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Die Enthauptung von Paris und wir

Dass liberale Gesellschaften auf den Terror nicht angemessen reagieren, hat auch mit den ideologischen Verrenkungen mancher Akademiker zu tun. (© imago images/Hans Lucas)
Dass liberale Gesellschaften auf den Terror nicht angemessen reagieren, hat auch mit den ideologischen Verrenkungen mancher Akademiker zu tun. (© imago images/Hans Lucas)

Terroristen verbreiten Angst, Ideologen tragen unter dem Deckmantel der Wissenschaft dazu bei, die gesellschaftliche Freiheit einzuschränken.

Alan Posener, Welt

In diesen Zeiten der Cancel Culture gibt es erhitzte Diskussionen darüber, was wer noch über wen sagen kann und soll. Dabei spielt selten eine Rolle, dass Islamisten ohne Diskussion, sondern mit Terror längst ihre Ziele durchgesetzt haben. Seit der Fatwa der iranischen Machthaber gegen Salman Rushdie vor 31 Jahren überlegt sich jede Autorin zweimal, ob sie einen islamkritischen Roman schreiben soll. (…)

Wer eine dumme Bemerkung über Schwule macht, riskiert einen Shitstorm in den sozialen Medien. Wer aber wie Paty auch nur den Gedanken zulässt, der Prophet des Islam dürfe kritisiert werden, riskiert sein Leben. Längst hat die überwältigende Mehrheit bei uns die Lehren daraus gezogen. Wir sind keine liberale Gesellschaft mehr. (…)

Terroristen erledigen die Drecksarbeit. Akademiker aber, die in der Lage sind, sich vom Terror zu distanzieren, arbeiten am schlechten Gewissen besonders der westlichen Linken, mit Studien und Konferenzen zu Islamophobie oder antimuslimischem Rassismus, während sie den muslimischen Antisemitismus und Rassismus herunterspielen oder leugnen, ja, die Muslime zu den neuen Juden erklären und die israelbezogene Judenfeindschaft fördern.

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Wehret den Anfängen, hieß es früher. Heute werden die Wehrhaften des Rassismus verdächtigt. Als ein Mitglied des Türkischen Elternbundes Hamburg die Deutschen als „Köterrasse“ bezeichnete, spielte die Akademikerin Yasemin Shooman den Vorfall mit einem bedenklichen Argument herunter.

Sie wolle zwar „solche Haltungen nicht verharmlosen“, schrieb sie in einem Zeitschriftenartikel. Doch sollte man „Deutschenfeindlichkeit“ nicht als Form des Rassismus bezeichnen, weil „diejenigen, von denen diese Angriffe ausgehen, nicht über die gesellschaftliche Macht verfügen, ihre Ressentiments dahin gehend durchzusetzen, dass sie die Opfer, die zur Gruppe der Etablierten gehören – in diesem Fall also weiße Deutsche –, auf eine untergeordnete soziale Stellung verweisen könnten.“ Shooman ist nicht irgendwer, sondern Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung und Mitglied des von Horst Seehofer einberufenen „Expertenrats Muslimfeindlichkeit“.

Der weiße Franzose Samuel Paty, der „zur Gruppe der Etablierten“ gehörte, wurde nicht auf eine „untergeordnete soziale Stellung“ verwiesen, sondern ermordet. In Tausenden Klassenzimmern geht die Angst um. Nicht bei den Schülern, sondern bei den Lehrern, die „zur Gruppe der Etablierten gehören“.

(Aus dem Kommentar „Die Tat von Paris ist auch ein Fanal für uns“, der bei der Welt erschienen ist.)

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