Mena-Exklusiv

Statt gegen Israel wendet sich die Wut gegen die Hamas

Von Thomas von der Osten-Sacken

Proteste gegen Hamas in Gaza

Einst war die „arabische Straße“ eine feste Größe: Ob nationalistisch oder islamistisch, Despoten und autoritäre politische Führer nutzten sie gekonnt für ihre Zwecke. Wer erinnert sich nicht an die orchestrierten Massenaufmärsche in Kairo, Bagdad, Beirut, Teheran und Gaza. Nach Rache wurde dort gebrüllt, das Ende von Imperialismus und Zionismus gefordert und wirksam Fahnen verbrannt und mit Gewalt gedroht. Spätestens seit 2011, als Millionen in der arabischen Welt sich dann gegen ihre eigene Führung richteten und die seit Jahrzehnten festgefrorenen Herrschaftsverhältnisse ins Wanken brachten, wurde klar, dass diese viel zitierte arabische Straße nicht mehr existierte.

Entsprechend selten sind die Aufmärsche geworden, politische Führer halten sich zurück, wissen sie doch, wie schnell sich die Stimmung gegen sie richten kann. Allerdings gab es noch einige Ausnahmen: Die Hamas im Gazastreifen etwa, die sich ihrer Herrschaft ziemlich sicher wähnte.

Aber selbst da ändern sich die Dinge gerade rasant. Schon zu Beginn des vergangenen Jahres, als es zu Planungen des sogenannten „March of  Return“ kam, hielt sich Hamas anfangs eher zurück, bevor sie versuchte die Bewegung für sich zu reklamieren. Schon damals schien man zu befürchten, die Proteste könnten sich irgendwann nicht mehr nur gegen Israel, sondern einen selbst richten. Und genau dies scheint nun zu geschehen:

„Die Hamas dachte, sie könnte die Kontrolle über die Märsche erlangen, doch bald stellte sich heraus, dass sie damit falsch lag. Was in Gaza passierte, war dasselbe, das sich auch in Syrien zugetragen hatte [wo die Regierung ebenfalls ‚Rückkehrmärsche‘ gegen Israel organisierte, die bald darauf in Demonstrationen gegen sie selbst resultierten]. Die Demonstranten, die sich an den Grenzzaun zu Israel aufmachten, wenden sich nun gegen die Hamas selbst. Darüber hinaus postete der ursprüngliche Anstifter der Märsche, Ahmed Abu Ratima, auf Facebook einen Aufruf an die Hamas-Polizisten, ihre Uniformen abzulegen und sich in die Demonstrationen gegen die Hamas einzureihen. Er rief sogar zur Gründung eines Komitttees aller Organisationen auf, das Gaza verwalten soll. Mit anderen Worten: Die Demonstranten, die auszogen, um den Grenzzaun zu Israel zu demontieren, wollen nun die Hamas demontieren.“

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