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Gaza: Misshandlung eines Straßenverkäufers als Symbolbild

Hamas-Polizisten schlagen in Gaza auf einen Straßenhändler ein. (Quelle: Twitter)
Hamas-Polizisten schlagen in Gaza auf einen Straßenhändler ein. (Quelle: Twitter)

Inmitten von Passanten schlagen Hamas-Polizisten in Gaza einen jungen Mann, der bloß versucht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Von Mohammed Altlooli

Auf arabischen Social-Media-Seiten sorgen dieser Tage Bilder für Aufregung, die viele an den Vorfall erinnerten, der im Jahr 2011 den sogenannten Arabischen Frühling auslösen sollte. Damals verbrannte sich der junge Gemüsehändler Mohamed Bouazizi in einem verzweifelten Akt des Protests selbst, nachdem sein mobiler Marktstand mehrfach von der Polizei wegen mangelnder Genehmigungen geschlossen und er selbst auf der Polizeiwache mehrfach misshandelt wurde. Die Person Bouazizis wurde zum Symbol für eine arabische Jugend, die sich mit den Erniedrigungen und der Unterdrückung nicht mehr abfinden wollten, denen sie durch die verknöcherten Diktaturen der arabischen Welt ständig ausgesetzt waren.

Auf den nun die Runde machenden Aufnahmen ist zu sehen, wie Hamas-Polizisten in Gaza einen jungen Mann schlagen und misshandeln, der nichts anderes machte, als sich darum zu bemühen, für sich und seine Familie den Lebensunterhalt zu verdienen.

Shaban Sharabs Geschichte ist typisch für das Leben vieler junger Männer im Gazastreifen. Er hat an der Universität Architektur studiert, doch war es ihm nicht möglich, einen Job zu finden, der dieser Berufsausbildung entsprochen hätte. Also beschloss er, ein kleines Unternehmen zu gründen, um sich und seine Familie mit dem Nötigsten versorgen zu können: Er machte einen kleinen Straßenkiosk auf und verkaufte Tee und Kaffee. Damit hoffte er, genug Geld zum Überleben verdienen zu können.

Doch dann kam eine Polizei-Patrouille des Weges, zerstörte seinen Verkaufsstand und schlug in aller Öffentlichkeit und vor den Augen von Passanten auf ihn ein. Die Verwaltung von Gaza-Stadt ist der Ansicht, dass die Entfernung von Verkaufsteppichen und -ständen eine geeignete und legitime Maßnahme sei, um ein geordnetes Straßenbild herzustellen. Wovon die Menschen leben sollen, denen auf dieser Art der Einkommenserwerb verunmöglicht wird – laut den Vereinten Nationen leiden mehr als 70 Prozent der Menschen im Gazastreifen unter Arbeitslosigkeit und Armut –, darauf haben weder die von der Hamas kontrollierte Stadtverwaltung noch die Polizei eine Antwort, die selbst humanitäre Mindeststandards mit Füßen tritt.

Wie einst Boazizi, so ist heute Sharab in den Augen vieler ein Symbol: Ein junger Mann ohne Aussicht auf einen seinen Qualifikationen entsprechenden Job, der im seit 2006 von der islamistischen Hamas eisern kontrollierten Gazastreifen irgendwie versucht, über die Runden zu kommen – und dem von den Hamas-Schlägern in Polizeiuniformen noch das Wenige genommen wird, was er noch hatte, während sie ihn in aller Öffentlichkeit schlagen und erniedrigen.

In Gaza türmen sich die Probleme, die allesamt auf das Versagen der Hamas bei der Verwaltung des Landstrichs zurückzuführen sind. Fast zwei Millionen Menschen leiden unter der ständigen Verschlechterung der sozialen Lage, welche die Hamas zu verantworten hat. Wer kann, geht weg und flieht auf der Suche nach einem besseren Leben ins Ausland.

Für die Menschen im Westjordanland, das unter der Kontrolle der von Mahmud Abbas geführten Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) steht, sind die Bedingungen ähnlich wie im Gazastreifen, mit einem wesentlichen Unterschied: Dort besteht für Zehntausende die Möglichkeit, den Lebensunterhalt für sich und die Familie mit Arbeit in Israel zu verdienen. Selbstverständlich wäre es besser, hätte die PA Arbeitsmöglichkeiten im eigenen Zuständigkeitsbereich geschaffen, doch sie hat sich dazu als genauso inkompetent erwiesen wie ihre Kontrahenten im Gazastreifen.

Hüben wie drüben lehnen die Menschen diese politischen Systeme ab, die sie wie Abschaum behandeln, die unfähig sind, die Infrastruktur zu reformieren oder Krankenhäuser zu bauen, die nicht in der Lage sind, die Jobs zu schaffen, die mit israelischer Hilfe geschaffen werden könnten – und sich bei alledem um die Einhaltung der Menschenrechte der Palästinenser einen Dreck zu scheren.

Der Autor engagierte sich im »Gaza Youth Movement«, musste aus dem Gazastreifen fliehen und lebt, nach längerem Aufenthalt in einem Flüchtlingslager in Griechenland, inzwischen als Asylbewerber in Deutschland.

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