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Der Islamist als Opfer: Wie staatliche Förderung die Ergebnisse von „Forschung“ bestimmt

Lauter Opfer? Islamistenkundgebung in Frankfurt. Quelle: Blogotron/Wikimedia Commons.

Von Matthias Küntzel

Kürzlich fiel mir ein brandaktueller „Forschungsaufruf“ des „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ in die Hände. Die Bundesregierung wolle, so heißt es in dieser Ausschreibung, „Forschungsvorhaben zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung mit Fokus auf islamistische Orientierungen und Handlungen“ mit bis zu 150.000 EUR pro Jahr fördern. Man benötige, um die Wirksamkeit dieser Prävention zu erhöhen, „umfassende Erkenntnisse über Ursachen und Verläufe von individuellen und kollektiven Radikalisierungsprozessen“.

So weit, so gut. Auf die Frage, warum und wie hierzulande Mainstream-Muslime zu Islamisten mutieren, bedarf es in der Tat zuverlässiger Antworten. Welche Rolle spielen beispielsweise die zunehmend islamistisch ausgerichteten Medien der Türkei? Wie wirken das iranische Regime und dessen Statthalter in Deutschland auf hiesige Schiiten ein? Welche Rolle spielen Imame, die in Gefängnissen oder Moscheen Muslime betreuen? Welchen Part übernehmen salafistische Vereine bei der „Betreuung“ neu angekommener Flüchtlinge?

Doch halt! So ist der Forschungsaufruf der Bundesregierung gar nicht gemeint!

Zwar soll es um die „religiös“ begründete Radikalisierung und um „islamistische Orientierungen“ gehen. Wer dabei aber an den Islam denkt, denkt verkehrt. Das von der Sozialdemokratin Dr. Franziska Giffey geleitete Ministerium setzt eine spezielle „Forschungsperspektive“ voraus:

„Gefördert werden Analysen von Wechselwirkungen zwischen individuellen oder kollektiven Ausgrenzungs- oder Diskriminierungserfahrungen und religiös begründetem Extremismus.“[1]

Man interessiert sich nicht ergebnisoffen für die Ursachen islamistischer Radikalisierung, sondern nimmt das gewünschte Resultat vorweg: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen bestätigen, dass es die Benachteiligung der Muslime in Deutschland ist, die sie religiös radikalisiert; als sei der Islamismus ein deutsches und kein weltweites Phänomen.

Wir kennen diese Hinweise auf die Benachteiligung von der staatlich finanzierten Antisemitismusforschung, die dem Antisemitismus unter Muslimen mildernde Umstände attestiert.

Bei einem Teil der Muslime, heißt in der letzten größeren Veröffentlichung des „Zentrum für Antisemitismusforschung“, sei das Feindbild „die Juden“ Bestandteil eines „Großnarrativs“, bei dem „die Erfahrungen von tatsächlicher wie vermeintlicher Unterprivilegierung, Diskriminierung und Rassismus von Migrant/innen in Einwanderungsländern verarbeitet werden.“ Bei einem anderen Teil der Muslime gehe „eine generalisierte Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden auf unmittelbare eigene leidvolle Erfahrungen bzw. auf Erfahrungen der Eltern- und Großelterngeneration im nahöstlichen Konfliktgeschehen“ zurück. Bei Muslimen habe der Antisemitismus deshalb „einen Nutzen für die jeweilige soziale Selbstdarstellung und die politisch-weltanschauliche Orientierung“, er stelle für sie eine „subjektive Notwendigkeit“ dar.[2]

Vermutlich würden die Autoren dieser Studie bei deutschen Nazis keineswegs von einer „subjektiven Notwendigkeit“ antisemitischer Einstellungen sprechen. Und vermutlich würde das Familienministerium auch keine Studie finanzieren, die das Zeigen des Hitlergrußes mit „individuellen oder kollektiven Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen“ erklärt. Bei Muslimen legt man andere Maßstäbe an. Im Gegensatz zu „Bio-Deutschen“ nimmt man deren Worte und Weltbilder nicht ernst.

Im Ergebnis läuft diese Form der Bevormundung auf eine Art Fürsorge für Antisemiten und Islamisten hinaus: Man darf sie weder ausgrenzen noch diskriminieren, sonst verschlimmert sich das Symptom.

Wer also darf mit den Fördergeldern des Familienministeriums rechnen? Der regierungsamtliche Forschungsaufruf lässt keinen Zweifel:

„Förderfähig sind Forschungsprojekte, die den Einfluss von etwa

  • Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen sowie mangelnder Teilhabe,
  • außenpolitischen Konflikten und nationalen Diskursen bzw. Narrativen über diese Konflikte (bspw. Gerechtigkeitsdiskurse, Opfer-Täter-Narrative) oder
  • stigmatisierender Diskurse und Praktiken im Hinblick auf den Islam und Muslim*innen

auf Radikalisierungsprozesse untersuchen.“[3]

Die „richtige“ Antwort auf die Frage nach den Ursachen islamistischer Radikalisierung ist damit diktiert: Muslime in Deutschland werden Islamisten, weil man sie entweder ausgrenzt, weil sie am Nahostkonflikt leiden oder weil man ihre Religion stigmatisiert. Basta! Besonders Nachwuchsforscherinnen und -forscher sind aufgerufen, diese politischen Postulate „wissenschaftlich“ zu untermauern. Wer aber die Ideologie der Islamisten, also den Einfluss der religiösen Texte, die sie schreiben und verbreiten, ernst nimmt, schaut in die Röhre. An derartigen Forschungen sind das Bundesfamilienministerium und vermutlich auch das Außenministerium, das sich zugunsten des Iran und der Türkei engagiert, nicht interessiert.

Interessenten dürfen sich bis zum 21.09.2018 bewerben. Das Projekt ist für den Zeitraum 01.03.2019 bis 30.6.2022 angelegt. Ich wünsche viel Erfolg!

 

[1] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Forschungsaufruf: Förderung anwendungsorientierter Forschungsvorhaben zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung mit Fokus auf islamistische Orientierungen und Handlungen, auf: https://www.demokratie-leben.de/fileadmin/content/PDF-DOC-XLS/IBK/IBK_2018/Anlage_1_Forschungsaufruf_barrierefrei.pdf .

[2] Michael Kohlstruck und Peter Ulrich, Antisemitismus als Problem und Symbol, Berlin 2014.

[3] Ministerium, a.a.O..

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