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Rezension: Ein Versuch, Kritik des Antisemitismus zu tabuisieren

Mit „Streitfall Antisemitismus“ präsentiert Herausgeber Wolfgang Benz politische Pamphlete unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit. (imago images/Gerhard Leber)
Mit „Streitfall Antisemitismus“ präsentiert Herausgeber Wolfgang Benz politische Pamphlete unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit. (imago images/Gerhard Leber)

Das Buch „Streitfall Antisemitismus“ präsentiert statt wissenschaftlicher Auseinandersetzungen größtenteils politische Pamphlete.

Marc Neugröschel, Israelnetz

„Streitfall Antisemitismus“ heißt ein neuer Sammelband des Historikers Wolfgang Benz. Anders als man denken könnte, geht es in dem Buch hauptsächlich nicht um Judenhass in der Gesellschaft, sondern vielmehr darum, den Gebrauch des Antisemitismusbegriffes zu kritisieren. Benz und die meisten seiner 14 Co-Autoren vertreten die These, dass der Begriff von der israelischen Regierung und anderen Akteuren instrumentalisiert werde, um unliebsame politische Positionen zu disqualifizieren.

Bereits im Vorwort heißt es, dass eine „extensive Auslegung“ des Antisemitismusbegriffes „ein Anliegen des zuständigen israelischen Ministeriums für strategische Angelegenheiten“ sei. Der Politikwissenschaftler Michael Kohlstruck vom Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung meint eine „Einschränkung der freien Rede“ erkennen zu können. Und der Journalist Daniel Bax sieht in Vorgängen um das Jüdische Museum Berlin „den langen Arm“ von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.

Indem das Buch die Idee verbreitet, dass es in Deutschland politisch motivierte und von der israelische Regierung lancierte Sprech- und Denkverbote gäbe, folgt es letztendlich aber selbst einem klassischen verschwörungstheoretischen antisemitischen Denkmuster: Dieses geht davon aus, dass Juden Diskurs, Medien und Meinung in der Gesellschaft fremdbestimmten und kraft dieser Macht politische Positionen tabuisierten. (…)

Obgleich sich das Buch als Sammlung wissenschaftlicher Abhandlungen geriert, handelt es sich bei den meisten Beiträgen um politische Pamphlete, die eine aus ihrer Sicht überzogene Debatte über Antisemitismus kritisieren und sie als Mittel der politischen Manipulation beschreiben. Dabei bedienen sich viele Beiträge selbst einer manipulativen Argumentationsweise. Diese baut darauf auf, Menschen zu verleumden, die auf Antisemitismus in der Gesellschaft hinweisen, anstatt sich inhaltlich mit ihren Argumenten auseinander zu setzen. (…)

Kurz gesagt, all jenen, die Antisemitismus für ein reales und virulentes Phänomen und nicht für einen politischen Kampfbegriff halten, wird einfach die Seriosität abgesprochen. Dies entspricht exakt dem Argumentationsmuster, nach dem Verschwörungstheoretiker ihre Positionen gegen Kritik abschirmen. (…)

Von (…) drei Beiträgen abgesehen, ist das Buch vom ideologischen Eifer gezeichnet, Antisemitismuskritik zum Mittel der Zensur zu verklären. Die Autoren beklagen eine Tabuisierung durch Antisemitismuskritik, wollen letztendlich aber selber die Antisemitismuskritik tabuisieren.

(Aus der Buchrezension „‚Streitfall Antisemitismus‘ verfehlt das Thema“ von Marc Neugröschel, die von Israelnetz veröffentlicht wurde.

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