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In Libyen droht ein Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Türkei

Milizen der GNA-Regierung von Fayez al-Sarraj
Milizen der GNA-Regierung von Fayez al-Sarraj (© Imago Images / Xinhua)

Seit dem Rückzug der NATO aus Libyen nach der Intervention von 2011 haben zahlreiche regionale Akteure versucht, das Vakuum zu füllen und ihre lokalen Stellvertreter militärisch zu unterstützen.

Frud Bezhan, Radio Free Europe Radio Liberty

Moskau und Ankara sind zu den beiden aktivsten Parteien in Libyen geworden. Während Russland die Entscheidung der Türkei verurteilte, die Militärhilfe für die GNA-Regierung (Government of National Accord, Regierung der Nationalen Einheit) in Tripolis zu erhöhen, kritisierte Ankara in der Zwischenzeit die Präsenz russischer Söldner in Libyen auf Seiten ihres Widersachers, der LNA (Libyan Armed Forces) Khalifa Haftars. Gareth Jenkins, ein in Istanbul ansässiger politischer Analyst, sagte, das Ergebnis der Entwiklungen sei ein „zunehmend offener Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Türkei“ in Libyen. „Es besteht die Gefahr, dass türkisches Militärpersonal, das in GNA-Einheiten eingebettet ist, verletzt, getötet oder bei Zusammenstößen mit russisch unterstützten LNA-Einheiten und der wachsenden Anzahl von russischen Söldnern in Libyen gefangengenommen wird“, sagte Jenkins. (…)

Deutschland hat am 19. Januar die Staats- und Regierungschefs von 11 Ländern zu Gesprächen zusammengebracht, die mit der Zusage von Seiten externer Mächte endeten, den Krieg in Libyen nicht mehr mit Truppen, Waffen oder finanzieller Unterstützung voranzutreiben. Das Ziel des Berliner Gipfels war es, einen politischen Prozess wieder in Gang zu bringen und eine weitere syrische Flüchtlingsflut aus Libyen zu verhindern.

Seit 2011 mangelt es den Vereinigten Staaten und Europa an Engagement in Libyen. „Infolgedessen hat der Krieg weiter gewütet und er wurde schrittweise von der Türkei und von Russland bestimmt“, sagte [Wolfram Lacher, ein Libyenexperte der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik]. „Die Europäer haben nun keinen Einfluss auf einen Konflikt vor ihrer Haustür, der von weit entfernten Mächten wie Russland vorangetrieben wird.“

Moskau und Ankara versuchen zusammenzuarbeiten, um den Konflikt zu lösen und einen fragilen Waffenstillstand zwischen Haftar und Sarraj zu erreichen, der am 12. Januar schlussendlich erfolgte. Am darauffolgenden Tag trafen sich die beiden Männer in Moskau, um einen Waffenstillstandsvertrag zu unterzeichnen, aber Haftar zog sich aus den Gesprächen zurück.

Die Erwartungen bezüglich eines dauerhaften Friedens bleiben auch in naher Zukunft gering. Laut Lacher wird eine Verhandlungslösung schwierig sein, da Haftar eine autoritäre Herrschaft anstrebt, und sein Misstrauen gegenüber seinen Gegnern groß ist. „Sowohl die Türkei als auch Russland müssten daher eigentlich gestaltend in die militärischen Auseinandersetzungen eingreifen, was allerdings Monate weiterer gewaltsamer Konflikte erfordern würde“, sagte er.

U.S. Vacuum: How Libya Is Descending Into A Russia-Turkey Proxy War

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