Mena-Exklusiv

Israel schaltet die Hälfte der syrischen Luftabwehr aus

Von Thomas von der Osten-Sacken

Die israelische Armee geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass ihre Angriffe auf syrische und iranische Ziele vor einigen Tagen fast die Hälfte der Luftabwehr der syrischen Armee außer Gefecht gesetzt haben. Als der Massenprotest in Syrien sich 2012 langsam in einen Bürgerkrieg verwandelte und syrische Truppen regelmäßig und wahllos in friedliche Demonstrationen schossen und begannen, Tausende zu töten; als absehbar war, dass Assad bereit war, alle Gebiete außerhalb seiner Kontrolle in Ruinenlandschaften zu verwandeln, baten die syrische Opposition und die Free Syrian Army die USA und Europa um Einrichtung einer „No Fly Zone“ über Nord- und Südsyrien, vor allem um die dortige Zivilbevölkerung vor Faßbomben zu schützen. Man forderte die Errichtung von Schutzzonen für die Zivilbevölkerung, für Binnenflüchtlinge und die Opposition:

„‚Was wir jetzt sofort brauchen, ist eine Flugverbotszone. Wir müssen die Angriffe der Drohnen und Hubschrauber unterbinden’, so Sakka. ‚Ohne Unterstützung aus der Luft und schwere Artillerie kann das Regime sich nicht behaupten. Die Situation hat sich in mehrfacher Hinsicht verändert. Die Kampfflieger sind nicht in der Lage, ausschließlich die Freie Syrische Armee anzugreifen. Sie treffen lediglich das nächstbeste Ziel. Dadurch kommt es zu vielen Toten und Verletzten, die mit dem Kampf nichts zu tun haben, darunter zahlreiche Kinder, Frauen und Alte.’“

Damals, im August 2012, standen noch die meisten Städte in Syrien, lebten noch die meisten jener, die später auf vielfältige Art und Weise zu Tode kamen, gab es noch keine Flüchtlingskrise und spielten Jihadisten noch so gut wie keine Rolle. Bekanntermaßen weigerten sich Obama und die Europäer, diesen Schritt zu gehen. Die Folgen sind hinlänglich bekannt. Eines der Argumente, dass man damals zu hören bekam, lautete: eine „No Fly Zone“ über Syrien sei militärisch problematisch, da das Land über eine hochmoderne und effiziente Flugabwehr verfüge. Sechs Jahre später hat die Israeli Defense Force gezeigt, was von diesem Argument zu halten war. Wie so viele andere, die lediglich angeführt wurden, um weiter untätig zu bleiben und Assad an der Macht zu lassen, war es ganz offenbar vorgeschoben.

Und einmal mehr zahlen die Menschen in Syrien den Preis für die westliche Untätigkeit. Nur als israelische Flugzeuge über Damaskus unterwegs waren, liest man, musste die syrische Luftwaffe kurzfristig das Dauerbombardement von Ghouta einstellen, dem allein in den letzten Tagen mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen.

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