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Reden mit den Taliban – keine gute Idee

Taliban werden zu Gesprächen in Norwegen empfangen
Taliban werden zu Gesprächen in Norwegen empfangen (Quelle: Screenshot Youtube, Hindustan Times)

Die norwegische Regierung hat die Taliban zu Gesprächen eingeladen, um die Lage in Afghanistan zu sondieren. Dafür wird sie zu Recht scharf kritisiert.

Einer muss ja vorturnen, so ist das nun einmal in Europa. Und die skandinavischen Länder scheinen diese Rolle gerne zu spielen. Es war Dänemark, das als erstes Syrerinnen und Syrer in Assads Folterreich abgeschoben hat, nun ist es die norwegische Regierung, die mit allem Drumherum die Taliban eingeladen hat.

Die Geste zählt und das weiß man auch in Kabul und lächelt über die schönen Begleitworte wie die obligatorische Forderung nach Einhaltung von Menschen- und Frauenrechten. Denn ihnen geht es um Anerkennung und Geld.

Die schönen Worte werden Worte bleiben, denken sich die Taliban: schöner Schein, den niemand so richtig ernst meint – und sie werden Recht behalten. Schließlich konnten sie bislang auch sukzessive das Leben von Mädchen und Frauen zur Hölle machen, ohne dass dies große Folgen gehabt hätte. Erst vor wenigen Tagen durchsuchten sie Wohnungen von Frauenrechtlerinnen und stellten öffentlich klar, gegen Dissens mit aller Härte vorzugehen.

Was Europa dagegen von den Taliban vor allem will? Seine Ruhe, keine allzu hässlichen Bilder aus Afghanistan und vor allem: Keine weiteren Flüchtlinge, sondern im Gegenteil bald Wege, wieder abschieben zu können. Das hat die österreichische Regierung jüngst schon offen erklärt.

Dass die afghanische Exilopposition das Treffen der norwegischen Regierung mit den Islamisten scharf kritisiert, wen stört das schon weiter?

Ali Maisam Nazary, der Leiter der Außenbeziehungen der Nationalen Widerstandsfront (NRF), einer Oppositionsgruppe in Afghanistan, kritisierte Norwegen für die Abhaltung der Gespräche. »Wir alle müssen unsere Stimme erheben und verhindern, dass ein Land eine Terrorgruppe als Vertreter Afghanistans normalisiert«, schrieb Nazary, der in Paris lebt, am Freitag auf Twitter.

Die norwegische Außenministerin Anniken Huitfeldt sagte in der offiziellen Erklärung zu den Afghanistan-Gesprächen, diese würden »keine Legitimierung der Anerkennung der Taliban« darstellen. »Aber wir müssen mit den De-facto-Behörden im Land sprechen. Wir können nicht zulassen, dass die politische Situation zu einer noch schlimmeren humanitären Katastrophe führt«, so Huitfeldt weiter.

Der erste Schritt ist getan, weitere werden folgen, und bald haben die Taliban, ohne auch nur ein einziges Zugeständnis zu machen, ihr Ziel erreicht: Als legitime Regierung Afghanistans anerkannt zu werden.

Artikel zuerst erschienen bei Jungleblog.

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