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Explosion im Beiruter Hafen: Tränengas gegen Verwandte der Opfer

In Beirut demonstrierten Angehörige der Explosionsopfer
In Beirut demonstrierten Angehörige der Explosionsopfer (© Imago Images / Xinhua)

In Beirut kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, als Teilnehmer der Proteste in das Gebäude des Innenministers vordringen wollten.

The Guardian

In der libanesischen Hauptstadt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Verwandten der vor einem Jahr bei der Explosion im Beiruter Hafen Getöteten und der Bereitschaftspolizei, im Zuge derer die Polizei auch Tränengas gegen die Proteste einsetzte. Im Land wächst derweil die Wut über das, was die Demonstranten als Behinderung der Untersuchung einer der größten nicht-nuklearen Explosionen in der Geschichte bezeichnen.

Die Unruhen fanden am Dienstag statt, nachdem sich angesichts des baldigen ersten Jahrestags der Explosion Hunderte von Demonstranten vor dem Haus des geschäftsführenden Innenministers, Mohamed Fehmi, in Beirut versammelt hatten. Die libanesische Regierung war als Reaktion auf die Explosion am 4. August 2020 zurückgetreten, und das Land wird immer noch von einer Übergangsregierung geführt.

Die Demonstranten marschierten in einem symbolischen Trauerzug mit leeren Särgen, die die Opfer symbolisieren sollten. Dann warfen sie die Särge in den Hof des Gebäudes und versuchten, sich durch die Sicherheitskräfte zu drängen, um eine symbolische Beerdigungszeremonie abzuhalten.

„Er hat uns ein weiteres Mal getötet«, sagte Tracy Naggear, deren dreijährige Tochter eines der jüngsten Opfer der Explosion war. Sie bezog sich auf Fehmis Entscheidung, einen Antrag des untersuchenden Richters abzulehnen, dder den en Chef der allgemeinen Sicherheit, Generalmajor Abbas Ibrahim zur Explosion befragen wollte, einen der ranghöchsten Generäle des Libanon zu befragen. (…)

Der Untersuchungsrichter Tarek Bitar erklärte Anfang des Monats, dass er beabsichtige, hochrangige Politiker sowie ehemalige und derzeitige Sicherheitschefs in dem Fall zu verfolgen, und beantragte die Aufhebung ihrer Immunität, damit er sie strafrechtlich belangen kann.

Familien der Opfer und Überlebenden lobten den Plan des Richters als mutigen Schritt. Sein Vorgänger bei der Leitung der Untersuchung war abgesetzt worden, nachdem er zwei ehemalige Minister der Fahrlässigkeit beschuldigt hatte, die zu der Explosion führte. Naggear sagte, dass die symbolische Beerdigung vor Fehmis Gebäude am Schauplatz des „zweiten Verbrechens« gegen die nach Gerechtigkeit suchenden Familien stattfände.

Die Versammlung wurde hektisch, als Dutzende von Demonstranten Fehmis Gebäude stürmten, zwei Metalltore aufbrachen und sich mit der Bereitschaftspolizei prügelten, die mit Knüppeln auf die Menge einschlug. Die Polizei feuerte Tränengas ab, um gegen die Demonstranten vorzugehen. Der Vorstoß löste heftige Straßenschlachten mit steinewerfenden Demonstranten aus. Viele wurden verletzt und am Tatort behandelt.

Die Demonstranten sprühten das Wort „Mörder“ in roter Farbe an den Eingang von Fehmis Haus, während Männer das Gebäude mit Tomaten bewarfen. „Mohamed Fehmi, wir werden Sie nicht in Ruhe lassen. Heben Sie die Immunität auf“, sagte Ibrahim Hoteit, dessen Bruder Tharwat bei der Explosion getötet worden war.

Der Libanon erlebt laut Weltbank zurzeit auch eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen der letzten 150 Jahre. Trotz des wirtschaftlichen Zusammenbruchs waren die Politiker bislang nicht in der Lage, eine Regierung zu bilden, die die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds für ein Konjunkturpaket führen könnte. Am Montag sagte die Europäische Union, dass sie hofft, einen rechtlichen Rahmen für Sanktionen gegen die libanesische Führung schaffen zu können.

(Aus dem Artikel Beirut police fire teargas at protest by relatives of blast victims“, der im Guardian erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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