Was die Menschen in Gaza wirklich wollen

Gazastreifen. Quelle: Mujaddara/Wikimedia Commons.

„Die Schlagzeilen über die gewaltsamen Ausschreitungen der Hamas an der Grenze des Gazastreifens zu Israel täuschen über die Ansichten der Mehrheit der palästinensischen Bewohner des Gazastreifens hinweg. Zwei vertrauenswürdige palästinensische Umfragen, die diesen Monat im Gazastreifen durchgeführt wurden, zeigen, dass die Mehrheit der dortigen Palästinenser die Proteste tatsächlich ablehnt. Rund die Hälfte von ihnen würde zudem einen offiziellen Waffenstillstand mit Israel unterstützen.

Noch überraschender ist die Tatsache, dass die meisten Bewohner des Gazastreifens direkte Gespräche mit Israel befürworten. Sie würden es begrüßen, wenn israelische Unternehmen Arbeitsplätze in der von der Hamas kontrollierten Enklave schaffen würden. Die Mehrheit macht zudem die Hamas, die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah oder die UNO für die schwere wirtschaftliche Not im Gazastreifen verantwortlich, nicht aber Israel, und fordert, dass die Hamas ihre Verweigerungshaltung aufgeben und mit Israel Frieden schließen sollte. (…)

All dies heißt gewiss nicht, dass die Mehrheit der Bewohner des Gazastreifens Israel mag, vertraut oder auch nur als langfristige Realität akzeptiert. In beiden Umfragen gab nur rund die Hälfte der Befragten an, Verhandlungen mit Israel hätten bislang ‚tendenziell positive‘ Folgen gezeitigt. Etwa die gleiche Anzahl erklärte, der Konflikt solle durch eine Zweistaatenlösung beendet werden. Etwas mehr als die Hälfte, 55 Prozent, geht aber nach wie vor davon aus, dass die ‚Palästinenser schließlich fast das gesamte Palästina kontrollieren werden‘, entweder, weil ‚Gott auf ihrer Seite ist‘, oder, weil ‚sie eines Tages zahlreicher als die Juden sein werden‘. (…)

Alles in allem stehen die Einstellungen der Bevölkerung des Gazastreifens zur Wirklichkeit in einem engeren Verhältnis als die von der Hamas propagierte Militanz und der von den ausländischen Medien oft dargestellte extreme Hass auf Israel. Die überraschenden Ergebnisse der beiden neuen Umfragen stellen ein bedeutsames Korrektiv für die weit verbreiteten stereotypen Darstellungen dar. Und die Kommentatoren und Politiker auf allen Seiten würden gut daran tun, den Einstellungen der Menschen im Gazastreifen angesichts ihrer verzweifelten Lage, und den von ihnen bevorzugten, realistischeren kurz- und langfristigen Optionen, von denen sie sich eine Verbesserung ihrer Lage erhoffen, mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“ (David Pollock: „New Polls Show Most Gazans Want Jobs, Not Mobs”)

Ein Gedanke zu „Was die Menschen in Gaza wirklich wollen

  1. Thomas Holzer

    Darüber wird natürlich hier in (EU-) Europa nicht berichtet!
    Dafür hat der ORF2 in den „Frühnachrichten“ wieder die alte, aber natürlich „falsche Leier“ anläßlich der angedachten Verlegung der Botschaft Brasiliens wiederholt, sprich: die Verlegung der US-Botschaft rief erst den „Volkszorn“ der „Palästinenser“ hervor.
    die Redaktion(en) des ORF sind anscheinend lernresistent oder Ideologie basiert, Dummheit wollen wir ihnen ja nicht unterstellen 😉
    ergo: tertium non datur

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