Von Juden wird Toleranz besonders gerne eingefordert

„In Deutschland wird der Tag der Toleranz 365-mal im Jahr begangen. Hier ist jede Form von Intoleranz gesellschaftlich verpönt, ausgenommen die Laktoseintoleranz. Auf seine Toleranz ist Deutschland stolz. Es gibt sogar Preise (…) Vor allem im gesellschaftlichen Diskurs ist Toleranz das höchste Gut. Jeder hat nicht nur das Recht, seine Meinung frei zu äußern, sondern mittlerweile auch den Anspruch, damit ernst genommen zu werden, auch wenn es um Chemtrails geht oder um die Weltmacht der Rothschilds. Mehr noch: Man muss als toleranter Mensch solche Meinungen nicht nur mit Respekt anhören; man darf ihnen auch nicht widersprechen, sie gar für unsinnig erklären. Das wäre intolerant. Deshalb gilt Homöopathie als anerkannte Heilmethode und gelten Genderstudien als Wissenschaft.

Von Juden wird Toleranz besonders gerne eingefordert. Schließlich, so die Begründung, hatten gerade sie selbst häufig unter Intoleranz zu leiden. Ganz besonders tolerant sein sollen Juden, wenn es ihnen an den Kragen geht, meinen manche gar. Groß ist das Unverständnis unter toleranten Deutschen deshalb, wenn jüdische Organisationen BDS den öffentlichen Raum nicht ungehindert überlassen, nur weil die Boykottbewegung die Zerstörung Israels zum Ziel hat. Das ist nur schwer zu tolerieren. Intolerant finden viele auch, dass Juden nicht mit Muslimbrüdern in interreligiösen Dialogveranstaltungen plaudern mögen, bloß weil die sie als ‚Söhne von Affen und Schweinen‘ bezeichnen. Und dass die AfD bei Schoa-Gedenkveranstaltungen nicht willkommen ist, zeugt nach Meinung dieser Partei ebenfalls von mangelnder Toleranz. Möglicherweise haben wir tatsächlich ein Toleranzproblem. Man sehe es uns bitte nach. Sprachlich geht das Wort Toleranz auf das lateinische ‚tolerare‘ zurück, übersetzt ‚erdulden‘, ‚ertragen‘. Im Erdulden und Ertragen hat das jüdische Volk sein historisches Soll übererfüllt.“ (Michael Wuliger: „Toleranz ist schön. Dessous sind schöner“)

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