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Warum Ingenieure zu Dschihadisten werden

„Davon also, dass die Terroristen zu denen gehören, die nichts als ihre Ketten oder ihre Armut zu verlieren hätten, kann keine Rede sein. Unter allen Studienfächern übertrifft das Ingenieurwesen alle anderen bei weitem, was den Anteil seiner Absolventen am islamischen Radikalismus angeht. … Eine erste Erklärung für die vergleichsweise hohe Bereitschaft ausgerechnet von Ingenieuren, sich zu radikalisieren, ist vielmehr ökonomischer Natur. Doch nicht objektive Elendslagen unterprivilegierter Personen, sondern enttäuschte Erwartungen von Angehörigen einer privilegierten Schicht bahnten historisch den Weg zum Terror. …

Die Netzwerke, in denen die Not des blockierten Aufstiegs von Ingenieuren, Technikern, Planern in die Tugend religiöser Strenge und Askese uminterpretiert wurde, bildeten sich an Universitäten. Aggression gegen einen ‚westlichen‘ Lebensstil entwickelte sich also oft gerade bei Leuten, die sich auf dem Weg zu einem solchen Leben aufgehalten sahen. Von unpolitischen Modernisierern wurden sie zu radikalen Gegnern dessen, was ihnen als betrügerische, korrupte Moderne erscheint. Die am meisten islamisierten Berufsgruppen im Nahen Osten, so Elisabeth Longuenesse von der Universität Versailles, sind die Ärzte und die Ingenieure, weil deren Statusverluste im vergangenen halben Jahrhundert am größten seien.“ (Der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Jürgen Kaube: „Berufe der Terroristen. Die Dschihad-Ingenieure“)

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