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Wenn Gedenken an Opfer von Krieg und Terror alle moralischen Unterschiede einebnet

Wegen der Ausgangsbeschränkungen gedachten viele Israelis auf ihren Balkonen derjenigen, die in Kriegen getötet oder dem Terrorismus zum Opfer gefallen sind. Andere nutzten den Yom Hazikaron für eine Übung in moralischer Äquivalenz. (imago images/ZUMA Wire)
Wegen der Ausgangsbeschränkungen gedachten viele Israelis auf ihren Balkonen derjenigen, die in Kriegen getötet oder dem Terrorismus zum Opfer gefallen sind. Andere nutzten den Yom Hazikaron für eine Übung in moralischer Äquivalenz. (imago images/ZUMA Wire)

Die Tatsache, dass beide Seiten im palästinensisch-israelischen Konflikt unschuldige Opfer zu beklagen haben, ist kein Grund für moralische Äquivalenz.

Von Jonathan S. Tobin

Außerhalb Israels war es die alternative Zeremonie, die am meisten Aufmerksamkeit auf sich zog. Das offizielle Gedenken am Yom Hazikaron, dem Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung des jüdischen Staates, begann mit einem einminütigen Sirenenläuten, das im ganzen Land ertönte. Weiter ging es an der Klagemauer, wo Präsident Reuven Rivlin und der Stabschef der israelischen Verteidigungskräfte, Aviv Kochavi, eine kleine Zeremonie anführten, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohne Publikum stattfand.

Die Israelis konnten an diesem Gedenktag nicht die Friedhöfe besuchen, die wegen des Lockdowns geschlossen sind, sondern mussten mit ihren schmerzlichen Erinnerungen alleine zurechtkommen – viele von ihnen haben Familienmitglieder oder Freunde verloren, die während der Kriege des Landes getötet wurden oder dem Terrorismus zum Opfer fielen.

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„Gemeinsames“ Gedenken

Doch außerhalb Israels galt die meiste Aufmerksamkeit weder den offiziellen Bemühungen, der Gefallenen zu gedenken, noch der privaten Trauer der Familien. Stattdessen berichtete ein Großteil der Presse über die Bemühungen von Friedensaktivisten, den Trauertag der Nation zu einem Tag zu machen, der der Förderung der Koexistenz und der gegenseitigen Anerkennung des Leidens von Israelis und Palästinensern gewidmet ist.

Dieser „Gemeinsame Gedenktag“, der 2006 von israelischen Eltern gefallener Soldaten ins Leben gerufen wurde, wird von zwei Gruppen organisiert, denen sowohl israelische als auch palästinensische Mitglieder angehören: den Combatants for Peace und dem Parents Circle Families Forum. Dieses Jahr erhielten sie jedoch auch Unterstützung von amerikanisch-jüdischen Gruppen, darunter der Union of Reform Judaism, J Street, dem New Israel Fund, Peace Now sowie der offen antizionistischen Gruppe IfNotNow und den Churches for Middle East Peace, einer interreligiösen christlichen Gruppe, die dem jüdischen Staat zutiefst feindlich gesinnt ist. (…)

Den Organisatoren zufolge geht es bei der Veranstaltung darum, die Menschen an das Leid heranzuführen, das auf beiden Seiten des Konflikts entsteht. Oberflächlich betrachtet, scheint daran kaum etwas auszusetzen sein – es sollte möglich sein, mit allen mitzufühlen, die Verluste erlitten haben. Eine Demonstration gemeinsamer Menschlichkeit und der Verbundenheit mit dem Leiden sollte nicht beanstandet werden.

Moralische Äquivalenz

Aber selbst anhand einiger der herzzerreißenden Geschichten, die von beiden Seiten erzählt wurden, wurde die Problematik der Veranstaltung erkennbar. Für viele Israelis stellt sie sich als Versuch dar, eine falsche moralische Äquivalenz zwischen denjenigen zu schaffen, die starben, damit Israel leben kann, und denjenigen, die im Zuge des fortdauernden palästinensischen Krieges starben, der auf die Zerstörung des einzigen jüdischen Staates auf dem Planeten abzielt. Mit der Behauptung, dass es keinen Unterschied zwischen den Bemühungen um die Verteidigung Israels einerseits, und um die Auslöschung des jüdischen Staates andererseits gibt, tragen die Organisatoren eher dazu bei, diejenigen zu ermutigen, die den Konflikt fortsetzen wollen, als diejenigen, die ihn beenden wollen.

Der prominenteste palästinensische Redner war Yaquab al-Rabi, dessen Frau Aisha getötet wurde, als sein Auto von einem israelischen Jugendlichen mit Steinen attackiert wurde. Die Familie al-Rabi erlebte eine furchtbare Katastrophe, und der Täter verdiente eine harte Bestrafung. Aber in den meisten Presseberichten über die Veranstaltung ging die bittere Ironie verloren, die darin besteht, ein palästinensisches Opfer von Steinwürfen hervorzuheben. Denn auch wenn jeder einzelne dieser Vorfälle einer zu viel ist, kommen Fälle von Israelis, die Araber auf diese Weise angreifen, nur sehr selten vor. Im Gegensatz dazu stehen arabische Steinwurfattacken auf israelische Autos – mit oft genauso schrecklichen Folgen – auf der Tagesordnung.

Zwar sind auf beiden Seiten des Konflikts Zivilisten ums Leben gekommen, doch die Vorstellung, dass beide Seiten moralisch gleichwertig sind, lässt die Tatsache außer Acht, dass Palästinenser, die Israelis attackieren, absichtlich auf Zivilisten abzielen. Die Israel Defense Forces bemühen sich dagegen, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden, die dadurch hervorgerufen werden, dass Terroristen menschliche Schutzschilde benutzen.

Gesellschaftliche Reaktionen

Das Narrativ „beide Seiten sind schuld“ ignoriert auch die Art und Weise, wie die beiden Gesellschaften diejenigen betrachten, die Terrorakte begehen. Der für den Tod von Aisha al-Rabi verantwortlich gemachte Jugendliche wurde strafrechtlich verfolgt. Dasselbe gilt für die drei Israelis, die lange Gefängnisstrafen dafür verbüßen müssen, dass sie im Juli 2014 einen palästinensischen Jungen ermordet haben, um sich für den grausamen Mord an drei israelischen Teenagern zu rächen, die einige Wochen zuvor auf dem Heimweg von der Schule von Palästinensern entführt worden waren.

Im Gegensatz dazu ehrt die Palästinensische Autonomiebehörde weiterhin Terroristen. Erst in der vergangenen Woche haben ihr Führer Mahmud Abbas und seine Fatah-Bewegung am Jahrestag ihres Todes die Täter des Massakers bei den Olympischen Spielen in München geehrt. Ebenso erhalten die Palästinenser, die bei Terroranschlägen Israelis verstümmeln und töten, als Belohnung für ihre Verbrechen von der PA weiterhin Renten und Gehälter.

Niemand hat das Recht, einer israelischen Familie vorzuschreiben, wie sie ihrer Angehörigen gedenken soll. Wenn einige sich in der Hoffnung, den Frieden zu fördern, an die hinterbliebenen palästinensischen Familien wenden, können wir alle nur hoffen, dass sie Erfolg damit haben.

Der Kontrast könnte größer nicht sein

Aber der Kontrast zwischen der großen israelischen Friedensbewegung und der fast nicht existenten palästinensischen Friedensbewegung ist bezeichnend. Palästinenser betrachten ihre Landsleute, die den Dialog mit Israel unterstützen, als „Verräter“, die an der „Normalisierung“ des jüdischen Staates arbeiten – und Terroristen sind „Märtyrer“, die für die gute Sache sterben. Derjenige Einwohner von Gaza, der Anfang des Monats ein kooperatives Zoom-Treffen zwischen Palästinensern und Israelis organisiert hatte, wurde von der Hamas verhaftet und ward seitdem nicht mehr lebend gesehen. Die Tatsache, dass er von einer palästinensischen Journalistin verraten wurde, der für Amnesty International gearbeitet hat, hebt umso deutlicher hervor, wie völlig unterschiedlich die beiden Gesellschaften über Frieden denken.

Wir sollten um alle Opfer sinnloser Gewalt trauern, seien es Juden, Araber oder andere Menschen. Aber wir sollten uns vor den Bemühungen hüten, eine falsche Analogie zu ziehen zwischen denen, die starben, um jüdische Leben zu retten, und denen, deren Absicht es war, jüdisches Blut zu vergießen.

(Der Artikel ist unter dem Titel „Mourning all victims is right; moral equivalence is not“ zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung für Mena-Watch von Florian Markl.)

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