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Eine neue Fassung der Bibel, in der Israel plötzlich verschwunden ist

Jan Frost machte auf die Streichung Israels in der dänischen Bibelausgabe aufmerksam
Jan Frost machte auf die Streichung Israels in der dänischen Bibelausgabe aufmerksam (Quelle: Facebook Jan Frost)

Zur Ersatztheologie der Dänischen Bibelgesellschaft oder: Warum sie an Israel andere Maßstäbe anlegt als an Ägypten.

Von Elisabeth Lahusen

Stolz verkündete die renommierte Dänische Bibelgesellschaft im März unter dem Titel „Dänemark bekommt eine neue Bibel“: „Festliche Feier im ganzen Land – und mit einem königlichen Besuch in Kopenhagen durch Königin Margrethe, der Schirmherrin der Bibelgesellschaft.“

Hunderte Dänen hatten sich im ganzen Land enthusiastisch und fleißig an dem Projekt „Bibelen 2020“ beteiligt. Handwerker, Lehrer und Schüler, Theologen und Laien prüften den neuen Text auf Verständlichkeit und Texttreue. Es sollte eine Bibel für das Volk werden, so, dass sie für jeden verständlich sei. Dutzende begeisterte Presseartikel begleiteten die Arbeit.

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Doch Mitte April kam die Ernüchterung. Jan Frost, ehemaliger Vorsitzender der israelfreundlichen Organisation „Ordet og Israel“ (Wort und Israel) machte in Sozialen Medien darauf aufmerksam, dass in der neuen Bibelübersetzung das Wort “Israel“ oft ausgetauscht wurde:

„Die Psalmen sind unter Christen der meistgelesene Teil des Alten Testaments. Obwohl es bei vielen Hymnen um die Kinder Israel geht, dachten die Übersetzer der neudänischen Version der ‚Bibel 2020‘, dass sie das missachten könnten. Deshalb haben sie den Text gekonnt angepasst und den Namen Israel entfernt. Theologen nennen das ‚Ersatztheologie‘. Man ersetzt Israel durch die Kirche.“

Ein Stein im Schuh

Damit hat der Gelehrte hervorgehoben, was tausende Leser und Dutzende Zeitungsredaktionen übersehen hatten.

Der Historikerund Journalist Mikael Jalving der Tageszeitung Jyllands Posten bemerkte:

„Alle Verweise auf Israel (mit einer Ausnahme) wurden aus dem Neuen Testament gelöscht. Stattdessen werden jetzt Begriffe wie die Juden oder das jüdische Volk verwendet.“

Es tue ihm leid, die neue Sprachrichtlinie übersehen zu haben, als er die Ausgabe geprüft und gelobt habe.

 „Während Israel von der Karte gelöscht wird, gibt es zahlreiche Verweise auf Ägypten, Jordanien und Libyen in der Bibel, obwohl diese Orte heute auch andere geografische Grenzen haben, als vor 2000 Jahren.“

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Israel sei offensichtlich wie ein Stein in den Schuhen der Bibelgesellschaft, so Jalving.

Warum gilt für Israel, was für Ägypten nicht gilt?

Das von Birgitte Stoklund Larsen geführte Unternehmen verteidigte sich damit, dass die Entfernung Israels im Neuen Testament aus rein kommunikativen Gründen erfolgt sei. Wenn der Name Israel beibehalten würde, könnten Leser das mit dem Staat Israel verwechseln. Aber was ist mit Ägypten? Libyen? Libanon? Syrien? Jordanien? Warum ist Israel anders?

Eine qualifizierte Vermutung könnte sein, dass die Generalsekretärin der Bibelgesellschaft dafür bekannt ist, Sympathien für die „palästinensische Sache“ zu hegen. So hat sie 2016 in einer Chronik in der Jylands Posten – gemeinsam mit der Bischöfin in Haderslev, Marianne Christiansen, und dem ebenso Domprobst in der Kopenhagener Kathedrale, Anders Gadegaard – die Verantwortung für den Israel-Palästina-Konflikt allein den Israelis übertragen und die Palästinenser davon freigesprochen, eine Rolle bei der Eskalation des Konflikts gespielt zu haben.

Jalvings Artikel über die Bibelneuausgabe schließt mit dem bitteren Resümee:

“Man könnte auch sagen, dass die Bible Society es wie Poul Nyrup 1996 gemacht hat: Wenn wir Salman Rushdie nicht erwähnen, dann existiert er nicht. Das gleiche hier: Wenn wir Israel nicht erwähnen, wird es verschwinden.“

Jalving erinnert hier an den in Dänemark unvergessenen Skandal, als im Herbst 1996 der dänische Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen aus „Sicherheitsbedenken“ verhindern wollte, dass Salman Rushdie am 14. November zur Entgegennahme des Aristeion-Literaturpreises der Europäischen Union nach Kopenhagen kommen dürfe.

Die Bibelgesellschaft dementiert jede politische Absicht

Durch Jan Frosts Aufmerksamkeit ist nun die klammheimliche Verleugnung Israels in der Bibelen 2020 öffentlich geworden.

Auf die daran anschließende Frage: „Warum wird „Israel“ im Neuen Testament in der zeitgenössischen dänischen Bibel 2020 nur einmal erwähnt?“ antwortete die Dänische Bibelgesellschaft auf ihrer Homepage:

„Im Neuen Testament wurde ‚Israel‘ als ‚das jüdische Volk‘, ‚die Juden‘ oder ‚das Volk‘ übersetzt, denn wenn der griechische Text das Wort ‚Israel‘ verwendet, bezieht es sich auf ein Volk, mit dem Gott eine besondere Beziehung hat: Jakobs Nachkommen. Für den weltlichen Leser, der die Bibel nicht gut kennt, könnte sich ‚Israel‘ jedoch nur auf ein Land beziehen. Daher wurde das Wort ‚Israel‘ im griechischen Text auf andere Weise übersetzt, so dass der Leser versteht, dass es sich auf das jüdische Volk bezieht.“

Und während man vor einem Monat sogar noch Königin Margrethe vor den Propagandakarren gespannt hat, erklärt man nun kleinlaut:

Die Bibel 2020 soll nicht die autorisierte Fassung von 1992 ersetzen, sondern nur ergänzen.“

Der uralte christliche Hass auf das Volk des Bundes

Mit der Ersatztheologie wurden in Europa über Jahrhunderte Judenverfolgungen gerechtfertigt. Das einst von Gott erwählte Volk Israel sei nicht mehr das Volk seines Bundes, sondern für alle Zeit verworfen und verflucht. Gottes Verheißungen seien auf die Kirche als neues Volk Gottes übergegangen.

Erst nach dem millionenfachen Mord im Holocaust begann ein Umdenken, das sich seit dem Zweiten Vaticanum von 1965 auf katholischer und dem Synodalbeschluss der Rheinischen Landeskirche von 1980 auf evangelischer Seite niedergeschlagen hat.

Martin Buber, der große jüdische Denker und Religionsphilosoph (1878-1965), hat in dem historischen Zwiegespräch mit dem protestantischen Neutestamentler Karl Ludwig Schmidt am 14. Januar 1933 – zwei Wochen vor der „Machtergreifung“ Hitlers – im Jüdischen Lehrhaus in Stuttgart das jüdische Bundesverständnis eindringlich dargestellt:

„Ich lebe nicht fern von der Stadt Worms, an die mich auch eine Tradition meiner Ahnen bindet; und ich fahre von Zeit zu Zeit hinüber. Wenn ich hinüberfahre, gehe ich immer zuerst zum Dom. Das ist eine sichtbar gewordene Harmonie der Glieder, eine Ganzheit, in der kein Teil aus der Vollkommenheit wankt. (…)

Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu einer herrlichen Harmonie empor, und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf. (…) Ich habe da gestanden, war verbunden mit der Asche und quer durch sie mit den Urvätern. Das ist Erinnerung an das Geschehen mit Gott, die allen Juden gegeben ist. Davon kann mich die Vollkommenheit des christlichen Gottesraums nicht abbringen. Nichts kann mich abbringen von der Gotteszeit Israels.

Dann gehe ich zum jüdischen Friedhof hinüber. Der besteht aus schiefen, zerspellten, formlosen, richtungslosen Steinen. All die Asche, all die Zerspelltheit, all der lautlose Jammer ist mein; aber der Bund ist mir nicht aufgekündigt worden. Ich liege am Boden, hingestürzt wie diese Steine. Aber gekündigt ist mir nicht. Der Dom ist, wie er ist. Der Friedhof ist, wie er ist. Aber gekündigt ist uns nicht worden.“

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