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Wo Flaggen produziert werden, um verbrannt zu werden

Das Verbrennen von Israel- und US-Flaggen hat im Iran immer Saison
Das Verbrennen von Israel- und US-Flaggen hat im Iran immer Saison (© Imago Images / ZUMA Press)

Im Iran gibt es einen Wirtschaftszweig, der boomt, der allgemeinen Wirtschaftskrise zum Trotz: die Hersteller von amerikanischen und israelischen Flaggen haben gut zu tun, denn die Regierung lässt regelmäßig Massenkundgebungen abhalten, wo die Flaggen dann verbrannt werden, wie zuletzt etwa bei der „Trauerkundgebung“ für den getöteten General Soleimani.

Dann müssen neue Flaggen genäht und gedruckt werden, die dann wieder verbrannt werden. Auch am Jahrestag der „Islamischen Revolution“ – der Machtergreifung Ajatollah Khomeinis – werden traditionell Flaggen verbrannt. Egal also, ob „Wut“ oder „Freude“, das Flaggenverbrennen hat in der Islamischen Republik immer Konjunktur und damit auch das Geschäft der Flaggenproduzenten.

US-Flagge authentisch, Israelflagge nicht

Über einen der großen iranischen Hersteller von US- und Israelflaggen berichteten dieser Tage Nasser Karimi und Mohammad Nasiri von der Nachrichtenagentur AP: die Firma Diba Parcham Khomein mit Sitz in Khomeyn, der Heimatstadt Khomeinis, 260 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran.

Ein Foto zeigt die Fertigungshalle. Man sieht vier Arbeiter – drei Männer und eine Frau –, die gerade eine Serie US-Flaggen drucken, jede mit sieben roten und sechs weißen Streifen und 50 Sternen. An langen Drähten, die durch die ganze Halle laufen, werden die fertigen Flaggen wie Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Einige der Flaggen, die die Reporter fotografieren dürfen, sind für die Feiern zum 41. Jahrestag der Revolution bestimmt.

Trotz seines gut laufenden Geschäfts sagt der Fabrikbesitzer gegenüber AP, dass er auf bessere Beziehungen zwischen Teheran und den USA hoffe: „Ich hoffe, es gibt einen Tag, an dem die Flaggen, die wir produzieren, als Geschenk präsentiert werden“, so Fabrikant Abolfazl Khanjani.

Doch dieser Tag ist noch nicht da. Das Färben der Flaggen geht so vor sich, dass zuerst das blaue Rechteck mit den 50 Sternen auf den Leinenstoff gedruckt wird, danach kommen die roten Streifen. Dann müssen die Fahnen trocknen, ehe sie für den Transport verpackt werden. Anders als die „Stars and Stripes“-Fahnen sind die israelischen nicht authentisch: Auf die Flagge mit dem Davidstern werden auf Farsi die Worte „Tod für Israel“ gedruckt, erläutern die Arbeiter.

Produktion von US-Flaggen verdreifacht

Wie viele Flaggen können wohl von Hand in der Fabrik gefertigt werden? Diba Parcham Khomein produziert jährlich 1,5 Millionen Stück, erfahren die AP-Reporter. Das sind allerdings nicht alles Fahnen zum Verbrennen. Neben der amerikanischen Fahne und der israelischen Fahne mit dem Fluch drauf werden auch Flaggen mit islamischen Aussprüchen für religiöse und offizielle Anlässe im ganzen Land produziert.

Zudem stellt die Fabrik auch iranische Flaggen und eine kleine Stückzahl irakischer Nationalflaggen für den Export her. Den AP-Reportern fielen allerdings vor allem die amerikanischen und israelischen Flaggen ins Auge:

„Sie sind jeweils 1,5 mal 1 Meter groß. Die Fabrik stellt pro Jahr bis zu 6.000 amerikanische, britische und israelische Flaggen her, die alle für den Einzelhandel bestimmt sind. Die politischen Hardliner des Iran kaufen sie dann für etwa zwei Dollar pro Stück, um darauf zu stampfen, sie zu zerreißen und letztendlich in Brand zu setzen.“

In den letzten Jahren habe sich die Produktion der US-Flaggen verdreifacht, sagt Abolfazl Khanjani, der 36-jährige Fabrikbesitzer, und fügt hinzu: „Was letztendlich mit meinen Produkten passiert, liegt beim Endverbraucher.“

„Möglichkeit, Wut auszudrücken“

Khanjani bezeichnet sich laut dem AP-Bericht als Unterstützer iranischer „Reformgruppen“. Nachdem der iranische General Soleimani bei einem amerikanischen Drohnenangriff ums Leben gekommen war, wurden in seiner Fabrik auch kleine iranische Nationalflaggen gedruckt, die Bilder des lächelnden Soleimani zusammen mit Irans oberstem Führer Ajatollah Khamenei zeigten. Sie hingen zum Trocknen aus, während Frauen an ihren Nähmaschinen an amerikanischen Flaggen arbeiteten.

Gegenüber AP sagt Khanjani, das Verbrennen der amerikanischen Flagge biete den Iranern „eine direkte Möglichkeit, ihre Wut auf die US-Politik auszudrücken, einschließlich der Wirtschaftssanktionen, die das Land jetzt ersticken“. Er sieht im Verbrennen von Flaggen nur Vorteile:

„Gefährdet die Herstellung von US-amerikanischen Flaggen zum Verbrennen irgendjemanden? Tut das jemandem weh? Meine Antwort ist nein. Es ist im schlimmsten Fall eine Beleidigung. Aber was ist mit der Produktion von Waffen, Bomben und Drohnen für Terror, die gegen unser Volk und den General unseres Landes eingesetzt wurden? Hat das meinem Land nicht geschadet?“

Hass beim Nähen

Khanjanis Schwester Azam, die ebenfalls in der Fabrik arbeitet, teilt seine Meinung: „Das Martyrium unseres Generals war eine große Qual für uns, und dieses Jahr freute ich mich bei jeder einzelnen Flagge, die ich nähte, darauf, dass sie verbrannt werden würde“, sagt sie. „Mein Gefühl, wenn ich sie nähe, ist nur Hass. Es gibt mir kein gutes Gefühl.“

Parisa Mahmoudi, eine andere Arbeiterin, sagt, sie habe ihre Wut während der Arbeit auf Trump konzentriert. „Ich habe kein Problem mit dem amerikanischen Volk, aber ich mag seinen Präsidenten nicht“, sagt sie. „Wir haben mit niemandem ein Problem, aber wir wissen nicht, warum er uns feindlich gesonnen ist.“

Rein geschäftlich oder ideologisch unterfüttert?

In der Fabrik sind laut AP 40 Arbeiter beschäftigt, darunter 25 Frauen aus umliegenden Dörfern, die ein Monatsgehalt von umgerechnet bis zu 360 Euro verdienen. Für ihn habe die Produktion von Flaggen zum Verbrennen nichts mit einer politischen Einstellung zu tun, beteuert Khanjani, das sei rein geschäftlich.

Er zeigt den beiden AP-Journalisten ein Bild, das sein achtjähriger Sohn Aria gemalt habe. Es zeige, so die AP-Reporter, die Flaggen des Iran und der USA neben den Präsidenten der beiden Länder. Die Bildunterschrift laute: „Der Präsident der USA hat die Hand des iranischen Präsidenten geschüttelt und sie sind Freunde geworden.“ Leider zeigt AP kein Foto des Bildes.

Zeitgleich mit AP hat auch die britische Nachrichtenagentur Reuters über die Fahnenfabrik Diba Parcham berichtet. Reuters zitiert eine Frau namens Rezaei, die als „Managerin für Qualitätskontrolle“ vorgestellt wird. Sie sagt, das Verbrennen von amerikanischen Flaggen sei „das Mindeste, was man tun kann“.

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