Der „Gesprächspartner“ Hamas

Sehr geehrte Kurier-Redaktion,

in seinem heutigen Kommentar meint Walter Friedl, Israel müsse „mit den Hamas-‚Terroristen‘ reden – ehe es zu spät ist.“ Denn es bestünde die Gefahr, dass die „nächste Generation“ der Islamisten „ähnlich radikal und kompromisslos“ sein werde, wie die Dschihadisten im Irak und Syrien. Man wundert sich, warum Friedl das Wort Terroristen durchgängig in Anführungszeichen setzt, handelt es sich bei der Hamas doch um eine Gruppe, an deren terroristischem Charakter es angesichts ihrer zahlreichen Selbstmordanschläge und dem ständigen Raketenbeschuss Israels nicht den geringsten Zweifel gibt – nicht ohne Grund wird sie auch von der EU als Terrorgruppe betrachtet.

Vielmehr fragt man sich aber: Welches Schreckensszenario malt Friedl eigentlich an die Wand? Dass eine Terrorgruppe die Macht übernehmen könnte, die die Palästinenser unter die Knute einer islamistischen Diktatur zwingt? Dass Gotteskrieger ans Ruder kommen könnten, die bis an die Zähne bewaffnet sind, von glühendem Hass auf Juden getrieben werden und dem jüdischen Staat Tod und Vernichtung schwören? Falls es Friedl noch nicht aufgefallen sein sollte: So eine „kompromisslose“ Gruppe ist im Gazastreifen bereits an der Macht – sie heißt Hamas.

Friedl attestiert Benjamin Netanyahu fehlenden Mut, der israelische Premier habe nicht „das Format eines Yitzhak Rabin, der als israelischer Regierungschef Arafat die Hand reichte“. Was er nicht dazusagt: Es war genau die Hamas, mit der Israel jetzt „Gespräche“ aufnehmen solle, die schon zu Rabins Lebzeiten mit ihrem Terror (ohne Anführungszeichen) jede Aussicht auf Frieden buchstäblich in die Luft zu sprengen versuchte. Der von Friedl als Vorbild bemühte Rabin wurde mit dem Ausspruch berühmt, der Friedensprozess müsse vorangetrieben werden, als ob es keinen Terror gebe. Sein Zusatz lautete jedoch stets, man müsse umgekehrt den Terrorismus bekämpfen, als ob es keinen Friedensprozess gebe. Von diesem Zusatz will Friedl in seiner Bezugnahme auf Rabin freilich nichts wissen – er will die Hamas stattdessen für deren blutigen Terror mit der Anerkennung als Gesprächspartner belohnen. Dass die weder an Verhandlungen, noch an Kompromissen mit Israel interessiert ist, kümmert Friedl genauso wenig wie der Umstand, dass ein solcher Schritt ein Schlag ins Gesicht all jener Palästinenser wäre, die sich für ihre Zukunft etwas anderes wünschen, als einen fortwährenden Krieg gegen den jüdischen Staat, das daraus resultierendes Elend und islamistische Unterdrückung.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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