Mena-Exklusiv

Die Muslimisierung des Nahen Ostens und Nordafrikas

Von Thomas von der Osten-Sacken

erdogan-koranEigentlich ist es ein schleichender Prozess, der hin- und wieder mit Massenmorden und gezielten Vertreibungen beschleunigt wird: Die Muslimisierung des Nahen Ostens und Nordafrikas. Juden, Christen und andere religiöse Gruppen wie die Eziden verschwinden aus Gebieten, in denen sie einst die Mehrheit der Bevölkerung gestellt hatten. Der Islamische Staat (IS) beseitigte im Nordirak deshalb auch nur die allerletzten Reste, dessen, was von einst großen assyrischen, chaldäischen, jüdischen und ezidischen Gemeinden übrig geblieben war, als er nach Einnahme von Mosul zur Tat schritt und die Stadt in eine rein islamisch-sunnitische verwandelte und Klöster, Kirchen  und andere religiöse Stätten in die Luft sprengte.

Nach über tausend Jahren ist Mosul heute eine rein muslimische Stadt. Und das soll sie nach der „Befreiung“ auch bleiben, jedenfalls wenn es nach dem türkischen Staatspräsidenten Tayyip Erdogan geht, der jüngst erklärte:

„After Mosul will be rescued from Daish, only Sunni Arabs, Turkmen and Sunni Kurds should remain there.“

Erdogan mag, als er dies sagte, an jene schiitischen Milizen gedacht haben, die unter Befehl der iranischen Konkurrenz stehen und sicher die Gunst der Stunde werden nutzen wollen, um Teile Mosuls unter ihre Kontrolle zu bringen. Nur hat er zugleich ausgeplaudert, worum es bei der ganzen Sache auch geht: Alle, die keine sunnitischen Muslime sind, sollen auch im Nordirak nicht mehr leben. Damit wäre ein Prozess, der mit der arabischen Eroberung begann, so abgeschlossen, wie er es in den meisten türkischen Städten längst ist: An die Griechen, Armenier, Juden und andere, die dort bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten, erinnert heute so gut wie nichts mehr. Nichtmuslmische Minderheiten machen in der heutigen Türkei kein Prozent der Bevölkerung aus.

Der IS erledigte die Drecksarbeit, die Früchte ernten andere, in diesem Fall jemand, der enger Partner Europas ist, und dessen Partei, die AKP, lange als Organisation „moderater Islamisten“ gepriesen wurde, die Islam und Demokratie zu vereinbaren wüsste. Wenn Demokratie ist, was Erdogan unter ihr versteht, nämlich die Herrschaft die Mehrheit, dann erscheint seine Forderung nur konsequent: Denn die Mehrheit der Bevölkerung von Mosul stimmte ihm sicher zu, dass dort fortan für Minderheiten kein Platz sein soll. Und solange es im Nahen Osten nicht gleichberechtigte Bürger gibt, sondern Religion, Geschlecht und Abstammung das Schicksal des Einzelnen bestimmen, wird es so weiter gehen wei bisher.

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