Erpressung: Teenager-Warlord terrorisiert zweitgrößte Stadt des Jemen

Ghazwan al-Mekhlafi (Quelle: Facebook)

„Er ist zwar noch ein Teenager, führt aber hunderte Kämpfe an. Er ist rücksichtlos, kann als Scheich aber auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Erwachsenen schlichten. Er ist arbeitslos, hat aber durch Erpressung ein Vermögen eingenommen. Der noch nicht volljährige Ghazwan al-Mekhlafi ist eine der mächtigsten Personen in Taiz, der zweitgrößten Stadt des Jemen, und hat vergangene Woche erneut unter Beweis gestellt, dass die Polizei sich nicht an ihn heranwagen kann. (…) Mekhlafi ist vielleicht das prominenteste Beispiel für das im Jemenkrieg weit verbreitete Phänomen des Kindersoldaten. (…)

Sowohl die Houthi als auch die regierungstreuen Streitkräfte sind der Rekrutierung von Kindern beschuldigt worden. Im März 2017 schätzte UNICEF, mindestens 1572 Jungen seien eingezogen worden. Zum Teil seien sie erst elf gewesen. Doch im Gegensatz zu Mekhlafi sind nur wenige von ihnen bereits in jungen Jahren militärische Führungspersönlichkeiten geworden. (…) Die Bewohner von Taiz wollen sich nicht zu Mekhlafi äußern, da sie sich vor Repressalien fürchten. Rafat ist einer seiner ehemaligen Nachbarn und kannte ihn bereits vor 2015. Rafat ist nicht sein wirklicher Name, den er aus Furcht um seine Sicherheit nicht angeben mochte. Mekhlafi sei in einer Familie von Militärs aufgewachsen, berichtet er, und habe sich nicht für Bildung oder reguläre Arbeit interessiert. Schon als zehnjähriger habe er mit Waffen gehandelt. (…)

Anfangs habe er die Houthi bekämpft, so eine Quelle. ‚Mekhlafi schloss sich 2015 dem Volksaufstand an. Damals hatte er gerade mit der Sekundarstufe begonnen. Unter der Führung seines Onkels Sadeq Sarhan bekämpfte er die Houthi in Taiz an mehreren Fronten.‘ Sarhan ist ein einflussreicher Militärführer in der Islah-Partei und führt die 22. Panzergrenadierbrigade an. Obwohl sie sich 1990 umbenannte, gilt die Islah-Partei als der jemenitische Ableger der Muslimbruderschaft. (…) Der Makhlef-Clan gehört zu den bekanntesten in Taiz. Auch Scheich Hamoud al-Mekhlafi, der Begründer der Volksfront in der Stadt, gehört der Famlie an. Nach seinem Sieg über die Houthi erhielt Hamoud das Kommando über die Front an der 40 Metre Street. (…) Beobachter meinen, dass Ghazwan al-Mekhlafi sechzehn oder siebzehn sei. Eine Quelle in seinem Büro bestritt, dass er sechzehn sei, räumte allerdings ein, er habe vergangenes Jahr das dritte Jahr der Sekundarstufe abgeschlossen. Zu seinem tatsächlichen Alter mochte die Quelle sich nicht äußern. (…)

Ghazwan al-Mekhlafi (Mitte) im Kreis seiner Kämpfer (Quelle: Facebook)

Neben seiner Rolle als Militärkommandeur fungiert er auch als Scheich mit der Vollmacht, Meinungsverschiedenheiten unter den Bewohnern zu schlichten. ‚Scheich Ghazwan wird von vielen Menschen aufgesucht, die Meinungsverschiedenheiten schlichten wollen‘, so die Quelle in seinem Büro. Doch sind er und seine Kämpfer auf den Marktplätzen in Taiz wegen der Gelder, die sie von den Markthändlern und Ladenbesitzern erpressen, berüchtigt. (…) Ein Markthändler gab an, er und seine Kollegen trauten sich wegen dessen Brutalität und Macht nicht, sich Mekhlafi entgegenzustellen, und die Kommunalbehörden würden sie nicht beschützen. Viele Kritiker Mekhlafis trauen sich nicht, sich öffentlich gegen ihn zu wenden. Regionale und internationale NGOs mochten sich MEE gegenüber nicht zu dessen Aktivitäten äußern. Am ehesten wird er noch von Menschen oder Gruppen kritisiert, die sich nicht in der Region befinden.“ (Bericht auf Middle East Eye: „The teen warlord who runs Yemen’s second city with fear“)

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