Der Faktencheck im Faktencheck

„Nach langem Hin und Her entschloss sich die ARD, die Antisemitismus-Doku ‚Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa‘ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner doch noch zu zeigen – allerdings nur begleitet von ‚kritischen Einordnungen‘ als Einblendungen, einem ‚Faktencheck‘ auf der WDR-Homepage und einer anschließenden Talkrunde bei Maischberger mit drei geladenen „Israelkritikern“.

Auf ganze 29 Anmerkungen verwies die ARD während der gestrigen Ausstrahlung der umstrittenen Antisemitismus-Dokumentation in Laufbändern am unteren Bildrand, mehrfach wurde der laufende Film zudem für die Einblendung kommentierender Texte unterbrochen. Ein einmaliger Vorgang und eine Vorführung der Filmemacher, die anschließend bei der Maischberger-Diskussion nicht mal die Möglichkeit bekamen, sich zu rechtfertigen. Als der WDR kürzlich eine Dokumentation ausstrahlte, die Geert Wilders als Spion Israels darstellte, gab es jedenfalls keine eingeblendeten Anmerkungen des Senders – und auch bei sonst keinem anderen gesendeten Film. Die akribische Kommentierung von einzelnen Sätzen, alle paar Minuten des Films, wirkt nahezu obsessiv. Sehen wir uns einige dieser Kommentare des ‚Faktenchecks‘ einmal genauer an.“ (Frederik Schindler: „Der WDR-Faktencheck zur Antisemitismus-Doku im Faktencheck“)

 

Zunächst einmal zur Doku selbst und dem vom WDR ins Internet gestellten Faktencheck. Wann gab es das schon einmal, dass ein Sender eine Dokumentation mit derartig vielen Warnhinweisen und Richtigstellungen versieht? (…) Stattdessen erweckt der nachträglich zusammengeschusterte Faktencheck nun selbst den Eindruck starker Voreingenommenheit. Er geht über das Korrigieren von Fakten weit hinaus. Das Ziel, den Film komplett zu diskreditieren, wird überdeutlich. (…) Zu Teilen dieser Vorwürfe äußern sich die Autoren des Films in einem ausführlichen Fragebogen, den der WDR ihnen zugeschickt hat und der im Rahmen des Faktenchecks auch veröffentlicht wurde. Der Fragebogen ist deutlich erhellender als der Faktencheck selbst.

Nicht äußern konnten sich die Autoren des Films in der auf die Doku folgenden ‚Maischberger‘-Sendung. Das ist interessant, denn immerhin kündigte die ARD an, dass in der Sendung die angeblichen ‚handwerklichen Fehler‘ des Films thematisiert würden. Wäre es das nicht ratsam, im Sinne des vom WDR so hoch gehaltenen journalistischen Handwerks auch die Gegenseite, also die Autoren zu hören? (…) In der Sendung stellte der Historiker Michael Wolffsohn die Frage, warum niemand der Autoren eingeladen wurde, an WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn. Moderatorin Sandra Maischberger antwortete für ihren Chef sinngemäß, dass die Gästeliste Sache der Redaktion sei und man manchmal besser ohne die direkt Beteiligten redet. Eine, sagen wir mal, ungewöhnliche Herangehensweise in so einem Fall. (…) Als MEEDIA am Vortag eine Anfrage an die Redaktion von ‚Maischberger‘ stellte, warum die Autoren nicht eingeladen wurden, verwies man übrigens auf den WDR. (…) Soviel dazu, dass die Gästeliste dieser Sendung alleinige Sache der Redaktion ‚Maischberger‘ gewesen sei.“ (Stefan Winterbauer: „Die Antisemitismus-Doku bei ‚Maischberger‘ – ein Debakel für den WDR auf allen Ebenen“)

 

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