Warum die Saudis neidisch auf den Iran blicken

steinmeier-rohaniVoll Neid dürfte die saudische Regierung dieser Tage verfolgen, wie bei ihrem Konkurrenten in Teheran eine europäische Delegation der anderen die Klinke in die Hand gibt. Ohne den Iran, so heißt es neuerdings aus Paris, Brüssel und Berlin, sei Frieden im Nahen Osten nicht möglich. Die Saudis dagegen stehen zunehmend am Pranger, fast täglich liest man, wie grässlich es dort um Menschen- und Frauenrechte bestellt ist. Je mehr der Iran in der Gunst als Dialog- und Wirtschaftspartner steigt, desto heftiger scheint sich Kritik an den Saudis zu artikulieren.

Bis vor Kurzem galt Saudi-Arabien noch als ‚unser moderater Alliierter am Golf‘, man ignorierte nicht nur geflissentlich die verheerende Menschenrechtslage, sondern auch die Milliarden von Petrodollars, die Riad Jahr für Jahr an salafistische und dschihadistische Bewegungen überweist. Das hat weder Europäer noch Amerikaner daran gehindert, lukrative Geschäfte mit der Golfmonarchie zu machen, die Saudis waren zugleich ein enger Partner im Kampf gegen Kommunisten im Kalten Krieg und, als er noch als Feind galt, zur Eindämmung des Iran.

Nun, leider Jahre zu spät, beginnt man festzustellen, dass die Saudis zur Befriedung oder Stabilisierung des Nahen Ostens doch nicht so viel beizutragen haben, eher sogar selbst Teil des Problems sind. Aus dieser Erkenntnis ziehen Europäer und Amerikaner aber keineswegs die Lehre, fortan die Kooperation mit Islamisten ganz einzustellen. Mehr noch: Wenn dieser Tage europäische Politiker nach Teheran reisen, klingen sie ganz so, wie man es früher von Besuchen in der saudischen Hauptstadt gewohnt war.“ (Mena Watch-Autor Thomas von der Osten-Sacken in einem Gastkommentar auf Welt N24: „Falsche Verbündete in Nahost“)

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