Die türkische Krise wäre auch ohne Trump gekommen

„Die Währungen etlicher Schwellenländer von Südafrika bis Indien haben in den vergangenen Monaten an Wert verloren. Doch ist keine so schwer abgestürzt wie die Lira. Vor drei Jahren kostete eine Lira 2,40 Dollar, am Montag waren es 7 Dollar. Warum geschieht dies gerade jetzt?

Analysten gehen davon aus, dass die Ursache in Handlungen in der Vergangenheit zu suchen ist, deren Folgen durch die Schritte verschärft wurden, die Erdogan seit seinem publicityträchtigen Interview mit Bloomberg im Mai in London eingeleitet hat.

‚Erdogan hat erklärt, er werde die Leitzinsen senken, um die Inflation zu vermindern. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Der Wirtschaftswissenschaft zufolge muss man die Leitzinsen erhöhen, um die Inflation zu senken. Das ist also ein dickes Ding‘, so Emre Deliveli, ein in der Türkei ansässiger unabhängiger Ökonom.

Erdogans wirtschaftliches Unverständnis und die Tatsache, dass er die Unabhängigkeit der Zentralbank untergraben hat, sorgten bereits für Verunsicherung. Dass er seinen 40jährigen Schwiegersohn Berat Albayrak nach den Wahlen zum Finanzminister ernannte, war ein weiterer Schock.

‚Allgemein wurde davon ausgegangen, dass der ehemalige Finanzminister im Amt bleiben würde. Damit, dass er seinen Schwiegersohn, der über keinerlei formale Bildung in Wirtschaftsfragen verfügt, in eine wirtschaftlich relevante Spitzenposition hievt, hatte niemand gerechnet. Das hat Investoren verstört‘, so Deliveli weiter.

‚Die Wirtschaft wäre so oder so implodiert, selbst wenn sich diese Dinge in den letzten Monaten nicht zugetragen hätten. Allerdings wäre die Rezession weniger schwerwiegend gewesen.‘ (…)

Erdogan ist gleichwohl entschlossen, die Verantwortung für den Absturz der Währung bei ‚Wirtschaftsterroristen‘ zu verorten. ‚Das ist klassischer Erdogan, das populistische ‚wir‘ gegen ‚die anderen‘. Leider fallen die Leute darauf herein.‘“ (Paul Cochrane: „ANALYSIS: Turkey’s currency and debt crisis has been years in the making

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