Palästinenser, die niemanden interessieren

„Vergangenen Montag begingen Palästinenser den 69. Jahrestag des Beginns der Flucht Hunderttausender während des israelischen Unabhängigkeitskriegs von 1948. Viele siedelten sich im benachbarten Westjordanland und Gazastreifen, in Jordanien, Syrien und dem Libanon an. Verschiedene UNO-Statuten garantieren ihnen als Flüchtlingen ein Recht auf Arbeit und eine würdige Existenz, bis sie dorthin zurückkehren können, von wo sie oder ihre Verwandten einst flohen, oder eine anderweitige Lösung vereinbart wird. Palästinenser im Libanon erfahren allerdings in fast allen Belangen des täglichen Lebens Diskriminierung. Dies führt zu einer Verzweiflung, die sie zunehmend spaltet. Viele leben in Siedlungen, die offiziell als Flüchtlingslager eingestuft werden, am besten aber als Betonghettos beschrieben werden können, die von Checkpoints und in einigen Fällen von Mauern und Stacheldraht umgeben sind. Innerhalb der Siedlungen betreibt die UNO Schulen und subventioniert das Gesundheitssystem. Im Libanon sind 450.000 Flüchtlinge in zwölf Lagern registriert, die außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der libanesischen Behörden liegen. (…)

Palästinensern ist die Arbeit in den meisten Berufen, von der Medizin bis zum Transportwesen, untersagt. Da ihre Eigentumsrechte eingeschränkt sind, haben sie das wenige Eigentum, das sie besitzen, unter libanesischen Namen erworben und sind dadurch für Unterschlagung und Diebstahl anfällig. Sie zahlen zwar in die libanesische Sozialversicherung ein, erhalten aber keine Sozialleistungen. Die Kosten für medizinische Behandlungen sind unerschwinglich. Auch von den libanesischen Gerichten haben sie wenig zu erwarten. Palästinensischen Ärzten ist das Praktizieren untersagt. Daher können sie nur in den Lagern oder in libanesischen Krankenhäusern schwarzarbeiten und unterschreiben Rezepte im Namen libanesischer Ärzte. Damit sind sie für Ausbeutung durch ihre Arbeitergeber anfällig, was man sonst eher mit geringqualifizierter Beschäftigung assoziiert. (…) Libanesischen Politikern zufolge würde eine Eingliederung der Palästinenser deren Rückkehrrecht untergraben. Palästinenser halten dem entgegen, es gehe ihnen nicht um Eingliederung oder Einbürgerung, sondern lediglich um ihre Grundrechte.“ (Bericht auf ynetnews.com: „Palestinians in Lebanon mark 69 years of discrimination“)

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