Kinder, die nichts als Krieg und Terror kennen

„Über zwei Jahre, vom Jänner 2014 bis Mitte August 2016, wurde Moijeds Heimatstadt Manbij im Norden Syriens von der Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘ (IS) kontrolliert. Die Miliz wütete unbarmherzig. Teil des Schreckensregimes war, dass auch Buben sich die grauenhaften Exekutionen ansehen mussten. Dieser Horror war drei Jahre lang Alltag in der Hälfte Syriens. Erst während der vergangenen Monate ist es gelungen, den Terrorstaat so gut wie zu besiegen. Doch die Spur der Verwüstung, die davon geblieben ist, wird Jahre brauchen, bis sie nicht mehr sichtbar sind. Dazu ist der IS-Terror nur eine von vielen Facetten von Gewalt in dem nun schon sieben Jahre dauernden Konflikt. Eines von drei Kindern Syriens hat bisher nichts als Krieg erlebt; insgesamt sind dies 3,7 Millionen. Sie wuchsen mit der Terrormiliz IS auf, waren Flächenbombardements ausgesetzt, Terrorangriffen und schwerster Armut.

Eine soeben in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet erschienene Studie zeigt, dass vor allem Kinder massiv zu den Todesopfern und Verwundeten zählen: 400.000 Menschen starben in dem Konflikt, ein Viertel davon waren Kinder. Jene, die Angriffe verletzt überlebten, waren auf einfachste medizinische Hilfe angewiesen: Die Hälfte der Spitäler ist zerstört. Und auch 308 Schulen sind ausgebombt. Zerstörung und Krieg führen dazu, dass momentan 2,7 Millionen Kinder in Syrien nicht zur Schule gehen. Dabei ist regelmäßiger Unterricht, wie das Beispiel in Manbij zeigt, eine der wenigen Stützen für Kinder. (…)

‚Für Kinder ist die laufende Kulisse von Gewalt und Angriffen kaum zu verkraften. Doch auch Hunger und das Töten von Tieren, die sonst nie gegessen würden, stellen nicht nur enorme körperliche, sondern auch psychische Belastungen dar‘, so Zaher Sahloul, ein Arzt mit syrischen Wurzeln, der in Chicago lebt und im Rahmen der ‚Syrian American Medical Society‘ bereits 14 Mal im Einsatz im Kriegsgebiet war: ‚Die extremen und langen Belastungen für Kinder führen dazu, dass die Entwicklung von der Gehirnfunktionen beeinträchtigt sind‘, warnt Sahloul. Er hat beobachtet, dass normale Schutzreaktionen fehlen, Kinder würden bei Bombenangriffen völlig ruhig bleiben. ‚Sie drohen Gewalt und Krieg als die eigentliche Realität zu begreifen.‘ Mit verheerenden Konsequenzen für Syriens Zukunft, wie auch die engagierte Schuldirektorin Hala Hassi Mahmoud betont: ‚Damit unser Land langfristig Stabilität findet, wird es genauso wichtig sein, unsere Kinder wieder aufzubauen wie Gebäude. Politische Lösungen allein werden nicht genügen.‘“ (Petra Ramsauer: „Krieg, Terror, Hunger: Syriens Kinder gehen durch die Hölle“)

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