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Terror gegen Israel: Waffenstillstands-Befürworter als nützliche Idioten der Hamas 

Der Kibbuz Be’eri im Süden Israels nach dem Hamas-Massaker
Der Kibbuz Be’eri im Süden Israels nach dem Hamas-Massaker (Quelle: JNS)

Die Gegner einer Bodeninvasion gegen die Hamas im Gazastreifen berufen sich angeblich auf humanitäre Gründe. Doch solche Appelle dienen nur dem Erhalt eines kriminellen Regimes. 

Jonathan S. Tobin

Es ist jetzt mehr als zwei Wochen her, dass das Massaker vom 7. Oktober die Welt mit seiner vorsätzlichen Grausamkeit und Barbarei schockiert hat, als Hamas-Terroristen das durchführten, was treffend als ein Pogrom innerhalb Israels beschrieben worden ist. Die Zahl der Todesopfer des größten – 1.400 Opfer an einem einzigen Tag – Massenmords an Juden seit dem Holocaust steigt weiter an, da immer mehr Leichen entdeckt und identifiziert werden. Hinzu kommen die noch unidentifizierten Opfer sowie die mehr als viertausend Verwundeten und bis zu zweihundert weitere Personen, die in den Gazastreifen verschleppt wurden.

Während die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) ihre Luftangriffe auf Hamas-Ziele im Gazastreifen fortsetzen, hat sich für die meisten Menschen in der Welt das Bild dieses Konflikts jedoch bereits gewandelt. Die meisten Diskussionen konzentrieren sich nun auf die Notlage der palästinensischen Zivilisten und darauf, wie, in den Worten des Kolumnisten der New York Times, Nicholas Kristof, der Wunsch nach Rache und das vergebliche Streben nach israelischer Sicherheit zu einer Kampagne des »Tötens von Kindern im Gazastreifen« geführt hätten.

Die aufgeklärte liberale Meinung, die den Hamas-Terrorismus ablehnt und Israel nicht zerstört sehen möchte, macht nun gemeinsame Sache mit jenen linken Ideologen, die auf den Straßen der wichtigsten Städte der Welt oder auf den Campi der amerikanischen Universitäten offen den Mördern zujubeln. Beide Lager scheinen sich einig zu sein, dass es jetzt vorrangig darum gehe, Israel zu zwingen, einen Waffenstillstand mit der Hamas zu akzeptieren, um eine humanitäre Krise in der von den Islamisten beherrschten Küstenenklave zu verhindern.

Angesichts der steigenden Zahl palästinensischer Opfer muss jedoch eines klar sein, auch wenn die kolportierten Zahlen von der Hamas-Propagandamaschine stammen und viele, wenn nicht sogar die meisten der Getöteten, Terroristen sind. Alle, die sich jetzt darauf konzentrieren, Israel daran zu hindern, einen entscheidenden militärischen Angriff im Gazastreifen durchzuführen, der das terroristische Regime beendet, das seit 2007 als unabhängiger palästinensischer Staat existiert, verfolgen trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten ein gemeinsames Ziel: die Beendigung der Kämpfe, um das Überleben der Hamas zu ermöglichen.

Eine unmoralische Koalition

Auf diese Weise stehen wohlmeinende Menschenfreunde und Kritiker der israelischen Regierung, die den jüdischen Staat dennoch unterstützen, im Wesentlichen auf derselben Seite wie die antisemitische Linke, die seine Beseitigung fordert. Sie alle müssen als nützliche Idioten der Hamas betrachtet werden.

Die ebenso vorhersehbaren wie einseitigen Aufrufe der Vereinten Nationen, Israel solle sich in seinen Bemühungen, sich gegen die Hamas zu verteidigen, zurückhalten, werden von den Befürwortern des jüdischen Staates leicht abgetan, die nicht verstehen, dass die internationale Gemeinschaft dazu beitragen kann, Israel zu untergraben. 

Beunruhigend sind auch die Forderungen nach einem Waffenstillstand, die von amerikanischen Rechtswissenschaftlern kommen, von Professoren, die an den Eliteschulen unterrichten, aus denen die Gesetzgeber und Richter von morgen hervorgehen, und die jede israelische Selbstverteidigungsmaßnahme als unmoralisch betrachten.

Selbst diejenigen, die nicht offen fordern, Israel solle nicht gegen die Terroristen zurückschlagen, warnen, dass die erwartete Bodeninvasion in Gaza ein Fehler sei, der auf Israel zurückschlagen werde. Das ist etwa die Position des CNN-Moderators und Washington-Post-Kolumnisten Fareed Zakaria, der nach wie vor die zuverlässigste Quelle für alle sich eingebürgert habenden Weisheiten ist, die von demselben außenpolitischen Establishment verbreitet werden, das sich seit mehr als dreißig Jahren in Bezug auf alles im Nahen Osten irrt.

Der New-York-Times-Kolumnist und eingefleischte Israel-Kritiker Thomas L. Friedman, der offenbar bei Präsident Joe Biden Gehör findet, zählt ebenfalls zu jenen, die eine Bodenoffensive für falsch halten. Er ist der Meinung, die USA sollten Israel zwingen, vor weiteren als unklug bezeichneten Kämpfen zu garantieren, sich aus der Westbank zurückzuziehen, sobald die Waffen schweigen, um die Gründung eines weiteren unabhängigen palästinensischen Staates zusätzlich zu jenem zu ermöglichen, den die Hamas seit 2006 in Gaza regiert. Das allerdings ist ein Rezept für einen weiteren islamistischen Terrorstaat und kein Rezept für Frieden.

Wieder andere wie der israelische Historiker Yuval Noah Harari, dessen banale Beobachtungen über die Vergangenheit und das heutige Leben ihm so etwas wie den Status einer intellektuellen Ikone verliehen haben, sind zwar entsetzt über die linke Dämonisierung Israels. Aber er schreibt in der Washington Post, dass er den israelischen Konsens, die Hamas zu zerschlagen, für ein Spiegelbild der absolutistischen Weltsicht der Terrorgruppe selbst hält.

Hararis Meinung nach unterscheidet sich das Streben danach, die Verbrecher vom 7. Oktober der Gerechtigkeit zuzuführen, nicht von der apokalyptischen Weltanschauung der Hamas. Er ist der Meinung, israelische Maßnahmen, die der Sicherheit der palästinensischen Zivilbevölkerung Vorrang einräumen, selbst mit der Konsequenz, sie innerhalb Israels Grenzen aufzunehmen und der Hamas zu helfen, langfristig besser für Israel sein werde.

Selbst Joe Biden, dessen Erklärungen zur unbedingten Unterstützung des jüdischen Staats und zur Verurteilung der Hamas die Juden in Israel und den Vereinigten Staaten so ermutigt haben, scheint alles zu tun, um die Gaza-Offensive zu verzögern oder darauf zu drängen, sie insofern einzuschränken, als es schwierig abzusehen ist, wie sie noch das Ziel erreichen könnte, die Macht der Terroristen im Gazastreifen zu brechen. 

Die US-Militärhilfe, die für die Versorgung der israelischen Verteidigungsstreitkräfte unerlässlich ist und hoffentlich den Iran von einer Ausweitung des Kriegs abschrecken wird, scheint auch mit Bedingungen und Ratschlägen verbunden zu sein, die darauf abzielen, die Bodenoffensive einzuschränken. Ein Teil dessen könnte mit den amerikanischen Bemühungen zusammenhängen, einige der von der Hamas festgehaltenen Geiseln freizubekommen, auch wenn dies, wie immer bei solchen Lösegeldgeschäften, die Terroristen nur stärken würde.

Es ist unwahrscheinlich, dass die meisten Israelis auf irgendetwas davon hören werden. Die israelische Öffentlichkeit und ihre zutiefst erschütterten politischen, militärischen und geheimdienstlichen Einrichtungen sind zu Recht zu dem Schluss gekommen, die einzige Möglichkeit, weitere solcher kriminellen Angriffe zu verhindern, bestünde darin, in den Gazastreifen einzumarschieren und der Herrschaft der Hamas ein für alle Mal ein Ende zu setzen.

Doch die von der Regierung des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu versprochene Kampagne zur Auslöschung der Hamas wird nur schwerlich zu bewerkstelligen sein. Es kann sein, dass das, was Israel plant, Wochen oder sogar Monate in Anspruch nimmt, um es auch durchzuführen. Die Zahl der Opfer auf beiden Seiten könnte groß werden. Und je länger die Hamas-Propagandisten und ihre Komplizen in den Medien die palästinensischen Opferzahlen hochspielen und Israel moralisch mit den Verbrechern vom 7. Oktober gleichsetzen, desto schwieriger wird es für Israel werden, den Kurs zu halten.

Doch im Gegensatz zum moralischen Relativismus von Leuten wie Kristof, Zakaria, Friedman und Harari ist die Option, vor der Israel und die Welt in Gaza stehen, keine, die als moralisch komplex bezeichnet werden kann oder bei der die Wahrheit irgendwo in der Grauzone zwischen den angeblich gleichermaßen maximalistischen Forderungen der Palästinenser oder der Israelis liege.

Eine einfache Entscheidung

Die Entscheidung zwischen Israel und der Hamas ist nicht kompliziert. Es ist eine Entscheidung zwischen einem demokratischen Staat und der islamistischen Tyrannei einer Organisation, deren Ideologie nicht nur dem westlichen Denken fremd ist, sondern von etwas durchdrungen ist, das man nur als böse bezeichnen kann. Der Vergleich zwischen der Hamas und dem Islamischen Staat ist jedoch treffend: Beide sind moderne, nazi-ähnliche Bewegungen, die eine eliminatorische Mentalität gegenüber Juden und dem jüdischen Staat teilen.

Die Zerstörung des Hamas-Regimes ist nicht nur eine schwierige politische Option, die Kritik von westlichen Progressiven sowie die Hysterie der sogenannten »arabischen Straße« und der gesamten muslimischen Welt hervorrufen wird. Zugleich ist sie ein moralischer Imperativ und sollte nicht anders behandelt werden als die unerbittliche Entschlossenheit des Westens, das IS-Kalifat im Irak und in Syrien zu zerschlagen, oder das Ziel der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs, die Regime von Nazideutschland und des kaiserlichen Japans zu zerstören. Bei keinem dieser Beispiele diente die Zahl der zivilen Opfer, so tragisch sie auch sein mag, als Abschreckung, um vom Ziel des Sieges über diese bösen Entitäten abzugehen.

Als die irakischen und alliierten Streitkräfte im Jahr 2017 mit US-Unterstützung Mossul vom Islamischen Staat zurückeroberten, wurden bei den Kämpfen in der Stadt bis zu elftausend Zivilisten getötet. Und nicht nur wurden während der alliierten Bombenangriffe auf Deutschland rund 800.000 deutsche Zivilisten getötet, darüber hinaus kamen auch 150.000 Zivilisten während der Invasion in Deutschland im Jahr 1945 ums Leben, die – zusätzlich zu den Kämpfen anderswo – mit einem brutalen Häuserkampf in Berlin endete.

Wir wissen, dass in keinem dieser Fälle diejenigen, die das Ende dieser Regime anstrebten, so sorgfältig darauf achteten, den Tod von Zivilisten zu vermeiden, wie es Israel heute tut. Dennoch waren die damaligen Opferzahlen nicht schrecklich genug, um die Kriege zur Zerschlagung des Islamischen Staates und der Nazi-Mordmaschinerie zu unmoralischen Unternehmungen zu erklären. Dasselbe moralische Kalkül muss auf den Krieg gegen die Hamas in Gaza angewandt werden.

Im Gegensatz zu Kristofs verachtenswertem Versuch einer moralischen Gleichsetzung versucht Israel nicht, arabische Kinder zu töten, um das Leben israelischer Kinder sicherer zu machen. Kristof sollte wissen, dass ein Regime, das jüdische Säuglinge ermordet und enthauptet, sich nicht hinter den palästinensischen Kindern verstecken darf, die es mit dem von ihm begonnenen Krieg in Gefahr gebracht hat. Und diejenigen, die so etwas zulassen würden, beweisen weder Weisheit noch eine höhere Moral als jene, die zu Recht die Beseitigung der Hamas fordern.

Westliche Denker, die mit moralischem Relativismus aufgewachsen sind, scheinen sich nicht mit dem Konzept anfreunden zu können, dass einige Bewegungen und Regierungen schlichtweg böse sind und nicht nur fehlgeleitet oder einen Irrtum begehend. Deshalb widerspricht ein Krieg, der nur mit einer vollständigen Niederlage der Hamas enden kann – koste es, was es wolle –, ihrem Verständnis davon, wie die Welt funktioniere.

Dennoch ist alles eigentlich ganz einfach: Wer trotz der Verurteilung des Terrors für eine Politik eintritt, die es der Hamas ermöglicht, lebend und gesund aus ihrem mörderischen Amoklauf vom 7. Oktober, der diesen Krieg ausgelöst hat, hervorzugehen, ist unfreiwilliger Komplize eben jener Hamas und genauso verwerflich wie diejenigen, die auf den Straßen nach weiterem jüdischen Blutvergießen schreien.

Jonathan S. Tobin ist Chefredakteur von Jewish News Syndicate. (Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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