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Abkommen über Seegrenze zwischen Libanon und Israel

Der libanesische Präsident Michel Aoun trifft sich mit Parlamentariern, nachdem er die Einigung mit Israel über ein Seegrenzenabkommen verkündet hat
Libanons Präsident Aoun erläutert Parlamentariern, die Einigung mit Israel über ein Seegrenzenabkommen (© Imago Images / APAimages)

Nach langwierigen Verhandlungen schließen heute Israel und der Libanon ein Abkommen zur Festlegung der Seegrenzen ab, das Möglichkeiten für die Gasexploration im Mittelmeer eröffnet und als historisch gilt, aber auch Tücken enthält.

Am Montag erklärte der israelische Premierminister Yair Lapid, dass das von den USA vermittelte Abkommen über die Demarkation der Seegrenzen zwischen Israel und dem Libanon am Donnerstag unterzeichnet werden soll. Zu Beginn seines Treffens mit dem niederländischen Premierminister Mark Rutte in Tel Aviv sagte Lapid: »Am Donnerstag werden wir ein historisches Abkommen mit dem Libanon unterzeichnen. Bald wird Israel ein wichtiger Gaslieferant für Europa sein.«

In Presseberichten wurde zudem die Möglichkeit erörtert, das Abkommen in Naqoura zu unterzeichnen, jener libanesischen Stadt an der Grenze zu Israel, die als Stützpunkt für die Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (UNIFIL) dient.

Nach langen Verhandlungen unter amerikanischer Schirmherrschaft einigten sich die beiden Länder auf eine Demarkation ihrer Seegrenze und damit ein großes Hindernis für die Erschließung der Gasfelder im östlichen Mittelmeer zu beseitigen. Das Abkommen sieht vor, dass das Karish-Feld unter israelischer Kontrolle steht und das Qana-Feld an den Libanon übergeben wird. Da jedoch ein Teil des Qana-Felds jenseits der künftigen Demarkationslinie liegt, erhält Israel einen Anteil an den Einnahmen, die dem Libanon künftig daraus erwachsen werden.

Faktor Energiekrise

Heiko Wiemen, Projektleiter für Irak, Syrien und Libanon bei der in Brüssel ansässigen Denkfabrik Crisis Group, erklärte, die Energiekrise in Europa habe eine wichtige Rolle beim Zustandekommen des Abkommens gespielt.

»Dank der europäischen Bedürfnisse ist die Tür [für Gasexporteure] offen«, sagte Wiemen der arabischen Version der Deutschen Welle und fügte hinzu: »Jeder, der durch diese Tür gehen will, muss jetzt handeln, bevor jemand anderer hindurchgeht oder Erdgas, das eine vorübergehende Energie zu sein scheint, durch grünere Energieformen ersetzt wird. Ich meine also, dass es für die Israelis dringend notwendig ist.«

Was die Gewinne für den Libanon angeht, so umfasst das Qana-Feld Gasreserven, die derzeit auf knapp über drei Mrd. Euro geschätzt werden und dem Libanon jährliche Einnahmen zwischen hundert und zweihundert Mio. Euro pro Jahr bescheren werden.

Der amerikanische Vermittler Amos Hochstein bestätigte, dass »das Abkommen über die Abgrenzung der Meeresgebiete die Sicherheit fördert und dem Libanon ermöglicht, in seine Wirtschaft zu investieren«. Er wies darauf hin, dass die Erschließung und Nutzung »des Qana-Gasfelds im Interesse des Libanons sein wird« und fügte hinzu, dass »sowohl Israel als auch der Libanon 95 Prozent ihrer Forderungen« als erfüllt ansehen können.

Das Future Center for Studies and Research erklärte, das Abkommen über die Demarkation der Seegrenze werde »große Auswirkungen und viele Folgen für die beiden Länder und den östlichen Mittelmeerraum haben«. So werde das Abkommen »im östlichen Mittelmeerraum einen Wettbewerb um den Transport von Gas nach Europa auslösen«.

»Auf israelischer Seite könnte das Abkommen Premierminister Yair Lapid bei den bevorstehenden Wahlen Auftrieb geben, obwohl die von Netanjahu angeführte Opposition einen starken Wahlkampf führt«, heißt es in dem Bericht, in dem das Zentrum in Bezug auf den Libanon festhält, dass nicht dieser allein als neuer Akteur in das Erdgasgeschäft eintrete, sondern auch die Hisbollah, »was einen erwarteten Einfluss für den Iran bedeutet. Der Iran wird versuchen, auf alle möglichen Arten von dem Abkommen zu profitieren.«

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