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Die Vorbilder des palästinensischen Premiers

Palästinensischer Premier und Glorifizierer bestialischer Judenmörder: Mohammed Shtayyeh. (© imago images/ZUMA Wire)
Palästinensischer Premier und Glorifizierer bestialischer Judenmörder: Mohammad Shtayyeh. (© imago images/ZUMA Wire)

Der palästinensische Premier lobte jüngst drei Männer als besondere Vorbilder. Deren Leistung: Sie haben noch blutrünstiger getötet als andere Judenmörder.

Der palästinensische Regierungschef Mohammad Shtayyeh gilt allgemein als »gemäßigter« Politiker. Er ist ein enger Vertrauter Mahmud Abbas, dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) und Vorsitzenden der PLO. Anfang der 1990er Jahre gehörte Shtayyeh zur palästinensischen Delegation bei den israelisch-palästinensischen Verhandlungen in Madrid und war danach Mitglied palästinensischer Verhandlungsteams im sogenannten Oslo-Friedensprozess.

Am vergangenen Sonntag hielt der Premier eine Rede, die im palästinensischen Fernsehen übertragen wurde. Anlass war der »Tag der Märtyrer«, ein jährlich abgehaltener Gedenktag, den Jassir Arafat 1965 ins Leben rief, nachdem mit Ahmed Mousa zum ersten Mal ein Fatah-Terrorist nach einem Anschlag auf Israel getötet worden war – bezeichnenderweise allerdings nicht vom bösen israelischen Feind, sondern von jordanischen Soldaten.

Gemäß den an diesem Tag üblichen Gepflogenheiten bejubelte Shtayyeh in seiner Ansprache die vermeintlichen Helden für die palästinensische Sache: »Wir erzählen die schönen Geschichten über die Märtyrer, damit sie uns als Vorbilder dienen, damit wir sie im Gedächtnis behalten und damit wir uns jeden Tag an sie erinnern.« Aus der Vielzahl der »Märtyrer« hob Shtayyeh drei namentlich besonders hervor: »Wir erinnern an die schönen Geschichten der Märtyrer, damit wir eins werden mit Muhammad Jamjum, Atta Al-Zir und Fuad Hijazi.«

Wer waren diese drei Männer, welch großartige Taten haben sie verrichtet, die ihnen die Ehre zuteilwerden lassen, so prominent hervorgehoben zu werden? Shtayyeh selbst gab einen Hinweis, indem er hinzufügte, die drei seien »von den Briten 1930 hingerichtet« worden. Im Gegensatz zu vielem, was der Premier in seiner Ansprache sonst noch zu erzählen wusste, ist das historisch zutreffend.

Massaker in Palästina

Im Laufe der späten 1920er Jahre wurden die Klagemauer und das (damals nur schmale) Areal davor zu einem Kristallisationspunkt des arabisch-jüdischen Konflikts in Palästina. Angefacht wurde der Streit nicht zuletzt vom Mufti von Jerusalem, dem späteren Nazi-Kollaborateur Amin el-Husseini, der die Chance sah, mit der Mobilisierung nationalistischer und religiöser Ressentiments und dem Beharren auf einem in jeglicher Hinsicht kompromisslosen Kurs in der Konkurrenz mit seinen arabischen Kontrahenten zu punkten. Die vom Mufti initiierte Propagandakampagne und die zahlreichen Attacken auf Juden an der Klagemauer gipfelten schließlich in der blutigen Eskalation Ende August 1929.

Am 23. August machten sich Tausende von Einpeitschern angestachelte und mit Knüppeln, Messern und Schusswaffen bewaffnete Araber vom Haram asch-Scharif (dem Tempelberg) aus auf den Weg, um Juden sowie jüdische Geschäfte und Wohnviertel anzugreifen. Die britischen Sicherheitskräfte, die personell stark unterbesetzt waren, griffen nicht oder nur sehr zögerlich ein, um dem Blutbad Einhalt zu gebieten. Binnen zweier Tage wurden allein in Jerusalem 17 Juden ermordet. In zahlreichen Orten im ganzen Land wurden Juden attackiert, sechs Kibbuzim wurden völlig zerstört.

Nach knapp einer Woche der Gewalt lautete die Bilanz: 133 getötete Juden (die meisten durch Araber), 116 getötete Araber (die meisten durch britische Sicherheitskräfte) und Hunderte Verletzte auf beiden Seiten.

Hebron

Die blutigsten Attacken ereigneten sich in zwei Orten mit etlichen Jahrhunderte alten jüdischen Gemeinden: in Hebron und Safed.

Auch in Hebron begann die arabische Gewalt am 23. August. Juden wurden mit Steinen beworfen, bei einem Angriff auf Hebrons Jeschiwa geschah der erste Mord, als ein 24 Jahre alter Student von einem arabischen Mob erstochen wurde. Weitere tödliche Attacken erfolgten, bevor Hebron am 24. August zum Schauplatz eines regelrechten Massakers von mit Dolchen und Schwertern bewaffneten Arabern an ihren jüdischen Nachbarn wurde.

Der britische Polizeioffizier Raymond Cafferata beschrieb eindrücklich, was er erlebte, als er sich Zutritt zu einem Haus verschaffte, aus dem er Schreie vernommen hatte:

»Ein Araber war dabei, einem Kind mit dem Schwert den Kopf abzuschlagen. Einmal hatte er bereits zugeschlagen und wollte gerade ein zweites Mal ausholen, als er mich sah und stattdessen auf mich einhieb, aber sein Ziel verfehlte. Er befand sich praktisch vor der Mündung meines Gewehrs. Ich schoss ihm in den Unterleib. Hinter ihm sah ich eine blutverschmierte jüdische Frau mit einem Mann, den ich als Polizisten wiedererkannte, Issa Sherrif aus Jaffa. … Er stand mit einem Dolch in der Hand über die Frau gebeugt. Als er mich sah, flüchtete er in das nächste Zimmer und rief auf Arabisch: ›Ich bin Polizist, Euer Ehren.‹ Ich folgte ihm in das Zimmer und erschoss ihn.«[1]

Ein jüdischer Überlebender, der von seinem Versteck in einem Haus mitanhören musste, wie der arabische Mob Juden massakrierte, erzählte:

»Ich schaffte es kaum aus unserem Versteck heraus. Wegen der vielen Körper, die sich vor dem Bücherschrank türmten, ließ er sich nur schwer wegrücken. Der Anblick der Toten und Verwundeten ließ mich vor Entsetzen erzittern. Ich fand keinen Platz, wo ich hintreten konnte. Unter den Niedergemetzelten erkannte ich Eliezer Dan und seine Frau, meinen Freund Dubnikov, einen Lehrer aus Tel Aviv und viele andere …

Fast alle waren mit Beilen und Messern am Kopf verletzt worden. Einige hatten gebrochene Rippen. Einige Leichen waren aufgeschlitzt, und die Eingeweide quollen heraus. Ich kann den Blick in den Augen der Sterbenden nicht beschreiben. Überall sah ich dasselbe. In einem Zimmer erkannte ich die Frau meines Bruders; sie war halb nackt und atmete kaum noch. Das ganze Haus war geplündert worden, alles war voller Federn, und an den Wänden waren Blutflecken …«[2]

Als das Morden in Hebron beendete wurde, waren 67 Juden tot, darunter ein Dutzend Frauen und drei Kinder unter fünf Jahren. Der verbliebene Rest der Gemeinde wurde aus der Stadt evakuiert. Der damalige britische Hochkommissar in Palästina, der alles andere als pro-jüdisch eingestellte John Chancellor, schrieb nach einem Besuch von Hebron: »Ich glaube nicht, dass es in der Geschichte der letzten hundert Jahre noch viele Beispiele schlimmerer Gräueltaten gibt.«[3]

Ähnliche Szenen wie in Hebron spielten sich, wenn auch in geringerem Ausmaß, eine Woche später in Safed ab, der vierten heiligen jüdischen Stadt neben Jerusalem, Hebron und Tiberias. In einem nur zwanzig Minuten dauernden Angriff ermordeten Araber 18 Juden und verletzten rund 80. Erst nach zwei Tagen des arabischen Plünderns und Brandschatzens, bei dem weitere Juden ermordet wurden, gelang es britischen Ordnungskräften, die Gewalt in der Stadt zu beenden.

Drei Todesurteile

Während die vom britischen Königsreich eingesetzte Shaw-Kommission der Frage nachgehen sollte, welche Ursachen der Gewalt zugrunde gelegen hatten, bemühten sich die Mandatsbehörden um eine juristische Aufarbeitung der begangenen Verbrechen. Knapp 900 Personen wurden vor Gericht gestellt, rund 700 davon Araber. 55 Araber wurden verurteilt, 25 von ihnen zum Tode. Nach massivem arabischem Druck wurden am 17. Juni 1930 schließlich nur drei dieser Todesurteile tatsächlich auch vollstreckt. Die Hingerichteten hatte besonders grausame Morde in Hebron und Safed begangen.

Die arabische Führung ließ am Tag vor den Exekutionen eine Erklärung veröffentlichen, in der es hieß, die Männer würden »mit Freude in den Tod gehen, denn sie sterben für ihr Vaterland, und auch wenn ihre Körper vergehen, werden ihre Namen für alle Zeit leben. Die Araber werden sie als Symbol der Aufopferung in Erinnerung behalten. Sie sind der Grundstein unserer Unabhängigkeit. … Araber, erinnert euch an eure Helden und verzweifelt nicht, denn Völker können ohne Opfer und Geduld nicht leben!«[4]

Der New York Times vom Tag nach der Hinrichtung war Näheres über die Hingerichteten zu entnehmen. Einer hatte in Safed seinen Hebräisch-Lehrer und einen weiteren Juden ermordet, die zwei anderen wurden dagegen für ihre Taten in Hebron gehängt.[5] Einer dieser beiden soll noch vor seiner Exekution den Mord an fünf Juden gestanden haben, doch es waren besonders die Verbrechen des anderen Täters von Hebron, die wegen ihrer Grausamkeit hervorstachen: Er war in Hebron in das Haus des 69 Jahre alten, aus einer seit Generationen in Hebron lebenden Familie stammenden Rabbiners Shmuel Castel eingedrungen und hatte ihn gefoltert, kastriert und bei lebendigem Leibe verbrannt. Castels Frau überlebte schwer verletzt, vermutlich nur, weil sie das Bewusstsein verloren hatte und für tot gehalten wurde. Der Täter wurde wegen Morden in einem anderen Haus, an denen er führend beteiligt war, gar ein zweites Mal zum Tod verurteilt.

Shtayyehs heldenhafte Vorbilder

Die Namen der drei Mörder: Fuad Hijazi, Muhammad Jamjum und Atta Al-Zir – genau die drei Männer also, die der palästinensische Premier dieser Tage für ihre besondere Heldenhaftigkeit in den Himmel lobte. Wie schon die arabische Führung 1930, preist heute der palästinensische Regierungschef blutrünstige Judenmörder als glänzende Vorbilder, deren Beispiel die Palästinenser zu folgen hätten.

Wohlgemerkt: Die palästinensische Führung preist nicht etwa bloß Mörder, sondern ehrt ausgerechnet die blutrünstigsten und bestialischsten unter ihnen als erlauchte Vorbilder. Männer wie Hijazi, Jamjum und Al-Zir eben, die auf noch grausamere Art und Weise Juden massakrierten als die anderen Mörder vom August 1929 – und von Shtayyeh genau deshalb als glorreiche Heldenfiguren bejubelt werden. Mehr muss man über die palästinensische Führung eigentlich nicht wissen.


[1] Zit. nach Segev, Tom: Es war einmal in Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, München 2005, S. 353.

[2] Zit. nach ebd., S. 353f.

[3] Zit. nach ebd., S.358.

[4] Zit. nach “Martyr’s Day”, Palestine Bulletin, 18. Juni 1930.

[5] Vgl. Disorder Marks Hangings of Arabs, New York Times, 18. Juni 1930.

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