Wohin verschwanden 100.000 türkische Schusswaffen?

„Aus dem Ende Februar veröffentlichten Jahresbericht des türkischen Innenministeriums für 2017 ergeben sich neue Fragen bezüglich einer seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 andauernden Kontroverse. Dem Bericht zufolge haben im vergangenen Jahr 2.198.774 Menschen ihre Fahrzeug-, Waffen- und Führerscheine bzw. Dienstausweise verloren. Zudem wurden 106.740 Schusswaffen als verloren oder gestohlen gemeldet.

Der Bericht über die riesige Zahl verschwundener Waffen muss im Zusammenhang mit der wachsenden Sorge über die Verbreitung illegaler, unter anderem online erworbener Waffen gesehen werden und hat die Diskussion über die Waffen wieder entzündet, die im Rahmen des Putschversuchs aus Waffenkammern des Militärs und der Polizei verschwunden sind. (…) In der Nacht des Putschversuchs bemächtigten sich Zivilisten, die auf die Straßen strömten, um sich den Putschisten entgegen zu stellen, der Waffen einiger Soldaten, manche Soldaten ergaben sich auch und übergaben ihre Waffen freiwillig. Zudem gibt es Berichte, dass Waffen der Polizei an Zivilisten ausgehändigt worden seien. (…)

Wenige scheinen gewillt zu sein, den in den Berichten des Innenministeriums gebotenen offiziellen Erklärungen zu den verschwundenen Waffen zu trauen, da sie einander widersprechen, daher zu größerer Verwirrung beigetragen und viele Fragen unbeantwortet gelassen haben. Die türkische Gesellschaft ist zutiefst polarisiert und viele gehen davon aus, Anhänger der Regierung würden sich bewaffnen, um künftig gegen politische Gegner vorgehen zu können. Unverhohlene Drohungen islamistischer Kreise haben den Argwohn weiter genährt.

Im Februar erklärte ein Moderator des islamistischen Senders Akit TV im Fernsehen, die Mitarbeiter der regierungskritischen Tageszeitung Cumhuriyet verdienten es, ‚abgeschlachtet’ zu werden. Erzürnt über die Angaben zu zivilen Opfern im Rahmen der türkischen Offensive im Norden Syriens erklärte ein anderer Moderator des gleichen Senders, ‚wenn wir Zivilisten umbringen würden, würden wir in Cihangir, Nisantasi und Etiler beginnen’. Dabei handelt es sich um drei Bezirke in Istanbul, die als Hochburgen des Säkularismus gelten.“ (Zulfikar Dogan: „Mystery lingers over Turkey’s missing weapons“)

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