Erdogan: Visastreit mit USA lässt türkische Börsen fallen

By Secretary of Defense, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37738359

„Normalerweise scheren sich Börsianer nicht weiter um diplomatische Verwicklungen. So heißt es nicht ohne Grund, politische Börsen hätten kurze Beine. Doch im Fall der Türkei scheint das nicht länger zu gelten. Offensichtlich sorgt die politische Willkür des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für zunehmende Nervosität an den Finanzmärkten. Nun hat der politische Streit zwischen Ankara und Washington ein Beben an der türkischen Börse ausgelöst. Sämtliche türkische Anlagen waren von den Turbulenzen betroffen. Der türkische Leitindex BIST 100 verlor rund fünf Prozent an Wert. Die Renditen der Anleihen schossen kräftig in die Höhe. Steigende Zinsen sind ein klassisches Misstrauensvotum der Investoren. Die Währung Lira brach in der Spitze um fast sieben Prozent ein und damit stärker noch als nach dem Putschversuch im Sommer vergangenen Jahres. ‚Die Situation scheint wirklich sehr ernst zu sein‘, sagt Anlagestratege Timothy Ash vom Vermögensverwalter Blue Bay. ‚Wenn der Lira-Verfall weitergeht, könnte sich die türkische Zentralbank gezwungen sehen, zu intervenieren und die Zinsen zu erhöhen.‘

‚Erdogan führt die Türkei in den Abgrund‘, erklärte etwa Steve Hanke, Ökonom am amerikanischen Cato Institute. ‚Wenn er Menschen in den Knast steckt, ist das keine Provokation, sondern Mafia-Politik.‘ Die scharfe Reaktion der Finanzmärkte begründen Analysten auch damit, dass die Märkte von der politischen Eskalation überrascht worden seien. Auch zum Euro verlor die Lira deutlich an Wert. Zwischenzeitlich mussten 4,36 Lira pro Euro bezahlt werden, so viel wie noch nie. Allein in diesem Jahr hat die türkische Währung zum Euro um 18 Prozent abgewertet. Der Einbruch der Lira ist nicht nur ein psychologisches Problem für Erdogan. Vielmehr kommt dadurch die gesamte türkische Ökonomie unter Druck. (…) Wegen der von ihm selbst befeuerten politischen Risiken kann Erdogan die Hoffnung erst einmal aufgeben, dass sein Land wieder in den Klub der investierbaren Staaten aufgenommen wird. Nach dem Putsch und den politischen Turbulenzen hatten die Ratingagenturen die Bonität des Landes auf Ramschniveau gestuft.“ (Holger Zschäpitz: „Für diese Provokation bekommt Erdogan sofort die Quittung“)

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