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Kaukasus: Das gefährliche Spiel der Türkei

In Ankara wird mit riesigen Bannern die Freundschaft der Türkei mit Aserbaidschan gefeiert. (© imago images/ZUMA Wire)
In Ankara wird mit riesigen Bannern die Freundschaft der Türkei mit Aserbaidschan gefeiert. (© imago images/ZUMA Wire)

Dass die Türkei im Karabach-Konflikt Dschihadisten einsetzt, kann die gesamte Kaukasusregion gefährden.

Shushanik Minasyan, Neue Zürcher Zeitung

Während die Welt die Konfliktparteien mit Friedensappellen an den Verhandlungstisch zu bringen versucht, blockt Ankara diese Bemühungen ab. Erdogan fordert den aserbaidschanischen „Bruder“ demonstrativ auf, keinerlei Kompromisse einzugehen, und sichert dabei Unterstützung jeglicher Art zu. Damit verleiht er dem Konflikt eine neue Dimension und lässt die unmittelbare Mitverantwortung der Türkei an der gewaltsamen Eskalation als unbestritten erscheinen.

Dem benachbarten südlichen Kaukasus kommt in der türkischen Außenpolitik generell eine wichtige Rolle zu. Bereits nach dem Zerfall der Sowjetunion versuchte die Türkei, eigene Machtpositionen mit pantürkischer Ideologie in der Region aufzubauen. Diese Ambitionen erwiesen sich allerdings als allzu ehrgeizig. Der Türkei fehlten regionale Ressourcen sowie konkrete Handlungsansätze, um Moskau bei der Wiederbelebung seiner Vorherrschaftsansprüche auf Augenhöhe zu begegnen. (…)

In den vergangenen Jahren ist der Ton Ankaras aggressiver geworden. Erdogan beansprucht die Mitbestimmung im regionalen Geschehen, aber vor allem im Karabach-Konflikt. (…) Nun versucht die Türkei, mit einer anderen Taktik Oberhand zu gewinnen, was jedoch schwerwiegende Folgen für die regionale Stabilität haben wird. Neben der massiven Aufrüstung der aserbaidschanischen Armee unterstützt Ankara nun zusätzlich die Rekrutierung jihadistischer Kämpfer aus Syrien. (…)

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Vor dem Hintergrund der weiterhin aktiven islamistischen Szene im Nordkaukasus birgt die Einbeziehung radikalislamischer Kräfte in diesen Konflikt allerdings ruinöse Risiken. Zwar agiert die neue Generation nordkaukasischer Jihadisten hauptsächlich auf afghanischem Kriegsschauplatz, einige Kämpfer sind jedoch weiterhin im Nordkaukasus aktiv. Das zeigte sich bereits bei gewaltsamen Zwischenfällen im Jahr 2016/17 in Tschetschenien. Der Südkaukasus bietet ein ideales Rückzugsgebiet und einen Nährboden für die extremistischen und radikalislamistischen Akteure.

Mit dieser neuen Dimension des Karabach-Konfliktes steigt die Gefahr, dass sich die gesamte Kaukasusregion zur Hochburg jihadistischer Gruppierungen entwickelt.

(Aus dem Kommentar „Spiel mit dem Feuer – die Einflussnahme der Türkei im Südkaukasus birgt Gefahren“, der bei der Neuen Zürcher Zeitung erschienen ist.)

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