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Die Sympathie eines „Haaretz“-Redakteurs für Judenmörder

5 der 6 entflohenen Terroristen sind Mitglieder des Palästinensischen Islamischen Jihad
5 der 6 entflohenen Terroristen sind Mitglieder des Palästinensischen Islamischen Jihad (© Imago Images / ZUMA Wire)

Die aus einem israelischen Gefängnis entflohenen Terroristen sind ebenso sehr Freiheitskämpfer, wie der Haaretz-Redakteur Gideon Levy ein kritischer Journalist ist.

Der israelischen Tagszeitung Haaretz gehe es vor allem darum, „die Mehrheit der Israelis wütend zu machen, indem sie im Ausland absurde Thesen über ihr Land verbreitet“. Das schrieb Shmuel Rosner vor einigen Jahren in einem Gastbeitrag für die New York Times. Rosner hatte mehr als ein Jahrzehnt für Haaretz gearbeitet: als Feuilletonredakteur, Chef der Nachrichtenabteilung und drei Jahre lang als Amerikakorrespondent.

Tatsächlich richtet sich Haaretz fast ausschließlich an ein ausländisches Publikum. Während die hebräische Papierausgabe nur von wenigen gelesen wird, hat die englischsprachige Internetseite eine große Fangemeinde, vor allem in Westeuropa.

Als ein Beispiel für die absurden Thesen, die Haaretz verbreitet, nannte Rosner einen Artikel, in dem es hieß, religiös-zionistische Israelis seien „gefährlicher als die Hisbollah“. Haaretz sei eine „Stimme für absurde Beschreibungen dessen ist, was Israel ist oder tut (‚Faschismus’, ‚Apartheid’)“, so Rosner, der gleichzeitig kritisierte, dass die Israelis diesen „Köder“ immer schluckten und sich aufregten, wie von Haaretz beabsichtigt.

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Auftritt Gideon Levy

Schon seit Jahren ist das, wozu Haaretz-Redakteure – allen voran Gideon Levy – sich öffentlich bekennen, so absurd, dass es nicht möglich wäre, sich polemisch über sie zu äußern: Alles, was man über sie sagen könnte, sagen sie selbst über sich.

Dass sie Sympathien für jene Terroristen haben, die sie und alle anderen Juden ermorden wollen? – Sie sagen es selbst. Gideon Levy hat gerade öffentlich seine Liebe zu verurteilten Mördern erklärt, genauer gesagt: zu sechsen von ihnen, denen vor einigen Tagen die Flucht aus dem Gefängnis gelungen ist, wobei vier von ihnen mittlerweile wieder gefasst sind. Hören wir, was Levy zu sagen hat:

„Die sechs geflohenen palästinensischen Gefangenen sind die kühnsten Freiheitskämpfer, die man sich vorstellen kann. Die Israelis, denen es schwerfällt, dies zuzugeben, tun gut daran, sich an viele der Filme und Fernsehserien zu erinnern, die sie gesehen haben: Die Flucht aus dem Gefängnis ist das perfekte ‚Happy End’.

Die sechs Trotzigen wählten den Weg des grausamen und gewaltsamen Widerstands gegen die Besatzung. Über seine Wirksamkeit gegen den starken und gut bewaffneten israelischen Staat kann man streiten, aber seine Gerechtigkeit kann nicht in Frage gestellt werden. Sie haben das Recht, Gewalt anzuwenden, um einer Besatzung zu widerstehen, die grausamer und gewalttätiger ist als jeder palästinensische Terror.“

Die Argumente, die Levy anführt, sind, wie bei ihm üblich, wirr und paradox. Halten wir erst einmal fest, was er nicht sagt. Levy behauptet nicht, dass die Gefangenen unschuldig im Gefängnis gesessen hätten, also die Taten, derentwegen sie zu Haftstrafen verurteilt wurden, gar nicht begangen hätten. Das wäre zu einfach; wer wäre nicht dafür, dass Unschuldige ihre Freiheit bekommen? Nein, Levy erwähnt ausdrücklich, dass sie „gewaltsamen Widerstand“ ausgeübt hätten.

Über einen von ihnen, Zakaria Zubeidi, den Levy seinen „Freund“ nennt, sagt er: „Ich habe ihn nie ohne Gewehr gesehen.“ Irgendwo in Levys Text steht sogar der Halbsatz: „Diese Leute verdienen, für ihre Taten bestraft zu werden …“ Die Aussage wird aber sogleich in ihr Gegenteil verkehrt, der Satz geht nämlich so weiter:

„… sie verdienen aber auch Verständnis und Anerkennung für ihre Tapferkeit und vor allem für ihre Rechtschaffenheit.“

Verdienen sie also eigentlich keine Strafe, sondern einen Orden?

Geflüchtete Terroristen

Der erwähnte Zakaria Zubeidi war laut einem Artikel der Nachrichtenwebsite Times of Israel „verantwortlich für zahlreiche Akte des Terrorismus, darunter ein Selbstmordanschlag im Zentrum von Tel Aviv, bei dem eine israelische Frau getötet wurde“. 2007 wurde er im Zuge einer Massenamnestie für palästinensische Häftlinge, die während der „Intifada“ Gewalttaten verübt hatten, auf freien Fuß gesetzt. 2019 sei er erneut verhaftet worden, so Times of Israel, weil der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet sei überzeugt gewesen sei, dass Zubeidi seine Terroraktivitäten wiederaufgenommen habe.

Zubeidi habe zwei Schusswaffenangriffe auf Busse gestanden, bei denen drei Menschen verletzt wurden. Weil er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen habe, sollte er auch für die Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden, die er vor seiner ersten Festnahme verübt haben soll: zwei Morde, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Waffenverkauf, Schüsse auf Menschen und Vorbereitung von Sprengsätzen. Der Prozess hat noch nicht stattgefunden.

Die anderen Flüchtigen sollen Mitglieder der Terrorgruppe Islamischer Dschihad ein, alle – wie Zubeidi – aus der Gegend von Dschenin. Times of Israel schreibt:

„Der 35-jährige Eham Kamamji aus Kufr Dan griff 2006 den 18-jährigen Israeli Eliyahu Asheri aus der Siedlung Itamar im Westjordanland an und ermordete ihn. Kamamji entführte und schoss Asheri aus nächster Nähe zusammen mit zwei Komplizen in den Kopf.“

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Kamamji soll die Verbrechen vor Gericht gestanden und seinen Stolz auf den Mord zum Ausdruck gebracht haben, mit den Worten:

„Der Teenager, den ich ermordet habe, war kein Junge. Er studierte an einer Militärhochschule der israelischen Luftwaffe. Ich werde weder der Erste noch der Letzte sein, solange die Besetzung andauert.“

„Die Flucht aus dem Gefängnis ist das perfekte ‚Happy End’“, meint also Levy. In John Sturges’ Film „Gesprengte Ketten“ (1963) mit Charles Bronson und Steve McQueen, dem wohl berühmtesten Spielfilm über eine Gefangenenflucht, sind es alliierte Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs aus einem Kriegsgefangenenlager der Nazis fliehen. Ob Gideon Levy verstehen würde, dass ein Film über die gelungene Flucht des NS-Kriegsverbrechers Walther Rauff aus alliierter Kriegsgefangenschaft ein ganz anderer Film wäre und Rauff vielleicht doch nicht zum Sympathieträger taugt?

Levy wünscht sich, dass die geflohenen Terroristen „verschwinden und ein neues Leben anfangen, wie in den Filmen“. Auch Walther Rauff fing nach seiner Flucht nach Südamerika in Chile ein neues Leben an, er gründete eine Fischfabrik. Ein Happy End also?

Und was eigentlich, wenn die aus dem israelischen Gefängnis geflohenen Terroristen kein neues Leben anfangen, sondern einfach weitermorden, wie Kamamji, siehe oben, das ja angedeutet hat? Warum sie überhaupt ihr Mordhandwerk, einstellen sollten, dafür liefert Levy keinen Grund. Er preist sie als „mutig“ und „rechtschaffen“. Wenn ihr altes Leben als Mörder so gut war, warum dann ein neues anfangen?

Ein Judenmörder als Held

Levy preist in seinem Beitrag auch den Mörder Marwan Barghouti – den Führer von Jassir Arafats Eliteterrorgruppe Tanzim während der „zweiten Intifada“ –, nennt ihn einen „palästinensischen Helden“, dem er ebenfalls die Freiheit wünsche.

Schauen wir uns auch hier wieder an, wegen welcher Taten dieser Held im Gefängnis sitzt. Zum einen trägt er als Führer der Tanzim die Verantwortung für die Morde dieser Gruppe. Darunter war der gezielte Mord an dem zehn Monate alten Säugling Shalhevet Tehiya Pass durch einen Scharfschützen.

Auf die Ermordung des 16-Jährigen Ophir Rahum investierte die Barghoutis Terrorgruppe viel Zeit und Energie; Amna Mouna, eine Araberin, die sich als Amerikanerin ausgab, knüpfte über das Internet Kontakt mit dem jüdischen Jungen aus Ashkelon.

Sie flirtete mit ihm und holte ihn eines Tages in Ashkelon mit dem Auto ab; gemeinsam fuhren sie nach Jerusalem. Am zentralen Busbahnhof stiegen sie in ein Taxi und fuhren zu einem Checkpoint zwischen Jerusalem und Ramallah. Ophir war überrascht von den Soldaten, die er dort sah, doch Amna Mouna versicherte ihm, dies sei für Jerusalem normal. Sie stiegen in ein privates Auto und fuhren nach Ramallah. Dort zerrten drei Männer der Tanzim Ophir aus dem Auto, erschossen ihn mit ihren Kalaschnikows und verscharrten seine Leiche.

Jeden Mord hat Marwan Barghouti vorab genehmigt. Das sagt niemand Geringerer als Ahmed Barghouti, sein Neffe und wichtigster Assistent. Nachlesen kann Gideon Levy das in der Haaretz vom 26. April 2002.

Ahmed war ein hochrangiger Tanzim-Kommandant, der im Frühjahr 2002 verhaftet und wegen der von ihm gestandenen Terroranschlägen zu 13-mal lebenslänglich verurteilt wurde. Seine Aussage wurde von verhafteten Mitgliedern einer anderen Terrorzelle bestätigt. Nach allen Anschlägen habe Ahmed Barghouti seinem Onkel Marwan Bericht erstattet.

Bilal Barghouti, ein Hamas-Kommandant, der das Massaker in der Jerusalemer Pizzeria Sbarro, einen der berüchtigtsten Anschläge der „zweiten Intifada“ geplant hat (15 getötete Zivilisten, darunter sieben Kinder und eine schwangere Frau, 130 Verletzte), sagte israelischen Ermittlern, Marwan Barghouti habe ihm nach dem Anschlag Unterschlupf gewährt und ihm beim Abschied eine Waffe gegeben. Weitere Morde, für die Gideon Levys „Held“ die Verantwortung trägt:

Mord an Pater Germanos

Pater Germanos Tsibuktsakis, ein 35 Jahre alter griechisch-orthodoxer Mönch des berühmten Wüstenklosters St.Georg (Wadi Qelt), wurde am 12. Juni 2001 ermordet, als er mit dem Auto von Jerusalem, wo er Einkäufe gemacht hatte, zurück zum Kloster fuhr. Ismail Radaira, der Mörder von Pater Germanos, lauerte in einem Hinterhalt.

Wie die Anklageschrift ausführt, hatte er sich direkt an Marwan Barghouti gewandt und ihm gesagt, dass er einen Selbstmordanschlag verüben wolle. Barghouti stimmte zu und brachte ihn zu einem Kommandanten namens Abu Halawe, der für Bewaffnung zuständig war. Abu Halawe überreichte Radaira zwei geladene Kalaschnikows; mit einer davon tötete Radaira Pater Germanos, indem er 13 Kugeln auf sein Auto abfeuerte.

Der Mönch musste sterben, weil der Mörder ihn aufgrund seiner dunklen Kleidung und seines Bartes für einen Juden gehalten hatte.

Mord an Yoela Chen

Die 45 Jahre alte Yoela Chen, die als Sekretärin im Wolfson-Krankenhaus in Holon arbeitete, wurde am 15. Januar 2002 zusammen mit ihrer 70-jährigen Tante Rachel Heini auf dem Weg zu einer Hochzeitsfeier in Jerusalem Opfer Barghoutis. Sie hatte in Giv’at Ze’ev, nördlich von Jerusalem, an einer Tankstelle angehalten. Zwei Terroristen näherten sich dem Auto, überzeugten sich davon, dass die beiden Frauen jüdisch waren und feuerten dann mit ihren Maschinenpistolen.

Yoela starb durch Kopfschüsse, ihre Tante überlebte mit Schusswunden an der Brust und der Hand. Der Mord an Yoela Chen wurde von Marwan Barghouti befohlen, bezahlt und geplant. Das hat er selbst zugegeben, wie man in der Haaretz-Ausgabe vom 19. April 2012 nachlesen kann.

Mord an Yosef Habi, Eli Dahan und Salim Barakat

Am 5. März 2002 autorisierte Marwan Barghouti im Telefongespräch mit seinem Neffen Ahmed einen großen Anschlag. Ahmed und einige Komplizen waren auf dem Weg nach Tel Aviv, wo sie einen Mann namens Ibrahim Hassouna vor einem vollbesetzten Restaurant absetzten, in das er Handgranaten warf. Als diese nicht zündeten, eröffnete Hassouna mit seiner Maschinenpistole das Feuer auf die Gäste.

Er tötete Yosef Habi, 52, aus Herzliya und Eli Dahan, 53, aus Lod. Als der 33-jährige drusische Polizist Salim Barakat am Tatort eintraf und Hassouna stoppen wollte, erstach dieser ihn mit einem Messer.

Gideon Levys Zeitung Haaretz kam in einem Beitrag von 2012 zu dem Schluss: „Es steht außer Frage, dass er [Barghouti] Gewalt unterstützt und dazu ermuntert hat.“ In einem anderen Haaretz-Artikel heißt es, Barghouti habe „in den ersten Tagen der zweiten Intifada“ – also kurz nachdem Arafat das großzügige Friedensangebot des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak abgelehnt hatte – eine Rede gehalten mit den Worten:

„Die Zeit, als nur wir Opfer zu beklagen hatten, ist vorbei. Wir müssen Rache nehmen. Wir müssen Israelis töten. Ja. Wir haben Kugeln. Wir haben Gewehre und sie werden auf die Besatzung gerichtet werden.“

Barghouti ist ein kaltblütiger Killer, und Gideon Levy weiß das. Er liebt ihn eben deshalb. So, wie auch Uri Avnery diesen Killer bewunderte. „Ich muss ein Geständnis ablegen: Ich mag Marwan Barghuti“, schrieb Avnery 2017. Barghouti sei „der geborene Führer“.

Vom Kreisky-Forum ausgezeichnet

Vor einigen Monaten verlieh das Wiener Kreisky-Forum Gideon Levy den „Ari-Rath-Preis für kritischen Journalismus“. Damit sollen Journalisten ausgezeichnet werden, „die sich in ihrer Arbeit um eine kritische und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete Berichterstattung über Flucht, Vertreibung und Asyl in hervorragender Weise verdient gemacht haben“.

Flucht – das war wohl das Stichwort. Die entflohenen Mörder, so Levy, sind „genau das, was ich Freiheitskämpfer nenne“; „Kämpfer für die Freiheit von Palästina. Wie kann man sie als irgendetwas anderes bezeichnen?“ Eine diplomatische Antwort könnte so lauten: Die entflohenen Mörder sind ebenso sehr Freiheitskämpfer, wie Gideon Levy ein kritischer Journalist ist.

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