diese Kritiker massiv gegen Israel und schufen den Hashtag „SaveSheikhJarrah“ („Rettet Scheich Jarrah“).

Shimon HaTzadik

Zur Einschätzung der Vorgänge in Sheik Jarrah muss man etwas über die Geschichte dieses Viertels erfahren. Sheik Jarrah ist ein arabisches Viertel, das im Jahr 1865 entstand. Vor 1949 gab es innerhalb dieses Viertels ein separates jüdisches Quartier. Rund 2.000 Jahre lang war diese Gegend davor unter dem Namen „Shimon HaTzadik“ (Simon der Gerechte) bekannt, benannt nach dem berühmten rabbinischen Weisen, dessen Grab sich dort befindet.

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Jahrhundertelang war das Grab von Schimon HaTzadik, einem der letzten Mitglieder der Großen Ratsversammlung (HaKnesset HaGedolah), dem Führungsgremium des jüdischen Volkes während des Zweiten Jüdischen Reiches (nach dem Babylonischen Exil), der Dreh- und Angelpunkt der jüdischen Präsenz in dieser Gegend.

Shimon HaTzadik, dessen voller Name Shimon ben Yohanan ist, war so bedeutsam, dass praktisch jedes jüdische Kind, seit 2000 Jahren, seinen berühmtesten Vers in „Pirkei Avot“ („Sprüche der Väter“) lernte, der vor Jahrtausenden in die jüdischen Morgengebete aufgenommen wurde: „Die Welt steht auf drei Dingen: der Tora, dem Dienst an Gott und den Taten der Güte.“

Wegen des Grabes und seiner Bedeutung für das jüdische Volk kauften das sephardische Gemeindekomitee und die aschkenasische Versammlung Israels im Jahr 1875 das Grab und das umliegende Land (etwa 4,5 Hektar). Kurz darauf wurde es, zusammen mit der Nachbarschaft von Kfar Hashiloah in der Silwan-Region von Jerusalem, zur Heimat vieler, meist jemenitischer, Juden, die 1881 nach Jerusalem (Zion) eingewandert waren. Tatsächlich waren die Juden bis 1844 die größte ethnische Gruppe in Jerusalem.

Vom arabischen Aufstand zur jordanischen Besatzung

Zwischen 1936 und 1938 und dann wieder 1948, unterstützte das englische Königreich die Araber, angestachelt durch blanken Judenhass, Juden aus ihren Häusern in Shimon HaTzadik (und in Kfar Hashiloah) zu verjagen.

Die jemenitische jüdische Gemeinde wurde zu ‚ihrer eigenen Sicherheit‘ durch das britische Amt für soziale Wohlfahrt auch aus Silwan vertrieben. Im Wesentlichen zogen es die Briten vor, Juden aus ihren eigenen Häusern zu vertreiben, anstatt sich um den Schutz jüdischer Familien und ihrer Eigentumsrechte in Jerusalem zu kümmern.

Nachdem Transjordanien (heute Jordanien) 1949 in Israel einmarschiert war, als Teil eines ausdrücklichen Versuchs der gesamten „Arabischen Legion“, Israel zu zerstören und „die Juden ins Meer zu treiben“. Die von Großbritannien geschaffene „Arabische Legion“ eroberte Judäa und Samaria (die heute als Westjordanland bekannt sind), die gesamte Altstadt von Jerusalem und viele der umliegenden Stadtteile, einschließlich des Viertels Shimon HaTzadik.

Dann hat die arabische Legion die letzten noch verbliebenen Juden entweder getötet oder vertrieben. Nicht einer durfte bleiben. Nicht ein einziger. Selbst diejenigen, deren Familien vor der arabischen Invasion im siebten Jahrhundert jahrhundertelang in der Region gelebt hatten.

Nach dem Sechstagekrieg

Nachdem Israel während des Sechstagekriegs 1967 die Kontrolle über ganz Jerusalem von den Jordaniern errungen hatte, erließ es ein Gesetz, dass es Juden, deren Familien von den Jordaniern oder den Briten aus ihren Häusern vertrieben worden waren, erlaubt, die Kontrolle über ihre Familienhäuser wiederzuerlangen. Dies unter der Auflage, dass sie einen Eigentumsnachweis erbringen können und die derzeitigen Bewohner keinen Nachweis über einen gültigen Kauf oder eine Eigentumsübertragung nachweisen können.

Alle Häuser, die Gegenstand dieser Räumungsklagen von 2021 sind, befinden sich nicht nur auf Land, das 1875 von der jüdischen Gemeinde gekauft wurde, sondern waren auch im Besitz von jüdischen Familien, die diese Häuser gekauft hatten und deren Urkunden zunächst beim Osmanischen Reich (das die Region von 1517 bis 1917 regierte) und dann bei den britischen Behörden (die das Gebiet von 1917 bis 1948 kontrollierten) registriert waren.

Räumungsbescheid für vier Häuser

Diese vier Häuser, die Gegenstand des ausstehenden Räumungsbescheids sind, waren bereits Gegenstand umfangreicher Rechtsstreitigkeiten in Israel, mit Einsprüchen, die bis zum Obersten Gerichtshof Israels gingen und bei denen alle Parteien eine Vertretung und ein ordentliches Verfahren erhielten.

Das Gericht hat letzte Woche entschieden, dass diese Häuser an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden müssen, und dass weitere vier Häuser bis zum Ende des Sommers an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden sollen. Das Gericht stellte außerdem fest, dass die Menschen, die derzeit in diesen Häusern leben, seit Jahrzehnten illegal darin wohnen, ohne Miete zu zahlen oder einen Eigentumsnachweis zu besitzen.

Anmerkung der Redaktion: Am Sonntag vertagte Israels oberstes Gericht die für Montag geplante Anhörung zu dem Fall auf Antrag von Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit. Die palästinensischen Familien dürfen bis zur Anhörung in ihren Häusern bleiben.

Dies ist die gekürzte Version eine Textes, der ursprünglich bei Audiatur Online erschienen ist.

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