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Iranische Presseschau: Alle vier Tage ein Ehrenmord

Der UN-Koordinator für den Iran, der Österreicher Stefan Priesner, lobt Teheran für Fortschritte bei der Lage der Frauen
Der UN-Koordinator für den Iran, der Österreicher Stefan Priesner, lobt Teheran für Fortschritte bei der Lage der Frauen (Quelle: Tehran Times)

Währenddessen lobt der österreichische UN-Koordinator im Iran die Islamische Republik für Fortschritte auf dem Gebiet der Situation und der Rechte von Frauen.

Seit Juli 2021 wurden im Iran mindestens 165 Frauen von ihren männlichen Familienmitgliedern getötet. Damit liegt die durchschnittliche Zahl der sogenannten Ehrenmorde in diesem Zeitraum bei einem Mord alle vier Tage, was alarmierend ist. Die Tageszeitung Shargh untersuchte die Fälle in einem investigativen Bericht und kam zu dem Schluss, dass die meisten Morde in der Provinz Teheran begangen wurden, entgegen der landläufigen Meinung, dass Frauenmorde eher in ländlichen Gebieten und kleinen Städten vorkommen. So wurden in den letzten zwei Jahren 41 Morde in der Provinz Teheran verübt.

Der Bericht fügte hinzu, diese Zahlen gäben nur die offiziellen Falldaten wieder, während Experten von wesentlich mehr ausgehen. »In unseren Zahlen sind die zahlreichen Fälle nicht enthalten, in denen Frauen von ihren Familienmitgliedern zum Selbstmord gezwungen wurden, oder jene, in denen Frauen beschlossen, ihr Leben zu beenden, um häuslicher Gewalt oder Kinderehen ein Ende zu setzen«, schrieb die Tageszeitung.

Insgesamt seien 108 der Frauen von ihren Ehemännern, 17 von ihren Brüdern, 13 von ihren Vätern, neun von ihren Söhnen und 18 von anderen Familienmitgliedern wie ihren Schwiegereltern oder Cousins getötet worden. Sharghlistete auch auf, auf welch grauenvolle Art diese Verbrechen geschahen: 43 Frauen seien durch Schusswaffen wie Jagdgewehre, Pistolen und Kalaschnikows getötet worden, 40 erstochen, sechs verbrannt und vier mit einem Hammer erschlagen. Darüber hinaus waren verursachte Stürze aus dem Fenster, Verstümmelungen und sogar Steinigungen weitere Tötungsarten im Rahmen sogenannter Ehrenmorde.

UN-Vertreter lobt Unterstützung für Frauen

Währenddessen habe ein Vertreter der Vereinten Nationen die Bemühungen des Irans um eine bessere Entwicklung der Situation und Rechte der Frauen gelobt, berichtete die offizielle iranische Nachrichtenagentur Mizan. In einem Exklusivinterview sprach der UN Resident Coordinator for the Islamic Republic of Iran, Stefan Priesner, über die Unterstützung der iranischen Behörden für afghanische Flüchtlinge, die negativen Auswirkungen der Sanktionen auf die iranischen Bürger, die Fortschritte der Frauen im Iran und das landesweite Impfprogramm zur Eindämmung der Corona-Pandemie. »Aus Sicht der Vereinten Nationen hat der Iran herausragende Erfolge bei der Förderung der Frauen erzielt, insbesondere im Bereich der Bildung«, zitierte ihn Mizan.

Die Äußerungen des obersten UN-Beamten im Iran erfolgten sechs Monate nach dem Beschluss der Mitgliedstaaten der UN-Frauenrechtskommission, Teheran wegen der Repressionen gegen Demonstrantinnen aus dem UN-Gremium auszuschließen. Die Proteste gegen das Regime hatten begonnen, nachdem die 22-jährige Kurdin Jina Mahsa Amini im Gewahrsam der iranischen Sittenpolizei gestorben war, wo sie sich befand, weil sie eines »unangemessen sitzenden Hidschabs« festgenommen worden war.

Laut Mizan erklärte der als Koordinator im Iran tätige Österreicher Prieser weiter, die Vereinten Nationen »verstehen die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Mitgliedschaft des Irans in der Kommission für den Status der Frauen. Die Mitgliedstaaten [der Kommission] haben diese Entscheidung getroffen, das UN-Sekretariat hatte damit nichts zu tun.«

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