Was der Rückzug der USA aus Syrien für Israel bedeutet

 

Auch wenn die Trump-Administration als israelfreundlicher erscheint als die von Obama, so steht der jüdische Staat doch mittlerweile alleine gegen seine Feinde da.

Israels Premier Netanjahu und US-Präsident Trump (Quelle: Israel Ministry of Foreign Affairs, CC BY-NC 2.0)

 „So sieht die Situation in der Region aus: Die USA wollen den Afghanistankrieg beenden und stärken mit ihrem Rückzug dort auch den Iran. Auch Syrien wollen sie verlassen. Es könnte sein, dass iranisch unterstützte Parteien im irakischen Parlament die USA auffordern werden, Teile des Landes zu verlassen. Die Türkei, die einst Israel näher stand, ist jetzt einer der lautstärksten Gegner des jüdischen Staates in der Region und wird durch den US-Abzug gestärkt. Sie und ihr Verbündeter Katar haben mit der Hamas zusammengearbeitet. Der Iran wiederum arbeitet sowohl mit der Hamas, als auch mit der Türkei in Syrien zusammen. Die Islamische Republik kann auf ihrem großen Schachbrett einen weiterer Sieg ihrer langfristigen Strategie in der Region verzeichnen.

Die Entscheidung der USA, Ostsyrien zu verlassen, erscheint abrupt. Es wurden weder die europäischen Verbündeten, noch die SDF darüber informiert oder das Gebiet überhaupt erst einmal darauf vorbereitet. Es zeigt, dass die USA, wie Trump es in der Vergangenheit bereits gezeigt hat, via Twitter Politik machen können.

Was bedeutet das für Jerusalem? Es bedeutet, dass Washingtons ‚Deal des Jahrhunderts’ und andere Pläne nicht klar sind. Ein unberechenbares Washington – auch wenn es pro-israelischer erscheint als die vorherige Regierung – lässt mehr Fragen offen als es Antworten gibt. Die Feinde Israels nutzen diese Art von Unsicherheit aus. Es herrscht das Gefühl vor, dass die USA zwar Israels Aktionen in der Region unterstützen, dass Israel jedoch zugleich auch alleine dasteht und bezüglich der regionalen Strategie nichtkonsultiert wird.

Die kurzfristigen Pläne Ankaras sind klar, es will Stück für Stück in Ostsyrien einmarschieren. Die langfristige Frage ist jedoch, wie die der Iran und die Feinde Israels davon profitieren können. Russland wird genau beobachten, was passiert, weil das syrische Regime nicht will, dass die USA die türkische Übernahme Ostsyriens koordinieren. Zuvor hatte Russland die Nutzung des Luftraums über Afrin für einen türksiche Einsatz aufgekündigt. Russland ist jedoch besorgt über die Instabilität in Raqqa und in anderen Gebieten, in denen zuvor ISIS präsent war.

Wenn die SDF gegen die Türkei kämpft, wird es ein Machtvakuum geben. Wird der Iran das Vakuum füllen? Wenn die Islamische Republik das tut, wird sie mehr Territorium in Syrien zur Verfügung haben, um Waffen an die Hisbollah und ihre Verbündeten zu übertragen. Wer dieses Vakuum füllt, hat Einfluss auf die Zukunft Syriens, sowie des Irak und auf die Sicherheit in der gesamten Region. Israel ist besorgt und wird die Situation genau beobachten.“ (Seth J. Frantzman, Jerusalem Post: „Can Israel trust the U.S. after Syria withdrawal?“)

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