Jeremy Corbyn: Israel-Feindschaft als Strategie

„Die britische Labour Party hat sich in den vergangenen Wochen geweigert, die allgemein akzeptierte britische Definition des Antisemitismus zu übernehmen, die Tatsache entschuldigt, dass Jeremy Corbyn Verschwörungstheorien über Israel verbreitet, und versucht, gemäßigte Labour-Abgeordnete, die dieses Vorgehen kritisieren, mundtot zu machen. Diese Ereignisse werden oft als ‚Skandal‘ bezeichnet. Doch ist das unzutreffend. Es handelt sich dabei um eine bewusste politische Strategie der Labour-Führung. (…)

Diese ‚Skandale‘ wurden kurz nacheinander bekannt. Es erscheint daher überraschend, dass Jeremy Corbyn in dem gesamten Zeitraum nicht ein einziges Mal wankte. Politische Skandale gibt es in verschiedenen Formen, doch ist ihnen in der Regel gemein, dass diejenigen, die in sie verwickelt sind, in dem Versuch, ihre Karrieren zu retten, Scham und Bedauern über ihre Handlungen zum Ausdruck bringen. Oder sie ziehen sich zurück. Der Verurteilung durch die jüdische Community und ihrer Empörung zum Trotz tun Corbyn und seine Verbündeten weder das eine noch das andere. Stattdessen wies Corbyn jede Verantwortung von sich und weigerte sich, das Ausmaß des Problems anzuerkennen. (…)

Viele diskutieren die Frage, ob Jeremy Corbyn selbst ein Antisemit sei. Vielleicht ja, vielleicht nein. Doch das zielsichere Vorgehen, mit dem er die Sorgen der jüdischen Community zurückweist, gemäßigte Kritiker in der Labour Party mundtot macht und den Antizionismus als integralen Bestandteil seines Profils propagiert, zeigt, dass er ohne weiteres bereit ist, den Antisemitismus zu politischen Zwecken einzusetzen.

Im Weltbild Corbyns, das ihm den Weg zum politischen Starstatus geebnet hat, spielt der Antizionismus eine entscheidende Rolle. Corbyns Karriere hat sich durchgängig am extremen Rand der sozialistischen Bewegung abgespielt. Er hat die Sowjetunion, das Syrien Assads, die iranischen Ayatollahs und das Venezuela Maduros unterstützt. Als er zum Führer der Labour-Party gewählt wurde, schwächte Jeremy Corbyn seine Unterstützung für radikale antiwestliche Gruppen teilweise ab. Doch den Antizionismus hat er weiterhin uneingeschränkt unterstützt. Sein Endziel ist im Laufe seiner Karriere stets das gleiche geblieben: Die Ablehnung westlicher Werte und Förderung eines strategischen Bündnisses zwischen radikalen Sozialisten und Islamisten in dem Bestreben, den Sozialismus in Großbritannien zu normalisieren und durchzusetzen. (…)

Die außenpolitischen Vorstellungen Corbyns spielten bei seinen Meinungsverschiedenheiten mit der Labour Party unter Blair eine zentrale Rolle. Sie zielen auf eine Schwächung der Beziehungen zwischen Großbritannien und Israel ab. Corbyn hat eine erfolgreiche Strategie entwickelt, um sich die Labour Party als Instrument zur Aushöhlung der liberalen westlichen Ordnung zu eigen zu machen. Bezeichnet man die jüngsten Ereignisse als ‚Skandal‘, unterschätzt man den strategischen Charakter seiner Führung ganz gewaltig.“ (Tamara Berens: „It’s Worse Than a Scandal. It’s a Strategy“)

Ein Gedanke zu „Jeremy Corbyn: Israel-Feindschaft als Strategie

  1. nussknacker56

    «Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.»
    Ignazio Silone (ital. Schriftsteller, dem dieses Zitat zugeschrieben wird)

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