Libyens Berber fordern Gleichberechtigung

„Die auch als Berber bekannten Imazighen sind die größte Minderheit in Libyen. Das Regime Muammar Gaddafis behandelte sie schlecht. Im Rahmen der sogenannten Kulturrevolution Gaddafis wurden die Traditionen der Imazighen 1973 verboten, der Gebrauch ihrer Sprache (Tamazight) wurde ihnen untersagt und die Imazighen wurden als Araber klassifiziert, obwohl sie zu den Ureinwohnern des Landes gehören. Gaddafi sah in den Imazighen eine separatistische Gefahr, die seiner Machtkonsolidierung und seinem Vorhaben, Libyen zum arabischen Land zu erklären, im Wege stehen könnte. Heute Bilden die Imazighen schätzungsweise zehn bis fünfzehn Prozent der sechs Millionen starken Bevölkerung Libyens. Die Imazighen leben im ganzen Land verstreut, vor allem aber im Nordwesten Libyens. Die Stadt Zuwara gilt als ihre inoffizielle Hauptstadt. (…)

Die Imazighen freuten sich anfänglich [über den Sturz Gaddafis], doch dann verdüsterten sich ihre Aussichten und ihr Optimismus verpuffte. Der Nationale Übergangsrat, die provisorische Administration nach dem Sturz Gaddafis, nahm 2011 eine provisorische Verfassung an. Ende 2013 schuf die Verfassungsgebende Versammlung eine dauerhafte neue Verfassung. Nur zwei der 60 Sitze in der Versammlung waren den Imazighen zugeteilt worden. Angesichts ihrer Geschichte und der Tatsache, dass sie zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung stellen, nahmen sie dies als Kränkung wahr. Sie kritisierten die Zusammensetzung der Versammlung und weigerten sich, an ihr teilzunehmen. (…) Den Imazighen geht es in erster Linie um Gleichberechtigung. [Khairi] Hamisi [ein hochrangiger Vertreter der Imazighen] erklärte, als ursprüngliche Bewohner des jetzigen Libyens forderten die Imazighen, dass ihrer Kultur und Sprache der gleiche Status beigemessen werde wie der arabischen Kultur und Sprache. Dies müsse in der Verfassung festgeschrieben werden. Tamazight sollte dann auch in den Pässen und Ausweisen und auf den Münzen und Geldscheinen erscheinen. (…)

Zwei Ereignisse Anfang des Jahres haben die Sorgen der Imazighen um ihre Sicherheit gesteigert. Am 2. Januar entführte eine Miliz im Osten Libyens Rabie Al-Jiyash, einen ihrer Aktivisten, offenbar weil er Tamazight gesprochen haben soll. Inzwischen wurde er wieder freigelassen. Wenig Tage später, am 5. Januar, griffen regierungstreue Streitkräfte ein Gebiet nahe der tunesischen Grenze an, das von Einheiten kontrolliert wird, die überwiegend aus Imazighen bestehen. Der Oberste Rat der Imazighen warnte daraufhin vor einem möglichen ‚ethnischen Krieg’. Warum der Angriff erfolgte, ist weiterhin unklar, doch wurde inzwischen ein Waffenstillstand vereinbart und die angreifenden Streitkräfte haben sich zurückgezogen.“ (Jamie Prentis: „Amazigh awakening: Libya’s largest minority wants recognition“)

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