Abbas: „Absolutes Vertrauen“ in den saudischen Monarchen

„Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, wartete nicht darauf, bis Saudi-Arabien zugab, dass der Kolumnist der Washington Post, Jamal Khashoggi, im saudischen Konsulat in der Türkei getötet wurde. Bereits Tage vor der Bekanntgabe der Saudis entschied Abbas, dass er und die Palästinenser ‚absolutes Vertrauen‘ in König Salman bin Abdel Aziz und seinen Sohn, Kronprinz Mohammed bin Salman, hätten.

Während Abbas damit beschäftigt war, die Saudis für ihre „Gerechtigkeit, Werte und Prinzipien“ zu loben, veröffentlichte die in London ansässige Aktionsgruppe für Palästinenser in Syrien eine Stellungnahme, in der sie den saudischen Behörden vorwerfen, palästinensischen Flüchtlingen die Einreise in das Königreich zu verweigern. (…)

Dies ist nur eines der Beispiele für die Diskriminierung der Saudis gegenüber den Palästinensern. Die Erklärung der Gruppe wurde am gleichen Tag veröffentlicht, an dem Abbas die saudischen Führer mit Lob überhäufte.

In einer am 14. Oktober von seinem Büro veröffentlichten Stellungnahme ließ Abbas, der sich selbst als ‚Präsident des Staates Palästina‘ bezeichnete, verlauten, er ‚schätze die Positionen Saudi-Arabiens, eines Landes, welches seit jeher und bis zum heutigen Tag auf der Seite unserer gerechten Sache und der Rechte unseres Volkes stand‘. In der Stellungnahme hieß es, Abbas habe ‚absolutes Vertrauen‘ in den saudischen Monarchen und seinen Sohn zum Ausdruck gebracht und betont, dass ‚Palästina stets an der Seite Saudi-Arabiens stand und dies auch weiterhin tun wird.‘ (…)

Niemand weiß, was Abbas bewogen hat, im Namen aller Palästinenser sein ‚absolutes Vertrauen‘ in die saudischen Führer zu einem Zeitpunkt auszudrücken, als die Saudis sich noch immer weigerten, die Verantwortung für das Verschwinden und die Ermordung des Kolumnisten zu übernehmen. Abbas‘ Unterstützung für Saudi-Arabien könnte gegen Katar gerichtet sein, welches nach seiner Ansicht mit der Hamas seinen Rivalen den Rücken stärkt. (…)

Am gleichen Tag, an dem die Saudis endlich eingestanden, dass Khashoggi im Gebäude ihres Konsulats getötet worden war, veröffentlichte Abbas eine weitere Stellungnahme, in der er erneut seine uneingeschränkte Unterstützung für Saudi-Arabien zum Ausdruck brachte. Dieses Mal ging Abbas noch einen Schritt weiter, indem er seine Erklärung im Namen des ‚Staates Palästina‘ abgab.

Hier ist das, was die Erklärung, die in Ramallah veröffentlicht wurde, über die Khashoggi-Affäre und das saudische Eingeständnis, dass der Kolumnist bei einem ‚Kampf‘ innerhalb der diplomatischen Mission in der Türkei getötet wurde, aussagte:

„Der Staat Palästina hat bestätigt, dass Saudi-Arabien unter der Führung von König Salman bin Abdel Aziz und Kronprinz Mohammed bin Salman auch weiterhin ein Land von Gerechtigkeit, Werten und Prinzipien bleibt. Der Staat Palästina hat die von dem Hüter der Heiligen Stätten (König Salman) getroffene Entscheidung, Gerechtigkeit, Fairness, Wahrheit und Gesetz walten zu lassen, gelobt.“

Erst einmal ist zu bemerken, dass Abbas und die Palästinenser nicht die einzigen Araber und Muslime waren, welche die saudischen Staatsoberhäupter nach der Kontroverse um die Khashoggi-Affäre öffentlich unterstützten. Mehrere arabische und islamische Länder, darunter Ägypten, Jemen, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Oman, Kuwait, Dschibuti und Mauretanien, gaben ebenfalls ähnliche Stellungnahmen heraus, in denen sie ihre volle Unterstützung für König Salman bin Abdel Aziz und seinen Sohn zum Ausdruck brachten. (…)

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, warum so viele arabische und islamische Länder nur allzu schnell voll des Lobes für Saudi-Arabien waren, auch wenn die vollständigen Details des Falles Khashoggi nach wie vor unklar sind. Viele Araber und Muslime können es sich kaum erlauben, ein so reiches Land wie Saudi-Arabien zu verprellen. Dies ist ein gutes Beispiel für ‚Money Talks‘. (…)

Tatsächlich hat die schlechte Behandlung der Palästinenser durch ihre arabischen Brüder für Abbas und seine Führung nie eine Rolle gespielt. Sie schweigen, wenn Palästinenser getötet und aus ihren Häusern in Syrien vertrieben werden. Sie schweigen, wenn Palästinenser im Libanon Diskriminierung und Apartheid-Gesetze erfahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Abbas und die führenden Palästinenservertreter scheinbar nicht viel darauf geben, was mit ihrem Volk in den arabischen Ländern geschieht. Jetzt ist außerdem auch klar, dass ihnen gleichgültig ist, was Saudi-Arabien ihrem eigenen Volk (oder einem andersdenkenden saudischen Kolumnisten) antut – solange das Geld der Saudis weiterhin in die Truhen der Palästinenser fließt.“ (Khaled Abu Toameh: „Palästinensische ‚Solidarität‘ mit Saudi-Arabien“. Auf Englisch zuerst veröffentlicht vom Gatestone Institute, deutsche Übersetzung von Audiatur Online.)

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