Ein palästinensischer Pionier und Anhänger der Nazis

Husseini beim freundlichen Händedruck mit Heinrich Himmler. (Bundesarchiv, Bild 101III-Alber-164-18A / Alber, Kurt / CC-BY-SA 3.0)

„Im vergangenen Monat jährte sich zum 45. Mal der Todestag von Amin el-Husseini, dem ehemaligen Großmufti von Jerusalem und Nazi-Kollaborateur. Er, der vom derzeitigen Führer der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, als ‚Pionier‘ gefeiert wird, stellte während des Zweiten Weltkriegs SS-Regimente auf dem Balkan auf, förderte die Reichspropaganda in der arabischen Welt, besuchte Todeslager und plante den Genozid an den Juden im Nahen Osten. Nachdem er der Justiz entkommen war, sei der Mufti in den Nachkriegsjahren keine politische Kraft mehr gewesen, so die weit verbreitete Sichtweise. Diese Sicht der Dinge stimmt allerdings nicht.

Kürzlich freigegebene CIA-Dokumente (…) sowie ein kürzlich erschienenes Buch erzählen eine andere Geschichte, in der al-Husseini auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende einflussreich blieb. Obwohl er niemals wieder über so viel Macht verfügte wie einst, blieb der Mufti ein Akteur, den man beachten musste. Geheimdienste überwachten ihn genau und arabische Regime versuchten entweder, seine Unterstützung zu gewinnen – oder ihn zu ermorden. Dabei blieb er nicht nur ein notirischer Antisemit, sondern auch ein eingefleischter Intrigant. (…)

Zu Kriegsende wurde al-Husseini von Jugoslawien als Kriegsverbrecher eingestuft und für seinen Beitrag zur Begehung von Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht. Die französische Regierung, die ihn kurzzeitig gefangen nahm, erlaubte ihm jedoch, alte Netzwerke wiederzubeleben bzw. neu zu organisieren und beabsichtigte offenbar, ihn für ihre eigenen Nachkriegsambitionen in der Region zu benutzen. Als er nach Ägypten floh, wurde wenig unternommen, um ihn vor Gericht zu stellen. Der Mufti, der vom ägyptischen König Farouk geschützt und unterstützt wurde, half dabei, Streitkräfte aufzubauen, um den jungen jüdischen Staat während seines Unabhängigkeitskrieges anzugreifen und konspirierte gegen den jordanischen König Abdullah, den er als zu pro-britisch und zu kompromissbereit gegenüber der israelischen Regierung ansah.

Im Jahr 1949 wurde dem US-Geheimdienst mitgeteilt, dass Berater Abdullahs einen Attentäter auf al-Husseini angesetzt hätte. Aber der Mufti, der jahrelang an Plänen zur Ermordung Abdullahs gearbeitet hatte, schlug zuerst zu: 1951 ermordeten seine Schergen den haschemitischen König vor den Augen seines Enkels Hussein. Andere arabische Politiker, die über ein Abkommen mit Israel nachdachten, gerieten ebenfalls ins Fadenkreuz, darunter der frühere libanesische Premierminister Riad al-Sulh. (…)

Im Oktober 1951 warnte der US-Geheimdienst vor einer ‚möglichen terroristischen Kampagne‘ von al-Husseini, ‚der über die vereinten Kräfte der [Moslem-] Bruderschaft und seiner eigenen terroristischen Organisation verfügt‘ und plane, sowohl gegen britische Staatsangehörige in vier arabischen Ländern vorzugehen, als auch gegen ‚Eigentum und Personal der transarabischen Pipeline.‘ Der Mufti unterhielt enge Beziehungen zur Bruderschaft, die sein ‚geräumiges Zuhause in Jerusalem’ als ihr ‚Hauptquartier in Palästina’ nutzte. (…) Dem US-Geheimdienst gelang es, in den Besitz einer Korrespondenz zu kommen, aus der hervorging, dass der Mufti regelmäßig über terroristische Aktivitäten unterrichtet wurde und seine Agenten im gesamten Nahen Osten unterwegs waren. Noch 1962 plante er die Ermordung von Gegnern. Und 1965 warnte die CIA davor, dass Husseini in Jordanien ‚verlässliche Anhänger angewiesen habe‘, alte Einheiten für Angriffe auf Israel ‚wieder zu reaktivieren‘.“ (Sean Durns: „The mufti’s war against the Jews“)


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