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Ein Feigenblatt für das misogyne Mullah-Regime

Die Leiterin des »Kongresses der einflussreichen Frauen«, Jamile Alamolhoda
Die Leiterin des »Kongresses der einflussreichen Frauen«, Jamile Alamolhoda (Quelle: IranSource)

Im Iran findet der erste internationale »Kongress der einflussreichen Frauen« statt, der einer Verhöhnung aller Frauen gleicht.

Initiative »Free Iran Now« Kassel

Am 19. Januar begann der erste internationale »Kongress der einflussreichen Frauen« in Teheran unter Beteiligung von Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und Nationen. Der offizielle Zweck des Treffens ist die Anerkennung weiblichen Engagements für die Gesellschaft und die Förderung von Frauen. 

Laut Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur der Islamischen Republik (IRNA) kamen 300 weibliche Gäste »aus verschiedenen Sektoren, darunter Wissenschaft, Forschung, Innovation, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Kunst, Schauspiel, Fotografie, Malerei, sozialer und wirtschaftlicher Aktivismus, Bürgerrechtlerinnen, Umweltaktivistinnen, Rechtsanwältinnen, Medienaktivistinnen usw.« zusammen, um dem Kongress beizuwohnen. Die Beschreibung als solche liest sich wie reine Propaganda, war es doch das klerikal-faschistische Regime in Teheran, das den Iran in die ökologische Katastrophe getrieben hat und Aktivisten für Umwelt- und Menschenrechte sowie deren Anwälte massenhaft in ihre Kerker inhaftiert.

Unter den Gästen des Kongresses befanden sich die Ehefrauen und Angehörige hochrangiger Beamter oder Staatsoberhäupter aus Afrika, Europa und Asien, wie etwa die Tochter des libanesischen Hisbollah-Chefs Zainab Nasrallah. Auch aus China und Russland, zu denen die Mullahs jüngst stärkere wirtschaftliche und militärische Verbindungen aufbauten, waren Vertreterinnen anwesend. 

Eröffnet und geleitet wurde der erste »Kongress der einflussreichen Frauen« von Jamile Alamolhoda, der Ehefrau von Präsident Ebrahim Raisi. Sie ist zugleich die Tochter des obersten Predigers von Mashad, Ahmad Alamolhoda, der die Stadt im iranischen Expertenrat vertritt, zum Flügel der sogenannten Hardliner gehört und einen wichtigen Baustein im Fundament von Ebrahim Raisis Machtposition darstellt. 

Nach dem Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs PS752 Im Januar 2020 brachen im Land Proteste aus, an denen auch der damalige britische Botschafter im Iran teilnahm. Ahmad Alamolhoda befand die Ausweisung des Briten als zu sanft und forderte, ihn in Stücke hacken zu lassen. Im selben Jahr verlangte er die Einrichtung eigener Parks für Frauen, damit diese den Blicken der Männer entzogen seien, weil etwa Frauen, die Fahrrad fahren, »die sexuellen Begierden junger Männer entzünden« und die Straßen damit in ein »Zentrum der Korruption« verwandeln, was bekämpft werden müsse.

Propaganda für das Regime

Während sich die jetzigen Proteste gegen das Regime maßgeblich an der Schleierfrage entzündet haben, Frauen ohne Hijab durch iranische Milizen gedemütigt, geschlagen und verschleppt, Frauenrechtsaktivistinnen und ihre Anwälte inhaftiert werden und man gleichzeitig um die Personen im iranischen Machtgefüge weiß, ist klar, dass der erste »Kongress der einflussreichen Frauen« in Teheran nichts als Propaganda des Regimes für ausländische Beobachter und eventuelle Verbündete ist, die die massenhafte Unterdrückung von Frauen nicht gut heißen.

So sieht man Bilder und Kurzvideos von Influencerinnen, die am Kongress teilgenommen haben, in den sozialen Netzwerken, wie sie unverschleiert in iranischen Cafés sitzen und ihre Beiträge mit der Feststellung untertiteln, man sähe im Iran keine Gewalt gegen Frauen oder Menschenrechtsverbrechen. Dieser Propagandakniff erinnert an bereits im vergangenen Winter vom Regime initiierte Falschmeldungen, wie etwa der vermeintlichen Auflösung der Sittenpolizei oder das Aufhängen von Bannern in den Hauptstraßen mehrerer Großstädte, auf denen die Wahlfreiheit für das Tragen des Schleiers beteuert wird.

Die brutale Realität für Frauen im Iran sieht anders aus. Erst im Januar wurden die Gesetze für die Nichtbeachtung der Schleierpflicht verschärft. Die Strafen für »moralische Verderbtheit«, wie das Zeigen weiblichen Haares genannt wird, können nun bis zu zehn Jahre Gefängnis bedeuten, auch für jene, die dazu »ermutigen«. Diese Erweiterung des Strafrechts muss als Reaktion auf die Frau-Leben-Freiheit-Bewegung verstanden werden und ist ein weiteres Werkzeug im Repressionsapparat der Mullahs, die damit nun nicht mehr nur unverschleierte Frauen belangen können.

Der Verweis Jamile Alamolhodas auf Ruholla Chomeinis Wunsch nach »Gerechtigkeit durch Freundlichkeit, Frieden und Freundschaft« in der Abschlussrede des Kongresses zeigt die Doppelzüngigkeit des Regimes und macht klar, dass jeder Gast auf dem Bankett der Mullahs ein politischer Repräsentant der Islamischen Republik ist und damit auf der falschen Seite der Geschichte steht.

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