Wie der Iran Putin in Syrien über den Tisch zieht

„Insbesondere Putin lernt nach und nach, dass Syrien in seiner gegenwärtigen Form unregierbar ist. Im Dezember hatte er auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt nahe Idlib den ‚Sieg’ verkündet. Gefolgt ist darauf eine schwindelerregende Reihe von Ereignissen, durch die Russland in Wirklichkeit tiefer in den Krieg hineingezogen wurde. Zugleich ist dabei deutlich geworden, dass das Assad-Regime bei der Wahrung seiner Position und erst recht, um sie auszubauen, fast vollständig von den Stellvertreterorganisationen ausländischer Mächte abhängig ist. (…) ‚Der einzige Gewinner ist bislang der Iran’, so Bassam Barabandi, ein ehemaliger syrischer Diplomat, der sich Mitte 2013 absetzte. ‚Er erreicht seine Ziele einigermaßen geräuschlos. Dem Iran ist es nur recht, wenn Russland und Amerika sich streiten, denn dadurch wächst die Abhängigkeit Russlands vom Iran. (…)

Der Iran, mit dem Russland sich zusammengeschlossen hat, um sicherzustellen, dass die Aufständischen den Krieg nicht mehr gewinnen können, macht auch in Deir ez-Zor Ansprüche geltend. Russische Regierungsvertreter haben sich bei ihren Amtskollegen in der Türkei darüber beklagt, dass die Ziele des Iran den eigenen zunehmends entgegenstünden. (…) Ein hochrangiger türkischer Diplomat berichtete dem Observer, Moskau fühle sich insbesondere von der iranischen Entschlossenheit bedroht, in Damaskus einen Staatssicherheitsapparat nach dem Modell der iranischen Revolutionsgarden zu schaffen. Das Korps der Islamischen Revolutionsgarden ist seit der Islamischen Revolution vor 40 Jahren die mächtigste Institution im Iran. ‚Doch wie kann man sie aufhalten?’ fragte der Diplomat. ‚Putin wird sich künftig nicht einfach durchsetzen können. Und wir sehen, dass das [die Russen] zunehmends irritiert.’ (…)

‚Russland behauptet stets, es könne Assad nicht in dem Maße beeinflussen, wie der Rest der Welt annehme. Das stimmt,’ so Barabandi. ‚Der Iran verfügt über größeren Einfluss auf Assad. Kurzum, der Iran ist gekommen, um in ganz Syrien zu bleiben und die USA durch die Bedrohung Israels herauszufordern. Syrien wird der Schauplatz eines künftigen Kriegs zwischen der Hisbollah und dem Iran einerseits und Israel andererseits sein.’ ‚Und dem Iran ist es nur recht, dass Russland in Syrien die Hauptrolle übernommen hat. Dadurch hat er seine Streitkräfte ungehindert aufbauen können. Keine der beteiligten Parteien trauen einander und wir haben es stets mit kurzfristigen Bündnissen zu tun, die sich jederzeit ändern können. Gemeinsam ist ihnen nur, dass sie die USA aus Syrien vertreiben wollen.

Russland hatte gehofft, in Syrien eine neue regionale Machtbasis in der Region aufbauen und sich mit dem Machterhalt Assads eine führende Rolle bei der Gestaltung einer neuen Ordnung in der Region und vielleicht darüber hinaus sichern zu können. Inzwischen konzentriert es sich auf eher kurzfristige Vorteile. ‚Wir haben den Brüdern des syrischen Volks geholfen und dabei mehr als 200 neue Waffentypen getestet’, erklärte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der russischen Duma Vladimir Shamanov. ‚Dank unseres militärisch-industriellen Komplexes können wir heute auf unsere Armee stolz sein.’“ (Martin Chulov: „Moscow mired in Syria as Putin’s gameplan risks a deadly ending“)

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