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„Die Taliban verfolgen systematisch Helfer der ausländischen Truppen“

Checkpoint der Taliban in der afghanischen Stadt Kundus
Checkpoint der Taliban in der afghanischen Stadt Kundus (© Imago Images / Xinhua)

Jean Marie Thrower von der Hilfsorganisation „Afghan Rescue Crew“ erzählt von Enthauptungen von Kindern und von systematischer Folter durch die Taliban.

Jim Geraghty, National Review

In normalen Zeiten würde Jean Marie Thrower ihr Beratungsunternehmen für die Automobilindustrie, Supplier Development Systems, mit Sitz in Birmingham (Alabama) leiten. Aber seit dem Fall von Kabul und der Eroberung Afghanistans durch die Taliban hat Thrower, die in der 82. Luftlandedivision der US-Armee als Transportoffizierin diente und Einsätze in Haiti und Bosnien unterstützte, den Rest ihres Lebens auf Eis gelegt und arbeitet mit der Afghan Rescue Crew (ARC) zusammen.

Die ARC beschreibt sich selbst als eine private Gruppe von US-Veteranen und Zivilisten, die freiwillig so viele in Afghanistan zurückgelassene Amerikaner und afghanische Verbündete, wie möglich retten wollen. (…)

Thrower ärgert sich über die Weigerung des US-Außenministeriums, Menschen schnell zu in Sicherheit zu bringen, weil es befürchtet, dass sich unter ihnen Terroristen verstecken könnten. Sie sagt, ihre Organisation verfüge die Namen von 2.500 bis 3.000 Personen, die vollständig überprüft worden seien, darunter ehemalige Dolmetscher des US-Militärs, Beamte der afghanischen Regierung und Diplomaten.

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„Lassen Sie uns einfach jemanden rausholen“, sagt Thrower voller Verzweiflung, die berichtet, dass „jeden Tag Menschen verschwinden und getötet werden“. Ihre Organisation erhält dabei sowohl Berichte von Afghanen, die es geschafft haben, als auch die schrecklichen Schilderungen derer, die zurückgeblieben sind.

Sie beschreibt den Fall eines amerikanischen Kindes, dessen afghanischer Onkel kürzlich von den Taliban getötet wurde. „Sie haben Menschen erschossen, enthauptet. Sie nehmen die Kinder mit. Wenn Du auf der Flucht bist und sie Deine Familie finden, foltern sie Deine Familie und verbreiten in der Nachbarschaft die Nachricht: ‚Wir haben Deinen Bruder, Deinen Sohn oder Deine Tochter.‘ Sie haben zwei Jungen geköpft, die neun und zehn Jahre alt waren.“

Während der Bericht über die enthaupteten Kinder von unabhängiger Seite nicht überprüft werden konnte, haben sich andere Berichte über Enthauptungen leider bestätigt. Ein kürzlich aufgetauchtes Video zeigt, wie sechs Taliban einen afghanischen Soldaten enthaupten. Christen in Afghanistan berichten, dass sie Telefonanrufe von den Taliban erhalten haben, in denen diese ihnen ebenfalls drohten, sie zu enthaupten. Ein britischer Abgeordneter sagte, afghanische Flüchtlinge hätten ihm berichtet, dass die Taliban Familienmitglieder zwingen, bei der Enthauptung ihrer Verwandten zuzusehen.

Ein Menschenrechtsaktivist in Kabul, der geschlagen und ins Krankenhaus eingeliefert wurde, sagte, ihm sei von den Taliban, die gefangengenommen hatten, gesagt worden: „Du handelst gegen den Islam, und wir dürfen Kuffar [Ungläubige; Anm. Mena-Watch] wie Dich töten.“ Zwei Journalisten berichteten, ihnen sei mit Enthauptung gedroht worden, nachdem sie geschlagen worden waren, weil sie über einen Frauenprotest berichtet hatten.

Thrower beklagt, dass die Taliban in Afghanistan mit atemberaubender Geschwindigkeit Christen suchen und hinrichten. „Als wir vor drei Wochen begannen, hatten wir noch 300 Personen in unseren Listen, jetzt sind es nur noch 55. Sie sind getötet worden… Wir hatten zwei junge Mädchen, die bei dieser christlichen Familie waren. Die Christen hatten sie gefunden, nachdem ihre Eltern getötet worden waren. Sie versteckten sich zusammen und gingen dann auf den Markt, um etwas zu essen zu besorgen. Die Taliban fanden sie, vergewaltigten sie und schlugen sie. Es gelang uns, sie in ein Krankenhaus zu bringen.“ (…)

Thrower beschreibt eine Reihe heimtückischer Fallen, die von den Taliban gestellt werden. Wenn sie etwa die Telefonnummer eines sich versteckenden Afghanen herausfinden, kontaktieren sie ihn per E-Mail oder Telefon und geben sich als amerikanische Beamte aus, die behaupten, sein Visum sei bearbeitet worden.

Sie sagen ihm dann, dass sie sich an einem bestimmten Ort treffen sollten, damit er sein Visum abholen und das Land verlassen kann. Wenn der gesuchte Afghane eintrifft, nehmen die Taliban ihn gefangen und foltern ihn in der Regel, um weitere Informationen über andere versteckte Afghanen zu erhalten. So arbeiten sich die Taliban methodisch durch die Netzwerke untergetauchter Afghanen.

Zurzeit sind alle Grenzen Afghanistans geschlossen – die Afghanen sind also „leichte Beute, die darauf warten, dass jemand an ihre Tür klopft, die darauf warten, dass Leute kommen und entscheiden, ob sie ihnen etwas antun wollen oder nicht“.

(Aus dem Artikel The Taliban ‘Cut Off the Heads of Two Boys Who Were Nine and Ten’“, der in der National Review erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

Mehr dazu auf Mena-Watch: US-Militär: Veteranen bringen afghanische Verbündete in Sicherheit

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