In Türkei wächst Unzufriedenheit mit Erdogans Flüchtlingspolitik

„Knapp 500.000 Syrer haben sich in der [türkischen] Zwei-Millionen-Stadt [Gaziantep] angesiedelt, die 120 Kilometer nördlich der syrischen Handelsmetropole Aleppo liegt. Als der Bürgerkrieg in Syrien 2011 begann, war in der Türkei die Solidarität mit den bedrängten Nachbarn groß, und die Flüchtlinge wurden mit offenen Armen aufgenommen. Doch heute, da ihre Zahl im Land auf insgesamt 3,5 Millionen angewachsen ist, nehmen die Spannungen zu. Besonders in Großstädten wie Istanbul, Izmir oder Gaziantep kommt es vermehrt zu Konflikten und viele Türken wollen inzwischen, dass die Syrer zurückkehren. Für die meisten Flüchtlinge kommt eine Rückkehr derzeit aber nicht in Frage. In Gaziantep betonen viele Syrer ihre Dankbarkeit für die Gastfreundschaft der ‚türkischen Brüder‘ und versichern wie der Kaffee- und Gewürzhändler Mohammed al-Hamawi, dass es bei den Beziehungen ‚keinerlei Probleme‘ gebe. Auch Gazianteps Bürgermeisterin Fatma Sahin findet, dass es ihrer Stadt gut gelungen sei, ‚diese schwierigen Zeiten zu überwinden – ohne großen Schaden für die Leute, die hier leben‘.

Im Schutz der Anonymität erzählen manche Syrer aber eine andere Geschichte. So sei es schwierig, von Banken Kredite zu erhalten oder auch nur ein Konto zu eröffnen. Vermieter würden sich weigern, Syrern Wohnungen und Läden zu vermieten. Im Alltag bekämen sie abschätzige Bemerkungen zu hören, und einige syrische Geschäfte seien sogar attackiert worden. Laut einem Bericht der International Crisis Group von Januar ist die Zahl der gewaltsamen Konflikte zwischen Türken und Syrern im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. ‚Mindestens 35 Menschen wurden 2017 bei Zusammenstößen getötet, darunter 24 Syrer‘, heißt es in dem Bericht. Indem die Behörden die Spannungen kleinredeten, werde eine wichtige öffentliche Debatte über die Frage der Integration verhindert. Angesichts des wachsenden Unmuts unter den Türken betont Präsident Recep Tayyip Erdogan regelmäßig, dass die Syrer letztlich zurückkehren würden. (…) Viele Türken sind aber langsam mit ihrer Geduld am Ende. ‚Es gibt großen Verdruss gegenüber der Regierung‘, sagt der Händler Amanakh. Selbst deren Anhänger hätten mittlerweile genug. Der Umgang der Regierung mit den Flüchtlingen werde sich gewiss auf seine Entscheidung bei den vorgezogenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 24. Juni auswirken.“ (Bericht auf Focus: „In der Türkei kippt die Stimmung gegen Flüchtlinge“)

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